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26.07.2010

Köstliches Gruseldrama

Die konzertante Fassung des "Don Giovanni" zum Auftakt der diesjährigen Fronhofkonzerte war mit über drei Stunden Länge kaum kürzer, als eine lückenlose szenische Aufführung von Mozarts köstlich gruseligem "Dramma giocoso" gedauert hätte. Diese Überlänge schlug jedoch nicht ins Gewicht, weil die Qualität vor allem des zweiten Teils mit dem Höllenritt des Bösewichts zum krönenden Abschluss jeden Gedanken an die Zeit zerstreute. Und das Schlechtwetterquartier Ev. Heilig Kreuz tröstete akustisch über den Fronhof hinweg, wo der Regen die Aufführung vereitelt hatte.

Der künstlerische Leiter Wilhelm F. Walz, der außerdem die (nicht immer präzise und intonationssichere) Prager Symphony auf zwar unkonventionelle, aber hörbar effektive Dirigierweise leitete, hatte für die anspruchsvollen Gesangspartien ein stimmgewaltiges Solistenensemble verpflichtet.

Gerade die Frauen füllten den Kirchenraum mit lyrischem Legato, gurrendem Vibrato und gebündelter bis scharfer Strahlkraft. Am meisten beeindruckte an diesem Freitagabend die Mezzosopranistin Bea Robein als tragisch-glutvolle Donna Elvira, dicht gefolgt von Jennifer Davison als bravourös durchschlagende Sopranistin in der Rolle der Donna Anna und Marketa Halirova-Bechynova als vergleichsweise hell timbrierte Zerlina, die mit ihrem etwas blässlichen Masetto (dafür schlank und nobel David Pichlmaier) als burleskes Paar in direkter Figaro-Linie stand.

Unter den Männerstimmen ragte Komtur Andreas Macco besonders klangschön heraus. Auch Yorck Felix Speer zeigte etwa in der Register-Arie eine prachtvoll sonore Tiefe, die in höheren Lagen nicht immer gleichzog.

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Für die Partie des Don Ottavio fast zu groß war der Tenor von Markus Schäfer: Der zeigte stimmschöne, sahnig-lyrische Strecken, wirkte aber oft zu druckvoll. Beinahe schmal wirkte gegen diese überwiegend tiefe Stimmgewalt der heller getönte Bariton Henryk Böhm als Don Giovanni, der beim genaueren Hinhören dafür einigen Nuancenreichtum entwickelte.

Genau das fehlte nämlich zunächst, anfangs mehr, im zweiten Teil nur noch wenig: die stilgerechte Artikulation und Phrasierung, das klassizistisch-schlanke Klangbild und die dosierte Orchesterdynamik, die den Sängern Raum lässt für Piano- und Pianissimo-Facetten.

Gewürzt mit der kundigen und sehr lebendigen Moderation von Erzähler Jacques Malan zeigten Wilhelm F. Walz und seine im besten Sinne routinierten, gerade in den Ensembles aufblühenden Ausführenden die Oper von ihrer Honigseite: der Musik. Darunter war auch das Sextett "Sola, Sola in bujo loco" im zweiten Akt, für das immerhin Giacomo Casanova einst einen - allerdings nicht verwendeten - Textentwurf beigesteuert hatte. Der alternde Herzensbrecher, der angeblich das Vorbild für Mozarts "Don Giovanni" gewesen sei, erlebte die Uraufführung der Oper am 27. Oktober 1787 in Prag und war tief beeindruckt - ebenso das Publikum von der Aufführung am vergangenen Freitag. Zu Recht.

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