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Ausstellung

13.05.2015

Bilder halten die Zeit fest

„Event in Space“ ist eines der Werke von Barbara Dix, die zurzeit in der Galerie im Rathaus in Neusäß zu sehen sind.
Bild: Andreas Lode

Barbara Dix zeigt Radierungen aus 34 Jahren in Neusäß

„Lauf der Zeit“, „Wandlungen“, „Ein Augenblick…“: Das Gegensätzliche vereinen, scheint es, ist die Aufgabe, die sich die Diedorfer Künstlerin Barbara Dix stellt. Die Zeit abbilden, im Kern Wandelbares auf Statisches wie Bütten zu bannen, ist auf den ersten Blick ein Widerspruch in sich und nicht die einzige Herausforderung in der gegenwärtigen Ausstellung „ZeitMale“ in der Galerie des Neusässer Rathauses.

Mehr als 50 fertige Arbeiten, ausschließlich Radierungen verschiedener Techniken, aus 34 Schaffensjahren bis zur Gegenwart, werden gezeigt und Barbara Dix’ Werke sind ebenso vielseitig wie kohärent.

Ob surrealistisch wie bei Dali, grotesk-realistisch wie bei Namensvetter Otto Dix, naiv-pädagogisch wie in mittelalterlicher Malerei, organisch-abstrahierend wie in den bezaubernden galaktischen Bildern, grafisch wie Cornelis Escher, mit Anklängen an die Kartografie – es liegt dieser Vielfalt spürbar eine Handschrift und ein Wollen zugrunde.

Barbara Dix will bewusst machen, die Welt und die Augen auftun für ihre und die kosmische Schönheit, die hinter unserem Müssen und Leisten liegt, das Absurde der Nachrichtenflut und der ständigen Hast bloßstellen, die zerstörerische Kraft des Fortschreitens entdecken. „Windows – Waves“ öffnet den Horizont, „Kleine Seifenblase“ führt die Fragilität unserer Welt vor, „Straßen über alten Wegen“ die brutale Geradlinigkeit des Asphalts über tradierten, vielleicht auch kultisch bedingten Mäanderpfaden. „The Search“, drei gesichtslose Mönche mit Fernrohren im Dreieck zeigend, davon nur einer in die Sonne blickt, erinnert an Lessings „Ringparabel“. Eine kathartisch motivierte Kunst könnte man Dix’ gezeigtes Opus nennen, doch die Künstlerin erhebt keinen moralisierenden Zeigefinger.

Barbara Dix stellt das Entdeckte vor und dem Betrachtenden obliegt die Entscheidung, ob er sich mit der gekonnten Abbildung zufriedengibt oder auf die Aussage einlässt. Die große Palette ihrer Stile ist sicher auch ihrer reichen Biografie geschuldet. Barbara Dix lebte mit ihrem Mann jahrelang an der Elfenbeinküste, dann in Dakar, Bagdad, Singapur, Peking und Washington, erlernte die Landessprachen, begegnete Künstlern aus der ganzen Welt und lernte an der Corcoran School of Art den neuesten Hayter Farbdruck kennen, ein Multicolordruck mit nicht ineinander laufenden Farben.

Für die Kolorierung von Radierungen waren zuvor mehrere Arbeitsschritte nötig gewesen. Die Hayter Technik vereint den Gegensatz Farbe und Druck, erfordert gleichzeitig Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Farben. Barbara Dix beherrscht diese Drucktechnik virtuos, wie auch die thematischen Herausforderungen in ihrer Werkschau.

Die Ausstellung ist bis zum 3.Juni zu den üblichen Öffnungszeiten im Rathaus Neusäß zu sehen.

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