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Aufführungen

28.11.2019

Wie ein Bürokrat zum Theaterfreund wird

Schreibkraft Agnes Müller, (re. Corinna Schmidt), Amtssekretär Sven Becker (li. Daniel Swoboda) und Amtmann Rettich (Reinald Haak).
Foto: Jutta Kaiser-Wiatrek

Hirblinger Hobbyschauspieler begeistern mit ihrer neuen Komödie „Der letzte Amtmann“

Zum 20. Mal heißt es in dieser Theatersaison wieder bei den Theaterfreunden Hirblingen „Vorhang auf“. Diesmal erfreuen sie ihre Fans mit der Komödie „Der letzte Amtmann“ von Peter Futterschneider.

Das höchst vergnügliche Stück spielt in einer Amtsstube des Jahres 1994, in welcher Stadtamtmann Horst Rettich unerbittlich das Regiment führt und praktisch alle Klischees eines Beamten erfüllt. Hemdsärmelig mit Hosenträgern und angetan mit Ärmelschonern, herrscht er im Ordnungsamt des idyllischen Schmuttertals.

Während er weitgehend in seiner Arbeitszeit dem Nichtstun frönt und das Zeitunglesen zu seinen Hauptaufgaben im Amt macht, fordert er von seinen Mitarbeitern höchste Akkuratesse. Dabei geht er durchaus ruppig mit seinen Mitarbeitern, dem jungen Stadtsekretär Sven Becker (Daniel Swoboda) und der Schreibkraft und guten Seele des Büros, Agnes Müller (Corinna Schmidt) um. Auch Bürgerfreundlichkeit ist ihm ein Fremdwort. Das bekommt vor allem die Kioskbesitzerin Anna Kloppmann (Tina Haringer) zu spüren, die er bezichtigt, eine illegale Schankwirtschaft zu betreiben. Völlig zuwider ist dem Amtmann auch das Theater. Diese abgrundtiefe Abneigung macht es Stadtsekretär Becker schwer, sich auf die Premiere des neuen Stücks des Theatervereins vorzubereiten, dem er sich, der Liebe wegen, angeschlossen hat. Ist er doch für seine anstehende Beförderung auf eine wohlwollende Beurteilung des Stadtamtmanns angewiesen.

Kioskbesitzerin Anna Kloppmann (Tina Haringer), die neue kulturliebende Bürgermeisterin sowie Elfriede Rettich, des Amtmanns Ehefrau und damit einzige übergeordnete Instanz, die er zähneknirschend anerkennt, kommen ihm auf ihre besondere Weise bei und bringen ihn mit viel Frauenpower schließlich zur Raison.

Alles löst sich in Wohlgefallen auf und Rettich muss klein beigeben. Er wird nach einer gelungenen Premiere sogar Pate für den Theaterverein und die Bürgermeisterin freut sich, welch weltoffenes und bürgerfreundliches Büro sie im Rathaus hat. Viele Lacher erntete Wolfgang Schmid als Penner Willi Wermut, geboren am 31. Februar 1952, Beruf Rentner, früher: Frührentner, der behauptet – eine Spitze gegen die derzeitig notwendige Chlorung des Wassers in Gersthofen – nur eine Dose Bier vor dem Kiosk getrunken zu haben, da er nicht ewig Chlorwasser saufen könne.

Die Rolle des Amtmanns Horst Rettich schien Rainald Haak direkt auf den Leib geschneidert zu sein. Für seine fantastische schauspielerische Leistung wurde er vom Publikum gefeiert. Fast wollte man ihn fragen, welchen Beruf er in seinem bürgerlichen Leben ausübt. Insgesamt präsentierte sich eine eingeschworene Truppe von alten Hasen, die weiß, wie man die Zuschauer mitnimmt und eine Aufführung auf hohem Niveau bietet.

Etwas langatmig wurde es allerdings beim letzten Akt. Hier hätte man sich gewünscht, dass der Stoff ein wenig gestrafft worden wäre, was dem Stück durchaus gutgetan hätte. Fast drei Stunden Theater einschließlich Pausen sind dann doch ein wenig ermüdend.

Ein besonderer Zuschauer war mit Harald Schwarz aus Wemding nach Hirblingen zur Theatervorstellung gekommen. Der junge Mann bezeichnete sich selbst als theaterverrückt und geht seit etwa 20 Jahren, sobald die Theatersaison beginnt, auf „Tournee“. „35 bis 40 Stücke plus Stücke auf Open-Air- Bühnen werden es immer“, erklärt er. Oft hat er die Stücke schon mehrfach gesehen und kann den Text mitsprechen. „Der letzte Amtmann“ war aber auch ihm noch unbekannt. Umso begeisterter zeigte er sich von der Aufführung und der schauspielerischen Leistung der Hobbydarsteller.

Die weiteren Vorstellungen sind am Freitag und Samstag, 29./30. November, jeweils um 19.30 Uhr im Vereinsstadel Hirblingen. Der Preis einer Eintrittskarte beträgt neun Euro.

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03.12.2019

Der dritte Akt ist der Reporterin wahrscheinlich deshalb etwas langatmig vorgekommen, weil Frau Kaiser-Wiatrek vermutlich noch einen anderen Termin hatte, da sie fluchtartig den Saal verlassen hatte, als der Vorhang fiel. Wenn man, trotz bereitliegenden Programmflyer, Namen der Akteure falsch schreibt bzw. einige Akteure namentlich im Artikel gar nicht erwähnt, kann man nicht von motivierter Berichtserstatttung sprechen...

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