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17.05.2018

Hier steht Zirkus auf dem Stundenplan

Martinschüler in der Manege: Zum Abschluss der Zirkuswoche gab es eine Aufführung, bei der auch die Eltern eifrig applaudierten.
Bild: Annette Zoepf

An der Martinschule in Oberhausen agieren die Mädchen und Buben als Artisten. Dafür lässt Rektor Peter Grau für eine Woche sogar den regulären Unterricht ausfallen

Wenn Zirkusartisten Seil springen oder sich Bälle zuwerfen, klingt das nicht unbedingt gleich nach einer aufregenden Vorstellung. Aber zum einen sind die Mitwirkenden beim Zirkus Zappzarap wie auch der Großteil ihres Publikums im Grundschulalter, und zum anderen hat man bei diesem Zirkus verstanden, dass die Präsentation einer Nummer wichtiger ist als ihr Schwierigkeitsgrad.

Alle Artisten in der Turnhalle der Martinschule tragen knallbunte und glitzernde Kostüme, und sie treten so in die Manege, dass sie gleich Vorabapplaus ernten. Das Publikum lässt sich auf das Zirkusprogramm ein und geht lebhaft mit. Einige anspruchsvollere Attraktionen gibt es dann doch: So bekommen die Schüler den Zaubertrick mit der Schwerterkiste schon gut hin, sie schlucken Feuer und turnen am Trapez. Aber auch einfachere Jonglierübungen oder Tänze mit Leuchtbändern kommen sehr gut an. Manche der jungen Zuschauer auf der Tribüne fühlen sich selbst zu kleinen Turnübungen animiert.

Eine Woche lang fiel in der Martinschule der Unterricht aus; stattdessen wurde für die Zirkusvorstellung geübt. Auch eine erste Klasse der Drei-Auen-Schule war beteiligt. Der Zirkus Zappzarap kommt aus Leverkusen und ist auf die Arbeit mit Kindern spezialisiert. Speziell Grundschulkinder können durch die Zirkusarbeit Fähigkeiten erlernen und Tugenden einüben, die sie für ihre Entwicklung brauchen – und das auf spielerische Weise.

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Die Martinschule ist ein sonderpädagogisches Förderzentrum für Kinder mit Lernschwierigkeiten oder sozialen Auffälligkeiten. 250 Kinder besuchen sie. Nach den Worten von Schulleiter Peter Grau befindet sie sich auf dem Weg zur Inklusionsschule und arbeitet deshalb unter anderem mit der Drei-Auen-Schule, einer Inklusions-Profilschule, zusammen. Der Zirkus, der 2015 schon einmal an der Martinschule zu Gast war, wurde laut Grau engagiert, um die Schüler dazu zu bringen, sich mehr zu bewegen. Da muss nach seiner Ansicht dringend etwas geschehen. Im Sportunterricht werde deutlich, dass es vielen an Körperspannung mangele und Sport ihnen daher schwerfalle. Ein Problem ist für Grau zudem die Ernährung. Viele Kinder würden nicht regelmäßig zu Hause essen und sich selbst verpflegen. In manchen Familien fehle auch das Geld für eine gute und ausgewogene Ernährung. Im Rahmen des Zirkusprojekts wurden zuerst die Lehrer gecoacht, wie Tim Heumann vom Zirkus Zappzarap berichtete. Sie sollten Nummern, die sich die Kinder selbst aussuchen konnten, mit ihnen einüben. Ein Grundsatz ist, dass die Kinder möglichst viel selbst machen. Die drei Zirkusleute, die das Projekt an der Martinschule leiteten, halten sich während der Vorstellung weitgehend zurück, und auch die Lehrer stehen nur am Rand der Manege bereit, um notfalls Hilfestellung zu geben. Ein Prinzip ist laut Heumann auch, dass eine Nummer stets von Kindern möglichst aller Altersgruppen vorgeführt wird: „Wir brechen Klassenverbände auf.“

Die rund einstündige Zirkusvorstellung, zu der auch viele Eltern kamen, löste Begeisterung aus. Das Programm war dicht gedrängt; so kam etwa die Hälfte der Schüler zu jeweils einem kleinen Auftritt. Es zeigte sich, dass auch für Kinder, die sich wenig bewegen, mit etwas Training einiges möglich ist – und dass Bewegung richtig Spaß macht.

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