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Konzert

19.11.2018

Genusserlebnis mit goldenen Stimmen

Das Augsburger Vokalensemble vereinte klassische Kompositionen mit feuchtfröhlichen Trinkliedern aus mehreren Zeitepochen.
Bild: Thomas Hack

Das Augsburger Vokalensemble entführt im Stadtberger Bürgersaal in eine musikalische Welt von Wein, Weib und Gesang

Erhaben, voluminös, beinahe schon weihnachtlich nahm der facettenreiche Liederabend der 36 Stimmenkünstler des Augsburger Vokalensembles im Stadtberger Bürgersaal seinen Anfang – und dennoch drehte sich bereits in den glanzvollen Auftaktsklängen alles rund um die genussvolle Welt der Rebensäfte, Hopfentränke und nicht zuletzt die leidlichen Folgen dieser geistvollen kleinen Lebensfreuden: Mit ihrem charismatischen Chorkonzert „Perlende Töne – klingende Gläser“ nahmen sich die drei Dutzend Sänger ganz den feuchtfröhlichen Genüssen aus unterschiedlichen Epochen klassischer Konzertkultur an und versahen die Kompositionen mit einer ganz eigenen Handschrift.

Mit spritzigen, manchmal aber auch sehr sentimentalen und skurrilen Stücken aus Renaissance, Romantik und der Moderne gelang es dem Ensemble auf verspielte Weise, originelle Spiegelbilder der jeweiligen Zeitepochen in makellose Stimmenkunst zu kleiden und das Publikum mit einem bunten Reigen anspruchsvoller Chormusik zu begeistern. Bemerkenswert war hierbei besonders, wie unterschiedlichste Stimmungsbilder glaubwürdig aufeinanderfolgten: Vom fröhlichen Volksliedcharakter seitens des Komponisten Daniel Friderici ging es nahtlos über in Pierre Antaingnants „Tourdion“, das heute noch gerne auf historischen Mittelalterfesten zum Besten gegeben wird.

Dass dieser Abend unter dem edlen Motto „Wein, Wein und Gesang“ angesiedelt war, zeigte dann quasi der Chor innerhalb des Chores, in dem ausschließlich die vermeintlichen Herren der Schöpfung das Singen hatten: So etwa schmetterte die Sängerrunde im Rahmen eines kleinen Trink-Potpourris ein türkisches Schenkenlied ins Publikum, in dem es um den legendären Weinjahrjang 1811 und die Unzufriedenheit der Herren über die nur spärlich vorhandenen weiblichen Bedienungen in anatolischen Gefilden ging.

Doch die heiß ersehnte Damenverstärkung ließ zumindest im Bürgersaal nicht lange auf sich warten, sodass der große gemischte Chor gleich folgend eine Handvoll weiterer Schelmereien präsentierte, die sich weniger um menschliche Genüsse, sondern vielmehr um tierisches Vergnügen drehten: Animalisch witzig und doch von großartiger Stimmenakrobatik geprägt offenbarte sich unter anderem „Ein Hennlein weiß“, das mit choralem Hühnergegacker aus dem 16. Jahrhundert überzeugte, sowie Adriano Banchieris Komposition „Cappriciata“, in welcher auf subtile Weise immer wieder mal ein Kätzchen miaute, ein streunender Hund bellte und der unheimliche Uhu tatkräftig uhute.

Sein Glanzstück des Abends verbuchte das Ensemble jedoch letztendlich mit einem ganz anderen Meisterstück für sich. In fünf Gesängen von Johannes Brahms zeigten die Chormitglieder mit Raffinesse, dass zum genussvollen Lebenswandel unvermeidbar ein Lebensende gehört. Tragisch und voller Melancholie flüsterte die „Nachtwache“ ihren Liebeskummer in den Saal, mit emotionaler Traurigkeit imitierten die Gesangsstimmen im „Letzten Glück“ die fallenden Blätter in der goldenen Jahreszeit, bevor „Im Herbst“ der letzten Lebensphase des Menschen ein würdiges Denkmal gesetzt wurde.

Dieser kurzweilige Konzertabend machte insgesamt nicht nur durch die abwechslungsreichen und originellen Arrangements Spaß, sondern stach vor allem durch seine kräftigen Kontraste heraus. Voluminöse Klanglinien und leise Gesangspassagen wurden geschickt miteinander verwoben, Sentimentalität verschmolz mit energiegeladenen Emotionen.

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