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Mozartfest

27.05.2017

Konzert mit Überraschungseffekt

Individuelle Akzente setzten Sarah Christian, Fabian Müller und Maximilian Hornung beim gemeinsamen Spiel im Kleinen Goldenen Saal.
Bild: Christian Menkel

Sarah Christian, Fabian Müller und Maximilian Hornung spielen Haydn, Mendelssohn und Schönberg. Dabei lässt sich entdecken, wie aus einem Streichsextett ein Klaviertrio wird

Eine paradoxe Situation beim Klaviertrio-Abend des Mozartfestes mit dem Motto „Spurensuche“: Derjenige, um den die Spuren laufen, blieb bei diesem Konzert am Donnerstag im Kleinen Goldenen Saal außen vor. An seiner Stelle weckte ein Überraschungsgast höchste Aufmerksamkeit, der kein einziges Klaviertrio komponiert hat…

Aber der Reihe nach: Haydn gilt gemeinhin als „Vater“ des Klaviertrios, die reifen Werke der Gattung sind aber lange nach Mozarts Tod entstanden. Darunter ist das Trio C-Dur Hob. XV:27 eines der einfallsreichsten, sprühendsten und, vor allem im Presto-Finale, temperamentvollsten. Sarah Christian (Violine), Maximilian Hornung (Cello) und Fabian Müller (Klavier), alle Vertreter der jüngeren, bereits voll arrivierten Musikergeneration, stürzten sich vorbehaltlos, aber mit größter künstlerischer Kontrolle ins gemeinsame Musizier-Vergnügen, setzten dabei auch immer wieder individuelle Akzente.

Mendelssohns 2. Trio c-Moll war vom selben Schwung getragen, jetzt aber verbunden mit erheblich gesteigerter Ausdrucksintensität. Bruchlos im Kopfsatz die Übergänge von feurigem Aufschwung (con fuoco!) zu lyrisch schwebender Gesangslinie, ebenso die hochdifferenzierten dynamischen Wechsel beim Elfenspuk-Scherzo. Im fast symphonisch dimensionierten Finalsatz scheuten die jungen Künstler keine Extreme und wagten beim pompösen Choralthema-Schluss ein Äußerstes an Klangballung.

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Beim „Überraschungsgast“ Arnold Schönberg hatten es die Programmplaner leider versäumt, das Publikum auf eine wichtige Spur zu lenken – nämlich zu Eduard Steuermann, Kompositionsschüler Schönbergs und herausragender Pianist in dessen Kreis. Er hatte die „Verklärte Nacht“ 30 Jahre nach der Uraufführung als Streichsextett (1902) für Klaviertrio bearbeitet – scheinbar ein abwegiges Unterfangen, wenn man sich den einzigartig schwerelosen, rauschhaften Streicherklang bewusst macht, den die Urfassung immer wieder entfaltet.

Die drei hoch zu rühmenden Protagonisten des Abends demonstrierten aber nachdrücklich, dass Steuermann ein genuines Klaviertrio mit seiner ganz eigenen Klangwelt geschaffen hat. Selbstverständlich konnte Fabian Müller auch mit hochsubtil hingehauchten Trillern nicht flirrende Violinen in höchster Lage gleichwertig ersetzen. Aber die Polarität Klavierklang contra Streicherklang entspricht der Dialogsituation der Gedichtvorlage von Richard Dehmel, die „dünne“ Klanglichkeit von Solovioline und Solocello verkörpert herzzereißende Klage, das gesamte Ausdrucksspektrum (das immer wieder mal nach Brahms klingt) erscheint dem Menschlichen näher, Schönberg wird sozusagen „geerdet“.

Ein musikhistorisch wie auch emotional außerordentliches Ereignis, dem sich die drei Musiker rückhaltlos widmeten und wofür sie zu Recht den ebenso rückhaltlosen wie lang anhalten Beifall des voll besetzten Saales entgegennehmen durften.

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