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Abenteuer Mama

17.06.2019

Das Aus für mein Schubladen-Denken

Sollte etwa aus meinem kleinen Schnuckelbutz ein rotzfrecher Bengel werden?
Bild: Africa Sudio, stock.adobe.com (Symbolfoto)

Wie mich mein Kind gelehrt hat, dass niemand immer so ist wie alle denken.

Ich gebe es zu: Manchmal denke ich gerne in Schubladen. Die Welt teilt sich für mich in sportliche und nicht-sportliche Menschen, fröhliche und miesepetrige, wagemutige und ängstliche Menschen ein. Vermutlich ist es ein Mix aus Veranlagung, Erziehung und (frühkindlicher) Prägung. Das bedeutet aber nicht, dass man dem ausgeliefert ist. Im Rahmen seiner Möglichkeiten hat jeder einen gewissen Spielraum. So ist meine Theorie und ich hoffe, Hirnforscher, Soziologen und andere Experten rollen beim Lesen meiner Zeilen nicht mit den Augen.

Als mein Kleiner noch so richtig klein - sprich: ein Baby - war, verortete ich ihn in der Gruppe der Wagemutigen. Mir, die ich eher von der Schisser-Fraktion bin, war das etwas unheimlich. Zu seiner unglaublichen schnellen motorischen Entwicklung gesellte sich ein Forscher- und Tatendrang. Während andere sich im Alter von fünf, sechs Montan damit zufrieden gaben, dazuliegen und glückselig das über ihnen angebrachte Mobile betrachteten, fing mein Sohn an zu robben und zu krabbeln. Und das in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Von da an war nichts und niemand mehr von ihm sicher.

Als Kind fand ich solche Zeitgenossen einfach nur furchtbar

Andere Kinder musste ich vor ihm schützen, sonst hatten sie seine Grapschehändchen im Gesicht oder am Hals. Mit Freude stürzte er sich auf alles. Und ich hatte insgeheim die Sorge, dass aus meinem süßen Baby ein richtiger Haudrauf wird. Ein wildes Kind, das nur schwer zu bändigen ist. Ein Raufbold, der gerne ohne Vorwarnung schreit, losrennt und nicht weiß, wohin mit seiner Energie. Als Kind fand ich solche Zeitgenossen einfach nur furchtbar. Sollte aus meinem Schnuckelbutz ein rotzfrecher Bengel werden?

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Inzwischen ist mein Sohn knapp eineinhalb. Meine Sorge hat sich - Stand heute - als unbegründet herausgestellt. Zum Glück! Eher verkehrt sich sein Verhalten ins Gegenteil. Fast schon schüchtern ist er, wenn wir in neuen Spielgruppen sind. Sicher auf Mamas Schoß verharrend blickt er grimmig in die Runde. Ein Lächeln kommt ihm genauso wenig über die Lippen wie irgendein gebrabbeltes Wort. Er ist neugierig, aber traut sich nicht. Gerne würde er mitmachen und beobachtet das Geschehen aufmerksam, weiß aber nicht so recht, ob er darf oder kann.

Ständig stehe ich vor der Frage: Soll ich so oder so reagieren? Soll ich ihn ermutigen oder ihn abwarten lassen? Ihn mit dem Essen spielen lassen oder einschreiten? Irgendwann soll er ja lernen, sich zu benehmen. Schubladen-Denken hilft mir da nicht weiter. Mein Kind, das kleine Individuum, lässt sich in keine Schublade stecken. Gut so!

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