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Zusmarshausen-Streitheim

19.07.2018

Die Sternwarte Streitheim öffnet wieder

Mit einem Planetariumsprojektor können tausende Sterne und die Bewegung der Planeten an die Decke projiziert werden. (Archivbild) 
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Mit einem Planetariumsprojektor können tausende Sterne und die Bewegung der Planeten an die Decke projiziert werden. (Archivbild) 
Bild: Marcus Merk

Nach dem Tod von Gründer Martin Mayer blieb es im Planetarium monatelang finster. Jetzt gab es eine erste Führung. Was der Astronomische Verein vor hat.

Astronomie-Freunde kommen in diesem Monat voll auf ihre Kosten. Schließlich leuchtet Venus als Abendstern im Westen wie ein Flugzeugscheinwerfer, nähert sich der ganze Nacht dominierende Mars unserer Erde auf „nur“ rund 57 Millionen Kilometer. Und dann lockt am 27. Juli auch noch die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Genügend Anlässe also für lange Nachtstunden in der Volkssternwarte Streitheim, die nun wieder eröffnet wurde. „Ein toller Erfolg“, bilanzierte Vorsitzender Markus Schnöbel den Besuch von 25 Kindern und Jugendlichen.

Die zweistündige „Generalprobe“ vor dem Neustart mit Führungen und Veranstaltungen in den kommenden Monaten war damit gelungen. Denn auf der Anlage am dunklen Ende der Weilerhofstraße, idyllisch zwischen Wäldern und saftigen Wiesen mit Kühen gelegen, hatte man monatelang eher in die Röhre gucken müssen. Die Sternwarte war etwa ein Jahr geschlossen. Grund waren ziemlich irdische Probleme: fehlende Versorgung mit Wasser und Strom. Denn diese kamen lange aus dem Privathaus zwischen Sternwarte und Planetarium, das im Besitz des Ende 2016 verstorbenen großen Förderers Martin Mayer war, aber danach verkauft wurde. Der langjährige Sternenbeobachter und Leiter des Schullandheims in Violau hatte die Anlage 1999 gegründet. 2015 wurde dann auch der Traum von einem Planetarium wahr. Das Lebenswerk des passionierten und über die Region bekannten Himmels-Experten will seit 2011 der Astronomische Verein Streitheim fortsetzen.

Unter den Mitgliedern sind auch Wissenschaftler und Experten von Forschungsorganisationen

Die Mannschaft der Gleichgesinnten unter der Führung von Elektroniker Schnöbel aus Auerbach bricht jetzt wieder zu neuen Welten auf – mit mehr als zwei Dutzend Mitgliedern zwischen acht und 70 Jahren, darunter sogar Wissenschaftler und Experten von Forschungsorganisationen. Weil auch ein beachtliches Instrumentarium inklusive großer Spiegel- und Linsenteleskope dazu kommt, scheint der Verein für die nächste Reise in die Tiefen des Alls gut gerüstet zu sein. Das garantiert schon die Standorthöhe von über 500 Metern überm Meeresspiegel und damit ein Beobachtungspunkt, von dem aus man dem Himmel viel näher steht als den „Flachländlern“ im Norden. Während draußen im Freien die Rinder grasen, verteilen drinnen im geschützten Kuppelbau die Männer und Frauen des Vereins häppchenweise Leckerbissen aus der grandiosen wie spannenden Welt der Sterne.

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„Aber fein dosiert und abgestimmt auf Alter und Erfahrung, denn einen sechsjährigen Zuhörer mit astronomischen Milliardendimensionen zu überrumpeln, bringt gar nichts“, weiß Schnöbel, dessen Faszination fürs Weltall überaus ansteckend wirkt. Lieber zückt der begnadete Erklärer einen roten Wollfaden, um den Kleinen spielerisch etwas über den Erdumfang beizubringen. Solche überzeugenden Begleiter braucht der Besucher im stattlich dekorierten Vortragsraum für 30 Personen, einem kleinen und feinen Universum innerhalb der modern ausgestatteten Volkssternwarte. Dort drehen sich vor einem riesigen Sonnenball die kleinen wie großen Planeten um die Wette, während prächtige, großformatige Hochglanzfotos von Erde, Mond und Galaxien zum minutenlangen Innehalten verführen. Man begegnet seltenen Eisen - und Steinmeteoriten. Liebevoll hergestellte Modelle in jeder Ecke lassen die Größenverhältnisse im unendlichen Raum erahnen.

Gruppen können Führungen buchen

Derweil führt Zweiter Vorsitzender Dirk Schmalhorst, dessen Tochter Swea das jüngste Sternenkind im Verein stellt, freundlich wie kompetent in den Beobachtungsbereich nebenan. Dort ziehen beeindruckend ausfallende Fernrohre das Auge in ihren Bann: „Der Spiegeldurchmesser beträgt 40 Zentimeter, das ist schon ganz ordentlich“, bemerkt er. Das heißt, auch entferntere lichtschwächere Ziele können ins Visier genommen werden. Sollten wegen schlechten Wetters mal der Durchblick fehlen, kann bei der Suche nach dem Großen Wagen oder den Andromedanebel ins Planetarium ausgewichen werden. Ein Sternenprojektor aus deutscher Fertigung zaubert dann einen traumhaften Nachthimmel mit tausenden leuchtenden oder beleuchteten Objekten ans Deckengewölbe.

Damit die Astronomiegruppe ihrem schönen Hobby nachgehen und deren Stern gewissermaßen nicht so schnell verblassen kann, gibt es schon immer seitens der Kommune gute Unterstützung. Mit Bürgermeister Bernhard Uhl und Mitgliedern aus dem Marktgemeinderat wie Robert Steppich und Stefan Vogg weiß sie einige Mitstreiter hinter sich. Bei Sitzungen kommt das Thema immer wieder zur Sprache. Zudem steht mit der Gemeinde der Eigentümer der Sternwarte bereit. Bernhard Uhl: „Ich persönlich habe die Hoffnung nie aufgegeben, dass es nach dem großen Martin Mayer weitergehen wird.“ Über so eine Botschaft wird sich der Angesprochene, vom neuen Beobachtungsplatz am Himmel aus, sehr freuen.

Vorerst wird es in der Sternwarte keine geregelten Öffnungszeiten geben, auch nicht am Tag der Mondfinsternis (27. Juli). Führungen für Gruppen sind aber jederzeit möglich. Dazu kann man sich unter der Telefonnummer 08236/962149 melden.

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