Serie

10.12.2018

Der Papa der Puppenkiste

K%c3%b6pfe_im_Augsburger_Land-04.pdf
2 Bilder

Ein gebürtiger Magdeburger hat Augsburg weithin bekannt gemacht

Auch wenn er kein gebürtiger bayerischer Schwabe war, um die Stadt Augsburg hat er sich mehr als verdient gemacht, und ganze Generationen des vergangenen (und heutigen) Jahrhunderts sind mit ihm und seiner Kunst aufgewachsen. Klar, es geht um die Puppenkiste, genauer gesagt um deren Gründer Walter Oehmichen.

Geboren wurde er am 30. Juli 1901 in Magdeburg, er lebte seit den 1930er-Jahren in Augsburg und in Stadtbergen. Dass er sich einem künstlerischen Beruf zuwenden würde, war bald klar. Begonnen hat es – auch auf Betreiben seiner Eltern – mit der Fotografie, doch schon bald packte ihn das Schauspielfieber, und er studierte in Düsseldorf. Ein berühmter Kollege war in dieser Zeit übrigens Gustaf Gründgens.

Schon als Teenager spielte er an nord- und westdeutschen Bühnen. 1931 kam er ans Augsburger Stadttheater, wo er bald zum Oberspielleiter aufstieg. Dann kam der Weltkrieg, und Oehmichen war im französischen Calais stationiert. Dort entdeckte er in einer Schule eine kleine Puppenbühne. Es klingt wie ein Märchen, ist aber wahr. Oehmichen begann aus Pappe Puppen zu basteln und seinen Kameraden zum Zeitvertreib Stücke vorzuspielen.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Zurück in Augsburg baute er mit seiner Frau Rose und den Töchtern das kleine Haustheater „Puppenschrein“ – eine in die Zimmertür passende Stellage mit einem Tisch dahinter, auf dem der Spieler stand. Hier gab er 1943 gemeinsam mit der Familie die erste Vorstellung seines Puppentheaters, weitere folgten, auch vor Verwundeten im Lazarett.

Im Februar 1944 wurde sein „Puppenschrein“ ein Opfer des verehrenden Bombenangriffs der Alliierten – vorsorglich hatte er allerdings die Puppenfiguren in Sicherheit bringen können. Bei einem Krankenhausaufenthalt lernte er später einen Holzbildhauer kennen, der ihm das Schnitzen beibrachte.

Gleich nach Kriegsende begann er mit der Planung eines Marionettentheaters. Dabei plante er ein Bühnengestell, das sich zusammenlegen und in einer Kiste zum Transport verstaut werden konnte – daher heute noch der Name „Puppenkiste“. Als Standort überließ ihm die Stadt das von Elias Holl erbaute Heilig-Geist-Spittal.

Vier Jahre nach dem Bombenangriff, exakt am gleichen Tag, war Premiere in der Puppenkiste mit dem gestiefelten Kater. Es begann eine beispiellose Kariere, insbesondere natürlich auch durch die Präsenz im Fernsehen. Am 2. November 1977 verstarb Oehmichen. Gemeinsam mit seiner später verstorbenen Frau Rose ist er in Stadtbergen beigesetzt. Die Puppenkiste aber, die via Fernsehen ganze Generationen von Kindern entzückt hat und entzückt, blieb fest in Familienhand: Die Marionetten schnitzte jahrzehntelang Hannelore Marschall-Oehmichen und dann ihr Sohn Jürgen. Die Kostüme schneiderte Oma Rose Oehmichen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren