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17.02.2010

Ein Arbeitsplatz mit viel Atmosphäre

Sie weiß zu schätzen, in welchem Gemäuer sie musiziert, sagt Claudia Waßner. "Die Atmosphäre ist schon was Besonderes, mit unheimlich viel Ausstrahlung." Vom Augsburger Dom ist die Rede, an dem Waßner Kirchenmusikerin ist. Seit 1979 macht sie Musik in und im Umfeld der Kathedrale - zunächst als "Mädchen für alles". Was in den Anfängen bedeutete: Die Domsingknaben, zu jener Zeit noch im Springergässchen ansässig, in Orgel und Klavier zu unterrichten oder Liturgien musikalisch zu umrahmen.

Zu der Zeit studierte sie noch, bei Domkapellmeister Rudolf Brauckmann am Leopold-Mozart-Konservatorium, wo sie selbst später Improvisation und liturgisches Orgelspiel unterrichten sollte. Die ersten Messen in der Augsburger Kathedrale zu spielen, war für sie aufregend: "Ich hatte ja überhaupt keine Erfahrung", erinnert sich Claudia Waßner. Doch die Dienste waren gut dosiert, schrittweise wuchs sie in ihre Aufgaben hinein.

1989 wurde die damals 29-Jährige hauptamtliche Kirchenmusikerin am Dom. Da hatte sie ihr Aufbaustudium an der Münchner Musikhochschule eben beendet, den Abschluss als Konzertorganistin, in der Tasche. 1996 ging Rudolf Brauckmann in Pension. An seine Stelle rückte Reinhard Kammler, im Jahr darauf wurde Claudia Waßner Domorganistin. Mit Julian Müller-Henneberg, dem dritten Kirchenmusiker am Dom, teilt man sich die Arbeit. Der junge Kollege übernimmt die Dienste der Dompfarrei, Reinhard Kammler und Claudia Waßner den umfangreichen Rest: die Gestaltung der Hoch- und Pontifikalämter, die Leitung des Domchors, die Gestaltung der samstäglichen Reihe "Cantate Domino" mit Orgelmusik oder Chorgesang, die Claudia Waßner sehr am Herzen liegt.

Für viel mehr als die Musik ist nicht genügend Zeit

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Hier kommt auch der von ihr geschätzte Gregorianische Choral zur Aufführung. Die Schlichtheit dieser Gesänge berührt sie, für Claudia Waßner sind sie "unübertroffen". Hinter "Cantate Domino" steckt aber auch viel Arbeit. "Die Musik beansprucht mich schon sehr", sagt die gebürtige Augsburgerin. Zeit für anderes, etwa die Musikwissenschaft, die Waßner fast mal studiert hätte, bleibt kaum. Morgens Orgeldienste, abends Proben, dazwischen unterrichten: "Man hat immer das Gefühl, man ist nie fertig." Doch der Jahreskreislauf und seine Kirchenfeste verhindern die Eintönigkeit. Auch achten Claudia Waßner und Reinhard Kammler darauf, "dass wir immer wieder neue Werke aufnehmen".

Unerfüllte Repertoirewünsche hat Waßner nicht. Das Notenarchiv des Doms etwa kennt sie bis heute nicht zur Gänze, mit dem Domorchester sind auch größer besetzte Werke kein Problem, und selbst die anderswo oft dünn besetzte Tenorgruppe ist im rund 65-köpfigen Domchor bestens bestückt. Viele Sänger sind ehemalige Domsingknaben, erklärt Claudia Waßner, die gelegentlich das Dirigat für Chorleiter Kammler übernimmt.

Auch mit den zwei Domorgeln ist sie glücklich, obwohl viele die über 100 Jahre alte Maerz-Orgel an der Altarseite, die kleinste Domorgel Deutschlands, "unmöglich finden". Doch das weitgehend originale Instrument zieht viele Besucher an, ist auch für Aufnahmen gefragt. Das freut Claudia Waßner: "Ich liebe sie", sagt sie über die Maerz-Orgel, das Instrument, das für die Kirchenmusikerin neben den alten Mauern nicht wenig zur Besonderheit ihres Arbeitsplatzes beiträgt.

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