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Brauchtum

30.04.2015

Zwei, die sehnlich auf den Weckruf warten

Helga und Franz Hafner aus Edenbergen, die den Musikern aus Batzenhofen alljährlich zum 1. Mai ein Frühstück zaubern, warten auf dem Balkon.
Bild: Diana Deniz

Wenn der Musikverein Batzenhofen am Freitag den Mai begrüßt, gibt’s Brotzeit bei Helga und Franz Hafner

Seit etwa zwanzig Jahren ist es Helga Hafner aus Edenbergen eine Herzensangelegenheit, die Musikanten des Musikvereins Batzenhofen am 1. Mai zu bewirten. Bereits um 5.30 Uhr stehen ihr Mann Franz und sie auf, um die rund 30-köpfige Truppe unter der Leitung des Dirigenten Andreas Meyer zu bewirten. „Es ist ein alter Brauch, dass die Musiker durch die Dörfer ziehen und am 1. Mai den Weckruf spielen“, erklärt sie.

Ihr Mann war neun Jahre im Vorstand des Vereins und über 40 Jahre aktiv mit dem Tenorhorn bei der Musik dabei. Damals bereitete sie alles alleine vor. „Aber heute sind wir ja zu zweit, da ist das kein großes Ding“, winkt sie bescheiden ab. Die Kapelle marschiert um 6 Uhr in Batzenhofen an der Kirche St. Martin los und zieht von dort aus durch die Straßen. „Sie kommen dann von hinten nach Edenbergen und sind gegen 7.30 Uhr bei uns“, beschreibt Franz Hafner. Der Garten – bei schlechtem Wetter die Garage – des Ehepaares ist ein idealer Zwischenstopp für die Wanderer auf ihrem Fußmarsch von etwa sechs Kilometern. Sie ziehen weiter nach Rettenbergen und Holzhausen, und am Ende kehren sie gegen Mittag im Peterhof ein. Überall, wo sie Station machen und an jedem Maibaum spielen sie das populäre deutsche Frühlingslied „Der Mai ist gekommen“, welches 1841 entstand.

Als ihr Mann noch mit von Dorf zu Dorf zog, spielte er ihr das Ständchen mit. Heute freuen sich beide darauf, es gespielt zu bekommen. Warum sie das alljährlich so gerne macht: „Man war mit der Musik schon immer fest verbunden.“ Sie selbst sei gänzlich unmusikalisch, aber sie liebt es zuzuhören. Selbst die Hochzeit vor über einem halben Jahrhundert war eine echte Musikerhochzeit.

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Die Hafners haben zwei Töchter und vier Enkelkinder. Während er das Zimmererhandwerk erlernte und in diesem Beruf lange Zeit arbeitete, zog sie die Kinder groß. Doch die Musik kam nie zu kurz. Auch wenn es den beiden nicht ganz so recht ist, dass ausgerechnet sie in der Zeitung erscheinen, so ist der Verein selbst da anderer Meinung. Vorstand Martin Ehinger lobt die beiden sehr, denn seit Jahrzehnten ist auf sie Verlass, egal wann und wo helfende Hände benötigt werden.

Der Zimmerer und seine Frau sehen sich dagegen als ein kleiner Teil des großen Ganzen: „Es war immer ein netter Zusammenhalt, und alle haben mitgeholfen.“ Die Tischgarnituren wurden im Vereinsheim bereits von Franz Hafner geholt, das Geschirr ist ebenfalls organisiert, und einen Tag vor dem Weckruf bäckt Helga Hafner ihren allseits gelobten Nusskranz: „Da schwärmen die Musiker. Es ist ein altes Rezept, das schon meine Mutter und Urgroßmutter hatte.“ So wird es also heuer wieder Nusskranz, belegte Brote, Kaffee und Tee geben. Beim Verabschieden rufen die Musikanten stets: „Also dann bis zum nächsten Jahr.“ Herrlich, wenn Traditionen und Brauchtum verbunden mit dem Ehrenamt Hand in Hand gehen.

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