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Konzert

21.06.2016

Nordisches Orchesterfeuerwerk

Die norwegische Dirigentin Irene Anda (links) fordert alles von den Spielern des Symphonieorchesters Stadtbergen heraus. Unter der neuen Leitung bewegt es sich weiter Richtung Meisterklasse.
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Die norwegische Dirigentin Irene Anda (links) fordert alles von den Spielern des Symphonieorchesters Stadtbergen heraus. Unter der neuen Leitung bewegt es sich weiter Richtung Meisterklasse.

Die neue Dirigentin stellt die Stadtberger Symphoniker vor neue Herausforderungen

Es war gewiss keine leichte Kost, die das Stadtberger Symphonieorchester in seinem Frühjahrskonzert im Bürgersaal aufgetischt hatte. Aber es war eine rundum meisterhafte Kost. Die mehrfach ausgezeichnete Dirigentin Irene Anda hatte vor Kurzem die Leitung des Orchesters übernommen und sich dabei nichts Geringeres zum Ziel gesetzt als dessen ohnehin bereits hohes Niveau mit neuen Herausforderungen einen kleinen Schritt näher in Richtung Meisterklasse zu führen – was ihr mit diesem Ausnahmekonzert gelang.

„Meisterwerke aus Skandinavien“ lautete fast schon harmlos der Programmtitel, doch was sich dahinter verbarg, entpuppte sich schnell als ein opulentes Orchesterfeuerwerk voller Dramaturgie und musikalischer Raffinessen. An diesem Abend wurde eine Musik präsentiert, die ihre Energie vom nordischen Donnergott Thor höchstpersönlich zu beziehen schien und mühelos monumentale Filmschlachten untermalen könnte. Und welch eine Klanggewalt schon bei den ersten Takten die Wände des Konzertsaales zum Erzittern brachte: Jean Sibelius’ Karelia-Ouvertüre baute sich zwar wie üblich schrittweise auf, doch entfaltete das Stück bereits von vornherein eine solche Wucht, wie sie bei anderen Kompositionen allerhöchstens das große Finale hervorbringen kann.

Die Musiker holten das Äußerste aus ihren Instrumenten heraus, Andas Haare stoben bei jeder einzelnen Armbewegung in alle Richtungen. Das sogleich darauf folgende Klavierkonzert von Edvard Grieg stellte augenblicklich den nächsten Höhepunkt dar, der von einer weiteren professionellen Bühnenkünstlerin dominiert wurde. Das Tastengewitter, welches die kosovarische Pianistin Jelena Stojkovic losbrechen ließ, erlebt man nur selten: Während das Orchester ganz allmählich mit Streichern und Bläsern die Spannung steigerte, donnerte Stojkovic ein Allegro in den Saal, das in zunehmend komplexer werdenden Variationen die ganze Macht der Flügelkunst unter Beweis stellte.

Nordisches Orchesterfeuerwerk

Der Applaus der Gäste war schließlich so lautstark und andauernd, dass aufgrund der Zugabe sogar die Pause verschoben werden musste. Und in jener unvermittelten Einlage legte Stojkovic gleich nochmals eine außergewöhnliche Leistung an den Tag: Gleichzeitig zum rasanten Katz-und-Maus-Spiel auf der Tastatur spielte sie mit den Händen direkt die Saiten im Inneren des Klavierflügels an – und verwandelte diesen quasi in eine überdimensionale Konzertgitarre!

Im Stile einer pathetischen Filmmusik erklang schließlich auch der letzte Teil des Abends, die Sinfonie Nr. 1 von Carl August Nielsen. Das Werk entwickelte sich gleichsam zu einem drohenden Unwetter – nur kurzzeitig von einer trügerischen Harmonie der Streicher unterbrochen –, welches nach und nach eine klangliche Feuersbrunst entfachte und sich unter Mitwirkung sämtlicher Instrumente in einem orchestralen Donnerschlag entlud.

Den Spielern standen am Ende des Konzertabends ihre großen Leistungen buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Selbst der versierte Violinist Alois Wunder konnte es kaum fassen, das praktisch Unmögliche geschafft zu haben: „Das war wirklich eine Herausforderung. Die klassischen Romantiker sind für ein Hobbyorchester eigentlich Tabu.“ Doch diese fulminante Feuerprobe hat das Stadtberger Symphonieorchester unter seiner neuen Leitung mit Bravour bestanden.

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