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22.09.2014

Äpfel, Birnen und Zitronen

gredt.eps
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Unsere Sprachserie befasst sich mit des Deutschen liebster Knolle

Ihren Namen verdankt sie einer Verwechslung. In unseren Mundarten hat sie die Namen von Obst angenommen. Sie zählt ohne Zweifel zu unseren wichtigsten und wohl auch gesündesten Nahrungsmitteln und ist, auch wenn man ihr das gerne nachsagt, beileibe kein Armeleute-Essen und auch kein Dickmacher, eher schon eine Vitaminbombe, was ihr auch die Bezeichnung „Zitrone des Nordens“ eingebracht hat. Es geht um die von den Spaniern im 16. Jahrhundert aus Amerika eingeführte Kartoffel, deren Name auf das italienische Wort „tartufolo“ für Trüffel zurückgeht, was eigentlich Erdknolle bedeutet.

In unseren Mundarten sprechen wir von Birnen und Äpfeln, nicht vom Baum, nein, von unten, von der Erde, dem Grund, dem Boden: Erd/Boden/Grundbirne, Erdapfel sind wohl die häufigsten Bezeichnungen, wobei im bairischen Dialekt die Verbindung mit Birne weitgehend ungebräuchlich ist, ebenso wie im österreichischen Raum, wo der „Erdapfel“ sogar die offizielle Hochsprache ist und Kartoffel eine „Piefke“-Bezeichnung.

Nicht verwechseln sollte man Bodenbirne mit Bodenbeere. Denn so nennt man im Schwäbischen die Erdbeere. Die Österreicher kennen für die Kartoffeln obendrein den spaßigen Ausdruck „Bramburi“, das eigentlich „Brandenburger“ bedeutet. Und dies dürfte wohl mit der angeblich preußischen Vorliebe für die Kartoffel zusammenhängen. Übrigens: Auch die Tschechen nennen die Knollen aus der Erde Brandenburger.

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Im Alemannischen spricht man auch vom „Herdapfel“, was laut Duden einer volksetymologischen Anlehnung an den für die Zubereitung nötigen Herd geschuldet ist. Denn roh sind Kartoffeln nicht zu verzehren.

In der schwäbischen Mundart wird die „Grundbirne“ gelegentlich auch zur „Grumpere“. Vermutlich findet sich dieser Name in der bairischen Bezeichnung „Grumplert“ für einen Kartoffel-Kohl-Eintopf wieder.

Auffallend ist, dass es in Bayrisch-Schwaben und auch in Württemberg deutlich mehr Bezeichnungen für die Kartoffel gibt als in Altbayern. Das mag auch mit der dort vorrangig betriebenen Viehhaltung zu erklären sein, sicherlich auch mit der Bodenbeschaffenheit. Allerdings gilt sowohl rechts wie links des Lechs die alte Gourmet-Weisheit, dass Kartoffeln besonders gut schmecken, wenn sie vorher an die Sau verfüttert wurden.

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