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Kunst

25.11.2014

Auf dem Pilgerpfad der Pinselstriche

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2 Bilder
Christian Beckmann empfindet Spiegelungen in Gemälden nicht als störend, sondern baut sie bewusst mit ein.

Sechs kreative Stadtberger öffnen ihre Ateliers und zeigen die Vielseitigkeit gestalterischen Schaffens in der Stadt

Sechs kreative Stadtberger gaben am Tag der offenen Ateliers Kunstfreuden Einblick in ihre heiligen Hallen. Und diese zeigten sich sehr unterschiedlich.

Betrat man etwa den Speicher von Anna Ottmann, glaubte man fast, sich selbst in einem Gemälde wiederzufinden, erinnert diese Künstlerwerkstatt doch an Spitzwegs Gemälde „Der arme Poet“: Hier steht ein Bett, dort blicken Masken herab, anderswo dominieren Leinwände mit expressiven Zeichnungen. Aber Ottmanns Stil hat nichts mit bravem Biedermeier gemeinsam, denn bei ihr steht der menschliche Körper im Vordergrund. Doch ihr aktuelles Projekt „In Nomine Crucis“ besteht aus räumlichen, höchst beunruhigenden Kreuz-Installationen. „Hier geht es um den Kindesmissbrauch seitens der Kirche“.

In ruhigerem Stil geben sich die Linolschnitte von Andrea Groß. Kräftige Farben vermitteln Geschichten und Gefühle oder halten mit zarten Aquarellfarben unterschiedliche Landschaftseindrücke fest. Mal dreht sich alles um menschliche Verluste, mal geht es um hektische Alltagsmomente, die in ruhigeren Zeiten eine bedrückende Leere erzeugen können. Gerne zeigte sie Besuchern auch, wie man an der Linolpresse arbeitet, dem Herzstück ihres „Elfenbeinturms“.

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Bei Jeanette Scheidle dominieren dagegen Radierungen und die Intagliotypie, eine Drucktechnik, die auf biologischen Vorgängen basiert. „Bitte am Bügel blättern“ steht an ihrem Wandschrank geschrieben und fordert die Gäste dazu auf, die Kunstwerke darin genauer in Augenschein zu nehmen. Ihre Motive sind Kombinationen aus grafischen Elementen und der modernen Digitalfotografie und zeigen oftmals eine spannende Architektursymbolik. Ihre leuchtenden Bilder gesellten sich kontrastierend zu den filigranen Schmuckstücken der Goldschmiedin Eva Pfiffner, die gerne alte und neue Ausdrucksformen in seltenen Zusammenstellungen vereint – In der „Hippie-Vitrine“ etwa fiel der Blick auf fröhliche Peace-Zeichen. Sie denkt auch an die praktischen Seiten der Kunst: „Das Schöne ist, dass sich die Ringe bewegen können und die Hände Spielraum haben.“

Bei Beatrice Schmucker finden sich ebenfalls seltene Kombinationen: Düstere Sujets werden mit hellen Farben in Szene gesetzt. „Mich inspirieren oft Zeitungsbilder“, erklärte Schmucker bei einem Gemälde mit Flüchtlingen aus Lampedusa.

Richtig unheimlich wurde es bei Christian Beckmann: Am Boden ausgebreitet: Beckmanns einzigartiges Meisterstück, sein „Aktionstuch“ in Kreuzesform, eine überdimensionale Collage aus comicartigen Einzelbildern, in denen Politik und religiöse Motive in verstörender Weise in Einklang gebracht wurden. Die gesamte Szenerie strahlte eine enorme theatralische Wirkung aus und Beckmann erklärte verschmitzt: „Ich komme aus dem Osten und bin daher etwas anders strukturiert. Meine Werke sind durch Gesamtheit geprägt. Dass man darauf herumtrampelt, gehört eben auch dazu.“

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