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22.05.2009

I

In der Nachkriegszeit hat Hans-Detlef Lentzsch gelernt, was Kollegialität und Solidarität bedeutet. Als 14-Jähriger hat er als Handformer bei der Firma Kleindienst in der Eisengießerei als Lehrling angefangen. Ein Knochenjob. Bis zu zehn Stunden am Tag musste Lentzsch ran, bis auf Sicherheitshandschuhe gab es keine Schutzausrüstung. "Es waren schwere Jahre", sagt der 75-Jährige heute. Nur weil die älteren Kollegen den jüngeren in allen Bereichen halfen, ging es. "Mobbing gab es damals nicht. Da hat man immer zusammengehalten. Und da galt noch ein Handschlag", erzählt er. Wöchentlich bekam er später acht Mark bar ausgezahlt. Fünf Mark kostet der Bus. Zehn Pfennig das Kantinenessen am Tag. Was übrig blieb, musste Lentzsch zu Hause abgeben. Die Mutter musste sieben Kinder versorgen. Der Augsburger schlief zum Teil in einem Vier-Mann-Zimmer in einer der Baracken-Unterkünfte. Am Wochenende schuftete Lentzsch zusätzlich als Hilfsarbeiter in einer Ziegelei, um Geld für Essen und die Schulhefte zu verdienen. Nie aufgeben, das war sein Motto. Auch später bei Böwe galt das, als er im Akkord arbeitete. Nach Feierabend machte er im Unternehmen gleichzeitig die Ausbildung als Maschinenbauer. 1993 schied er aus dem Arbeitsleben aus. Mitgenommen in den Ruhestand hat er viele Erinnerungen, aber auch die Erkenntnis, dass soziales Engagement wichtig ist. Auch mit 75 arbeitet er ehrenamtlich in der Seniorenarbeit bei der Gewerkschaft IG Metall, organisiert Reisen und Besuche bei den Kollegen, die nicht mehr so können. (fau)

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