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Zusmarshausen

23.12.2010

Weihnachtskrippen aus Holz von alten Stadeln

An großen Weihnachtskrippen mit mehreren Stockwerken und vielen Details in weiter Landschaft baut Sebastian Streit auch mal vier Wochen.
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An großen Weihnachtskrippen mit mehreren Stockwerken und vielen Details in weiter Landschaft baut Sebastian Streit auch mal vier Wochen.

Detaillierte Skizzen oder exakte Pläne braucht Krippenbauer Sebastian Streit nicht. "Wie's wird, so wird's", sagt der Vallrieder mit einem spitzbübischen Lächeln. An die 80 Weihnachtskrippen hat der 69-Jährige in den vergangenen zehn Jahren gebaut - alle aus dem Kopf. "Und noch nie habe ich eine weggeschmissen."

Zusmarshausen-Vallried - Detaillierte Skizzen oder exakte Pläne braucht Krippenbauer Sebastian Streit nicht. "Wie's wird, so wird's", sagt der Vallrieder mit einem spitzbübischen Lächeln. An die 80 Weihnachtskrippen hat der 69-Jährige in den vergangenen zehn Jahren gebaut - alle aus dem Kopf. "Und noch nie habe ich eine weggeschmissen."

Vorher die Maße festzulegen und genau danach zu konstruieren, wäre auch nicht so einfach. Denn Streits Baumaterialien lassen sich nur schwer in eine Norm pressen: knorrige Rinden, mal mehr, mal weniger gerade gewachsene Äste, glatte und kantige Kieselsteine, Baumpilze, unterschiedlichste Moose und Wurzelwerk. "Das ist ganz schwer zu finden", sagt Streit. Bei ausgedehnten Waldspaziergängen oder beim Wandern im Gebirge hält er deswegen die Augen offen, entdeckt hin und wieder einen umgestürzten Baum - und interessant geformte Wurzeln.

Die sammelt er und bewahrt sie in unzähligen Pappkartons in seiner kleinen Kellerwerkstatt auf. Bis unter die Decke, auf Regalen und einer alten Küchenanrichte stapeln sich die Kisten. In einer sind schmale, rechteckige Holzplättchen aufgeschichtet, Dachschindeln für Streits Krippen. Aus dem Baumarkt ist das Holz dafür nicht. "Wird ein alter Stadel abgerissen, nehme ich die Bretter gerne", sagt Streit, während er aus einem Bündel Fichtenholzlatten neben der alten Werkbank mit ihren vielen Kerben eine herausnimmt. Die helle Innenseite verwende er für den Krippenboden, erklärt der 69-Jährige. Die Außenseite der Latte ist dunkler: "Wie schön vermasert", sagt Streit mit einem zufriedenen Blick auf die von Regen, Wind, Sonne und Schnee verwitterte Holzleiste. Perfekt für die Dachschindeln seiner Krippen, die ein bisschen an Almhütten erinnern.

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Doch bis der Bastler die anbringen kann, vergehen einige Tage oder bei einer großen Krippe auch mal vier Wochen. Als erstes sägt Streit die Bodenplatte und die Rückwand zu. Anschließend modelliert der gelernte Maurer Wände aus Rinde oder verputzt dazu Holzplatten mit einem beigen Naturton. Dann erst entsteht das Dach aus den in Form geschnitzten Schindeln. Lackierte Fassaden oder bunt bemalte Fensterchen, wie bei manch moderner Weihnachtskrippe, gibt es bei Streit nicht. Genauso wenig wie Nägel: Einmal begutachtete ein österreichischer Kollege eine von Streits Krippen. Wunderschön, lautete dessen Urteil. Aber die Nägel würde man sehen. Das gehe nicht. Streit hat sich das zu Herzen genommen und arbeitet seitdem hauptsächlich mit Klebstoff. Bevor die Krippe fertig ist, baut der Rentner einen Zaun aus dünnen Ästen, formt Wege aus kleinen Steinchen, Bäume aus Wurzelwerk und klebt Moos auf die Bodenplatte - mit Tapetenkleister. "So hält es und wird nicht gelb", erklärt Streit.

Anschließend stellt er sie auf dem Hobbykünstlermarkt in Fischach aus. Eine hat er der Vallrieder Kirche gespendet, eine andere zu einem Bekannten bis in die Nähe von Hamburg geschickt und einige an Verwandte verschenkt. "Jedes meiner beiden Kinder hat mindestens zwei Krippen", erzählt Streit mit einem Lachen.

Zur Weihnachtszeit stellt er die Krippe auf, die ihm selbst am besten gefällt. Ein großer zweistöckiger Bau mit filigranen Wurzelbäumen, darin wertvolle Figuren. Wird dieser nach Heiligabend, in ein Tuch gehüllt, auf dem Dachboden verstaut, bastelt Streit schon an einer neuen Krippe. Warum? "Es macht mir einfach Freude."

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