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Konzert

22.10.2019

Zwischen Zuversicht und Todesahnung

Die klare Führung Alois Kammerls machte deutlich, wie thematisch verschlungen das Spätwerk Schuberts ist.
Bild: Manuela Rieger

Der Kammerchor St. Sebastian, das Orchester Dieter Sauer und Solisten begeistern in der Aichacher Stadtpfarrkirche mit Schubert

Die Es-Dur-Messe stammt aus dem letzten Lebensjahr von Franz Schubert. Besonders düster klingt sie eigentlich nicht. Schuberts letzte Lebensmonate sind ein Strom gewaltiger Gedanken. So als ahnte er nicht, dass seinem Leben enge Grenzen gesetzt waren. Den Komponisten nahm man allenfalls als Liederkomponisten wahr, nicht als den Meister von Messen. Dies gilt nicht zuletzt für seine Es-Dur Messe D 950, die jetzt in trefflicher Aufführung durch den Kammerchor Sebastian und Sopranistin Beata Marti, Altistin Lena Fleck, Tenor Bernhard Hirtreiter und Bariton Wolfgang Wirsching in der Aichacher Stadtpfarrkirche unter der präzisen Leitung von Kantor Alois Kammerl erklang.

Das Konzert wurde eingeleitet mit dem Psalm 30,3 „Mein Gott ich hab zu dir geschrien“, der Zuversicht und Freude verheißt und die Stimme zu Gott nie versiegen lassen will. Komponiert und intoniert von Alois Kammerl, gesungen von Bernhard Hirtreiter. Trefflich von Dieter Sauer und Barbara Bachhuber an den Violinen, Christiane Sauer an der Bratsche und Marie-Theres Daubner am Cello begleitet.

Die glänzend disponierte Solistengarde überzeugte durch stimmliche Geschliffenheit ebenso wie durch die klar umrissene melodische Ausformulierung und die Sensibilität des Textausdrucks. Doch die entscheidenden Impulse kommen bei diesem Werk von Chor und Orchester – und beide lieferten eine hochkarätige Leistung.

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Nicht weniger als das Höchste in der Kunst forderte Schubert einst von sich, als er die Messe in Es-Dur komponierte. Auch der Chor St. Sebastian schien sich kaum mit Geringerem zufriedenzugeben. Denn so kraftvoll und entschlossen die Sänger den Gottespreis zu Beginn das Kyrie und das folgende Gloria noch hinausriefen, so bitter ist dann wenige Augenblicke später die Anklage gegen sich und die Sünden. Die Emotionen überschlagen sich, der Zuhörer wird überwältigt.

Erfreulicherweise schaffte es Alois Kammerl, die mächtigen gesanglichen Abruptheiten im Sanctus auf ein eindringliches Credo folgen zu lassen. Quer durch alle Lagen überzeugte der Chor St. Sebastian, der von dem Orchester Dieter Sauer mehr als überzeugende Rückendeckung erhielt. Die Solisten blieben etwas hinten vor, doch das ist von Schubert so angedacht, da der Komponist diesen Part fast stiefmütterlich behandelt.

Am Ende stört das kaum, die Anwesenden feierten Kammerl und die Seinen mit Standing Ovations. Das war gut nachvollziehbar, haben die Klangkörper des Chores und des Orchesters doch einen Schubert zum Genießen geliefert – und der ist aller Rede wert.

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