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Augsburg

04.05.2019

Anwohner sorgen sich um das Schwabencenter

Weiterer Rückschlag für das Schwabencenter: Der Edeka-Supermarkt will das Einkaufszentrum verlassen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Zuletzt schloss die Drogerie Rossmann, demnächst geht Edeka. Die Voraussetzungen für die Bewohner des Schwabencenters haben sich entscheidend geändert.

Das „Wohnzimmer“ ist zugleich sozialer Treffpunkt, Beratungsstelle und Weiterbildungsort im Schwabencenter. Es wurde vor jetzt vier Jahren eingerichtet. Während die Einkaufspassage wegen des immer spärlicher werdenden Ladenangebots und sich weiter verzögernder Renovierungs- und Umbaupläne immer mehr Anlass zur Sorge gibt, feierte der harte Kern der ehrenamtlichen Mitarbeiter und Besucher im Wohnzimmer mit einem gemeinsam zusammengestellten Büfett und einem Unterhaltungsprogramm demonstrativ den Geburtstag. Dass das Wohnzimmer aus der Passage ausziehen muss, ist bis auf Weiteres nicht zu befürchten, aber die Feier war doch auch von Sorgen geprägt, wie es mit dem Schwabencenter weitergeht.

Edeka verlässt bald das Schwabencenter

Christl Patzschke, die in einem der drei Hochhäuser eine Eigentumswohnung hat, sagte unserer Zeitung, sie sei hier unter der Voraussetzung eingezogen, dass sie im Haus mit allem versorgt sei: Einkaufsmöglichkeiten, Arzt, Apotheke, Bank, Postshop, Friseur, Restaurants, Cafés. Sie sei daher bisher nicht auf ein Auto angewiesen, sondern müsse nur mit dem Aufzug herunterfahren und könne alles erledigen. Allmählich zeichne sich aber ab, dass man bald nicht mehr alles im Schwabencenter besorgen könne. Zuletzt schloss die Drogerie Rossmann ihre Ladentür, demnächst wird Edeka das Center verlassen. Es gebe aber im Haus alte Menschen, die gar nicht ohne weiteres anderswo hingehen könnten, auch wenn Real, Discounter und eine Apotheke nicht allzu weit entfernt sind.

Als Karin Eisemann-Martin (links) und Christel Patschke ins Schwabencenter zogen, war die Nahversorgung im Haus einer der Beweggründe für diese Entscheidung. Jetzt sind sie in Sorge.
Bild: Annette Zoepf

Befürchtungen, dass der Wert der Wohnung leidet

Patzschke macht sich Gedanken, wie man wieder mehr Jüngere ins Schwabencenter ziehen kann. Vielleicht sollte hier ein Fitnesscenter angesiedelt werden, meint sie. Angesichts der aktuellen Situation befürchtet sie jedoch, dass der Wert ihrer Wohnung sinkt, wenn die Passage nicht mehr bestehen sollte. Sie spricht damit vermutlich für viele Hausbewohner.

Anwohner sorgen sich um das Schwabencenter

Da hilft es auch wenig, dass das Wohnzimmer sich sehr erfolgreich entwickelt hat. Nach Aussage von Mitinitiatorin Lisa Schuster kommen zu den Veranstaltungen jede Woche rund 120 Gäste. Dabei seien diejenigen, die mehr als eine Veranstaltung besuchen, nicht mehrfach gezählt.

Im Wohnzimmer kann man gemeinsam singen und spielen, kreativ sein, Sprachen lernen, Tischtennis spielen, sich über die Entwicklung des Stadtteils Gedanken machen, aber auch einfach zum Ratschen treffen, und es gibt Beratungsangebote. Anfangs bestand das Problem, dass nur wenige Männer ins Wohnzimmer kamen, aber laut Schuster herrscht inzwischen, jedenfalls im Salon, dem Leitungsgremium der Einrichtung, bei Frauen und Männern Gleichstand.

Die Beratungsangebote sind wichtig. Die Arbeiterwohlfahrt, die das Projekt mit initiiert hat, stellte damals im Schwabencenter Anzeichen für eine altersbedingte Vereinsamung und zudem Probleme bei der Alltagsbewältigung fest. „Man wollte auf die Menschen zugehende Hilfe schaffen“, sagt Lisa Schuster. Für die Fachberatung ist seitdem Angela Kemming zuständig.

Was Abhängige oft nicht wissen

Vor etwa einem halben Jahr hat die Caritas nach den Worten ihrer Mitarbeiterin Edith Girstenbrei-Wittling eine Suchtfachambulanz hinzugefügt. Sie hat festgestellt, dass Alkohol- oder Tablettenabhängige oft nicht wissen, wo sie Hilfe finden können. Die Hemmschwelle, ins Wohnzimmer zu kommen, sei aber gering.

Außerdem ist das Wohnzimmer auch mit einer Initiative verbunden, das Schwabencenter städtebaulich neu zu gestalten. Geplant ist eine Dachbegrünung, und nachgedacht wird über neue, nachhaltige Formen des Lebens und Wirtschaftens in dem Gebäudekomplex. Verantwortlich dafür ist die Architektin Sabine Pfister.

Angesichts der Probleme im Center steht hinter diesen Angeboten und Planungen aktuell ein Fragezeichen. Wie geht es weiter? Nach Aussage von Beraterin Kemming wurde ein Runder Tisch mit in der Passage vertretenen Geschäftsleuten gebildet. Es sei ein Kontakt zum Wirtschaftsausschuss des Stadtrats und zu Bürgermeisterin Eva Weber hergestellt worden. Weber habe Unterstützung zugesagt.

Lisa Schuster plant am 18. Mai um 11.55 Uhr („fünf vor Zwölf“) im Rahmen eines Flohmarkts im Wohnzimmer eine Aktion, die deutlich machen soll, wie wichtig den Wohnzimmernutzern das Center ist. Was genau passieren wird, soll noch besprochen werden. Schuster hofft jedoch auf möglichst viele Teilnehmer – viele Hausbewohner und auch Herrenbacher im näheren Umkreis seien betroffen. Grundsätzlich ist Schuster aber optimistisch: „Es gibt hier Leute, denen das Schwabencenter sehr wichtig ist und die sich Gedanken über die Zukunft machen. Wir können es neu erstehen lassen.“

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