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Langweid

20.12.2016

Jeder Buchkauf hilft sozialen Projekten

Einen Onlinebuchhandel gründete Benedikt Gleich aus Langweid schon zu Studienzeiten mit einigen Kommilitonen. Inzwischen boomt das Geschäft.
Bild: Marcus Merk

Benedikt Gleich hat mit Studentenfreunden einen besonderen Handel gegründet. So funktioniert er.

Im Hof sind die Handwerker beim Pflastern zugange, im Windfang des Hauseingangs stapeln sich Kinder- und Erwachsenenschuhe, aus einem Gartenhäuschen ist Hühnergegacker zu hören. Ein ländliches Familienidyll in der ruhigen Langweider Bahnhofstraße. Vom Büro des älteren Einfamilienhauses aus betreibt ein junger Mann erfolgreich einen Online-Shop mit einem ideellen Anspruch: Dr. Benedikt Gleich ist der Geschäftsführer von „buch7“ – dem „Buchhandel mit der sozialen Seite“.

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Das Besondere an diesem Online-Bücherversandhandel ist, dass die Leser mit dem Kauf von Büchern Gutes tun: Denn 75 Prozent des Gewinns des Unternehmens fließen in die Förderung wertvoller sozialer, kultureller und ökologischer Projekte. Mittlerweile ist der 2006/2007 begonnene studentische Versuch zu einem florierenden, nach wie vor inhabergeführten Unternehmen angewachsen, das mit den noch verbliebenen Gründern insgesamt 15 Mitarbeiter zählt. Diese sitzen, um Geld für Sponsoring zu sparen, zuhause an ihrem Schreibtisch und nehmen Buchbestellungen entgegen. „Die Marke von 100000 Euro an Spendengeldern ist überschritten“, meldet der 34-jährige Langweider stolz.

Dahinter steckt eine Überzeugung: Die, dass sich Wirtschaft und soziales Engagement nicht ausschließen müssen. An der Uni Augsburg studierte Benedikt Gleich Informatik, Philosophie und Politik: „Das zeigt, was mich interessiert.“ Das Praktische – die Informatik; grundlegende Fragen menschlichen Daseins – die Philosophie; das gesellschaftliche Zusammenleben – die Politik. Alles zusammen führte dazu, dass Gleich mit Kommilitonen den Online-Buchhandel gründete.

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Trotz eines vielversprechenden Starts war die Resonanz schwach. Mit den öffentlichen Protesten gegen das Geschäftsgebaren von Amazon Anfang 2013 sei die Wende gekommen, erzählt Benedikt Gleich. „Da sprudelten die Bestellungen.“

Die meisten Vorschläge, welche Einrichtungen unterstützt werden sollen, kommen von Lesern. Und es sind keine spektakulären Vorhaben, denn „wir wollen wissen, wo das Geld hingeht – eher an ein kleineres Projekt vor Ort – und mit den Entscheidungsträgern sprechen können“, erklärt Gleich. Da erhielt der Bundesverband für verwaiste Eltern und Geschwister in Deutschland ebenso einige tausend Euro wie ein Bergwaldprojekt. Die geförderten Projekte beschränken sich hauptsächlich auf Deutschland. „Wir sind Pfennigfuchser“, sagt Gleich.

Das Unternehmen selbst ist bestrebt, „faire Löhne“ zu bezahlen. Festangestellte und geringfügig Beschäftigte erhalten mehr als in anderen Betrieben, die Führungskräfte deutlich weniger als in der Wirtschaft. Zudem gleicht die Firma CO2-Emissionen vollständig aus.

Zuhause pflegt Benedikt Gleich Nachhaltigkeit: Mit Frau und zwei kleinen Kindern wohnt er im Haus seines Großvaters und Vaters. Seine Hühner gehören der aussterbenden Rasse „Augsburger Hühner“ an. Renovierung, Kinder und buch7 lassen ihm kaum Zeit für Hobbys – natürlich liest er, gerne historische Romane. Einige Stunden in der Woche erklärt Gleich Studenten an der Universität Ingenieurmathematik, und macht „das eine oder andere Forschungsprojekt“.

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