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Auswärtiges Amt warnt vor Reisen in die belgische Provinz Antwerpen

03.11.2015

Im Jahr des Schwertes

Filmdoku über den Assyrer-Völkermord

Groß war der Andrang zu „Seyfo 1915 – The Assyrian Genocide“. Der Dokumentarfilm vom Aziz Said zog 200 Zuschauer, zumeist Assyrer aus dem Umfeld des Mesopotamienvereins, ins Mephisto-Kino. Die Dokumentation begleitet die schwedische Journalistin Shamiram Ayaz auf der Suche nach ihren christlichen Wurzeln bis in den Tur Abdin, jene Region in der Südosttürkei, die seit 3000 Jahren assyrisches Siedlungsgebiet ist. Ihr Großvater überlebte 1915 den türkischen Völkermord an den Armeniern, dem auch bis zu 300000 Angehörige der griechischen und syrisch-orthodoxen Minderheit zum Opfer fielen. Unter „Seyfo“ (Schwert) gedenken die Assyrer dieser Tragödie.

Ayaz und Regisseur Said suchten die Orte der Todesmärsche, Massaker und des Widerstands auf, trafen die Nachfahren der Opfer. Im Stil des klassischen Bildungsfernsehens verwebt der Film historische Bilder mit aktuellen Aufnahmen und Erzählungen der Menschen sowie mit Statements von Historikern, die insbesondere auf die bisher weniger beachteten Opfergruppen syrisch-orthodoxe und griechische Christen eingehen. Die Wissenschaftler erklären: Die Vernichtung der Armenier war staatlich gelenkt. Das Osmanische Reich machte die armenischen Christen zum Sündenbock für Verluste auf dem Balkan und an der russischen Grenze. Der zeitgleiche Genozid an den assyrischen Christen durch die mächtigen kurdischen Stämme in der Region Tur Abdin war der jungtürkischen Regierung bekannt und wurde geduldet.

Der Film dokumentiert auch, wie Generäle und Diplomaten des verbündeten Deutschen Reichs die Verfolgungen aus eigenem Interesse befeuerten. Zum Beispiel Max von Oppenheim. Der Archäologe überzeugte das Auswärtige Amt, zusammen mit dem Sultan einen Dschihad gegen Frankreich und Russland einzuläuten. Kurz darauf begann eine Propagandaabteilung in Berlin Flugblätter zu produzieren, um die osmanischen Muslime gegen die Alliierten in Stellung zu bringen.

Weil eine Aufarbeitung dieser Ereignisse in der Türkei bis heute tabu ist, meldete Regisseur Ayaz Said seine Dreharbeiten bei den dortigen Behörden als „allgemein historisch“ an. Gabriel, 18, aus Augsburg, dessen Eltern aus der Region Tur Abdin stammen, erschütterte die Dokumentation. „Das war, als hätte ich meine eigene Familiengeschichte gesehen. Vielleicht hilft der Film, dass unsere Erinnerungen endlich überall anerkannt werden.“ (stefs)

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