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Weltbild

06.11.2014

200 Beschäftigten droht Entlassung - Gewerkschaft spricht von Skandal

200 Beschäftigten bei Weltbild droht wohl die Entlassung. Die Mitarbeiter sind wütend und enttäuscht.

In der Belegschaft von Weltbild wächst die Angst um die Zukunft. Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi sind wütend auf die Geschäftsführung. Statt das Sanierungskonzept „Weltbild 2.0“ der Unternehmensberatung Roland Berger umzusetzen, werde ausschließlich auf Kosten der Mitarbeiter gespart. Die neueste Hiobsbotschaft: Nach Angaben von Verdi drohen weitere 200 Entlassungen.

Doch damit werden sich Gewerkschaft und Betriebsrat nicht abfinden. Das betonte Verdi-Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wenn Menschen entlassen werden sollen, ohne dass es ein Konzept gibt, dann ist das ein Skandal.“ Gürlebeck kritisiert das Vorgehen der Geschäftsführung. Gerade jetzt vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft müssten die Mitarbeiter motiviert werden. Doch das Gegenteil geschehe: „100 von uns sollen vor Weihnachten gehen, weitere 100 im Februar“, steht auf einem Flugblatt, das gestern Nachmittag unter der Belegschaft verteilt wurde. Das seien mehr als die Hälfte der jetzt noch Beschäftigten im Bereich Retail, also in der Verwaltung. „Wir wurden von vorne bis hinten belogen“, steht weiter auf dem Flugblatt. Der neue Investor Droege plane keinen langfristigen Invest. „Der Milliardär aus Düsseldorf will Weltbild auf Kosten der Arbeitnehmer auspressen und persönlich möglichst schnell möglichst hohe Profite einfahren.“ Verdi und der Betriebsrat fordern eine verbindliche Erklärung der Geschäftsführung zur Zukunft des Unternehmens.

Belegschaft wütend und enttäuscht

„So wütend habe ich die Belegschaft schon lange nicht mehr erlebt“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Timm Boßmann. Die Mitarbeiter seien enttäuscht, wie zögerlich die neue Geschäftsführung Reformen in Angriff nehme. „Bisher gibt es Powerpoint-Folien mit Überschriften, sonst nichts“ ärgert er sich. Schon seit Wochen beobachten die Mitarbeiter mit Sorge, wie statt echter Reformen kleinste Sparmaßnahmen eingeführt würden. „Da werden die Hausmeister entlassen und wir sollen jetzt selbst die Toiletten putzen? Teeküche gestrichen – aus Kostengründen.“ Bei einem Unternehmen mit immer noch rund 100 Millionen Umsatz seien solche Maßnahmen sicher nicht zielführend.

200 Beschäftigten droht Entlassung - Gewerkschaft spricht von Skandal

Die Mitarbeiter hätten in den vergangenen Monaten alles getan, um ihr Unternehmen wieder aufzustellen. „Wir gehen arbeitsmäßig auf dem Zahnfleisch und zum Dank werden 200 Leute rausgeworfen“. Boßmann geht davon aus, dass das Verhalten der Geschäftsführung einer Strategie folgt. „Hier wird bewusst versucht, eine Situation herzustellen, die den Betriebsrat zwingt, Massenentlassungen zuzustimmen“, argwöhnt er. Doch die Belegschaft sei bereit zu kämpfen. „Wenn hier nicht endlich etwas passiert, das Weltbild nach vorne bringt, werden wir diesen Weg nicht mitgehen.“ Den Personalabbau werde der Betriebsrat so lange nicht mittragen, solange kein vernünftiges Konzept auf dem Tisch läge. Am nächsten Mittwoch soll eine Betriebsversammlung stattfinden.

Aus gut informierten Kreisen heißt es, Weltbild leide stärker als die Konkurrenz unter dem enormen Umsatzdruck im Handel. Zu erfahren war auch, dass Warenbestellungen für das Weihnachtgeschäft storniert worden sein sollen. Auch seien Stellenausschreibungen wieder gestoppt worden. Ein bereits gedrehter Werbefilm für das Weihnachtsgeschäft sei zurückgezogen worden.

Geschäftsführung bestätigt "personelle Reduktion"

Dass eine „personelle Reduktion“ geplant ist, bestätigte die Geschäftsführung. Zahlen wurden aber nicht genannt. Der Jobabbau werde nötig, weil man den „Restrukturierungskurs konsequent“ fortsetze, kundengerechte schlanke Abläufe schaffe und auf eine stärkere Digitalisierung setze. „Das bedeutet, wir werden Sortimente, Vertriebsauftritt und Werbemaßnahmen sowie unternehmensinterne Prozesse nach den Erfordernissen unserer Kunden überarbeiten.“ Weitere Personalmaßnahmen seien aufgrund der neuen Abläufe „nicht vermeidbar“, erklärt die Geschäftsführung. Buch, E-Book und elektronische Medien bleiben Kernsortimente von Weltbild, werden aber „um attraktive Sortimente rund um Heim und Wohnen und für die Familie ergänzt werden“. Gleichzeitig wurde betont, dass der neue Gesellschafter Droege sehr wohl hinter dem Unternehmen und der Marke Weltbild stehe. Und die Finanzierung stehe „auf einem soliden Fundament“.

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