Dialekte

01.12.2014

Vorlaut und redegewandt

Wer eine freche Goschn hat, ist heute bei unserer Dialektserie richtig

Oftmals ist heute nicht mehr klar, ob ein Begriff einer Mundart entstammt oder nur Umgangssprache ist. Gelegentlich beanspruchen gleich mehrere Sprachräume eine Urheberschaft. Das Wort „Gosch(e)“ für Mund, Maul, Schnauze, Fresse, Klappe gehört dazu. Da sind die Ruhrgebietler, die sich sicher sind, dass dieses Wort zu ihrem Dialekt gehört. Aber auch die Schwaben, die Franken und die Altbayern vertreten diese Meinung.

Natürlich melden auch die „Weaner“ einen Anspruch an. Was nicht so sehr verwundern mag, denn deren Mundart hat ja angeblich himmlischen und somit allwissenden und damit multilingualen Ursprung: Die Wiener fühlten sich nämlich einst vom lieben Gott bei der Verteilung der Dialekte übergangen und beklagten sich deswegen ständig. Bis Gott des Nörgelns überdrüssig ein Einsehen zeigte und nicht, wie es die Wiener heute gern tun, knapp „Gosch“ anstelle von schweigt endlich sagte, sondern meinte, dann sprecht halt so wie ich…

Auch wenn wir uns im Süden Deutschlands nicht auf diese göttliche Fügung berufen können so bleibt doch wahr, dass „Gosch“ samt aller damit zusammenhängenden Wörter wie etwa „goschert“ und „goschen“ in unseren Mundarten – zu denen auch die österreichische gehört – fest verankert ist.

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Gosch(e)“ wird im Schwäbischen gern zu „Göschle“ verniedlicht, wenn es um die Beschreibung des liebreizenden Mundes der Geliebten geht. Andererseits fordert der bayrische Schwabe ebenso wie der Württemberger „halt die Gosch“. Und während der neugierige Deutsche seine Nase in alles steckt, hat der Schwabe „sei Gosch“ in jedem Dreck.

Wer eine „Gosch“ hat, der besitzt ein freches Mundwerk, etwa wie – so schwäbische Redewendungen – ein Scherenschleifer oder ein Schwert. Und der böse nachmaulende Altbayer hängt einem eine „Goschn“ an oder „goscht“/“goschert“.

In Bayerisch-Schwaben seltener benutzt wird das Adjektiv „goschert“. Die Oberbayern dagegen verwenden es gern, wenn es darum geht, eine Person, die ein loses Mundwerk hat, also frech und aufsässiges Reden pflegt, zu beschreiben. Und dann gibt’s dabei auch noch die positive Variante, denn „goschert“ kann durchaus auch redegewandt und schlagfertig bedeuten – da kommt’s dann auf den Ton und den Zusammenhang an.

Die Herkunft der Wortfamilie liegt im Dunkeln. Zehetner mutmaßt einen französischen Ursprung („gorge“ für Hals). In Königs Dialektwörterbuch wird als Quelle ein italienisches Wort für Schlund und Kehle (gorcia) für möglich gehalten. Das Ethymologielexikon Kluge nennt auch einen Zusammenhang mit dem italienisch/lateinischen Wort für Kehle (gula), deutet aber auch einen keltischen Ursprung als denkbar an.

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