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Konzert

12.02.2013

Das Innehalten vor dem Tod

Julius Berger probt mit Studenten des Leopold-Mozart-Zentrums für die Uraufführung der Bonato-Komposition im Diözesanmuseum.
Bild: Fred Schöllhorn

Am heutigen Aschermittwoch der Künstler wird im Augsburger Diözesanmuseum das eigens dafür von Giovanni Bonato komponierte Werk „Epiphanie“ uraufgeführt

Die Uraufführung der Komposition „Epiphanie“ für Sopran und acht Violoncelli des Italieners Giovanni Bonato erwartet die rund 170 Gäste des heutigen Aschermittwochs der Künstler im Augsburger Diözesanmuseum. Das kirchliche Auftragswerk erklingt als musikalische Meditation zur Rauminstallation „Heiliges Grab“ des bildenden Künstlers Erwin Wiegerling, genannt e.lin.

Es herrscht Erschütterung, Trauer, Unverständnis. „Hagios o Theos – Heiliger Gott“, eröffnet von oben herab eine Männerstimme das Stück über den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus. Es ist der uralte Karfreitagshymnus. Die Sopranistin Elaine Ortiz Arandez vom Münchner Gärtnerplatztheater schließt sich zunächst flüsternd, dann mit dünner Singstimme an: „Was ist das?“ Erst allmählich melden sich die Celli. Mit schleifendem Ton fangen sie an wie dissonante Sirenen und gehen über in flirrende Cluster. Das Stichwort „tiefes Schweigen“ nehmen sie in elegischer Klage auf, durchbrochen von Entsetzen, Aufschreien, Pochen, Zittern.

Die Botschaft geht umher, echot durch Nacht und Nebel

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Aus dem finsteren Untergrund arbeitet sich allmählich der österliche Hymnus „Victimae paschali laudes“ klanglich heraus, im Kreis der Celli geht die Botschaft herum und echot durch Nacht und Nebel. Tod und Leben lagen im Zweikampf, aber das Leben hat gesiegt. So gilt allen Toten der jubelnde Ruf der Sopranistin: „Wach auf, du Schläfer! Christus wird dein Licht sein.“

Prälat Karlheinz Knebel, der Bischofsvikar für Kunst und Kultur, hat die Beteiligten zusammengebracht. In e.lins Ausstellungshalle begegneten sich der Komponist Giovanni Bonato, der Augsburger Musikprofessor Julius Berger und die Sopranistin an dem „Heiligen Grab“, einem übermannshohen Sarkophag aus weißem Beton, worin in einer weißen Daunendecke eingeschlagen der heilige Leichnam ruht. Darüber baumeln bedrohlich zwei ausgewaschene Baumstämme von der Decke herab, locker miteinander verbunden durch rostige dicke Nägel. Die Macht des Todes wird hier körperlich spürbar.

„Wenn man einem Toten ins Gesicht schaut, werden in einem Moment Fragen, Hoffnungen und Wünsche wach“, sagte Knebel gestern bei der Generalprobe. Diesen Moment des Innehaltens hat Bonato in Töne gefasst. Er beschreibe Verlorenheit, Angst und Leere, durchschreite im Mittelteil einen „grauen Moment“, ehe zuletzt das Licht erscheint, die Stimme mütterlicher Sanftheit den Sohn beschwört.

Für jedes Cello schrieb er eine eigene Stimme. Die Musiker von Bergers Meisterklasse müssen gut aufeinander hören, ihr Professor dirigiert selbst. Schon einige Werke Bonatos habe er uraufgeführt, erzählte Berger. Giovanni Bonato sei ein Tonkünstler, der gerade entdeckt wird.

Den öffentlichen Gottesdienst zum Aschermittwoch der Künstler feiert Bischof Konrad Zdarsa um 10 Uhr im Dom.

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