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22.07.2010

"Laut jauchzt das Volk ..."

Jakobervorstadt Zu Kirchweihbeginn am 25. Juli 1847 veröffentlichte das Augsburger Tagblatt das vielzeilige Gedicht "Die Jakober Kirchweih". Es beginnt mit "Laut jauchzt das Volk, es wimmelt in den Straßen, / der Vorstadt Kirchweih ziehet mächtig an …" Das 1864 gedruckte "Schwäbisch-Augsburgische Wörterbuch" führt zum Stichwort "Jakober Kirchweih" aus: "Ein echtes Augsburger Volksfest, wo besonders seit alters die Gärtner ihre besten Produkte, besonders Riesenrettiche, liefern. Die Gautsche oder Schogge darf nicht vergessen werden, an der die Jungen und die Alten ihre Freude haben." Dieses Vergnügungsgerät war die Frühform der Schiffschaukel. Im Jahre 1880 ist ein Vorziehen der bislang zweitägigen Kirchweih (Sonntag und Montag) auf den Samstagabend feststellbar.

VON FRANZ HÄUSSLER

Mittelpunkt der Gemütlichkeit

"Der Pulsschlag des biederen Augsburgers geht wieder höher, stehen wir doch 3 Tage lang wieder unter dem Zeichen der Jakober Kirchweih, und dieses Zauberwort elektrisiert nach wie vor die breitesten Massen der Einwohnerschaft", ist 1904 in der Augsburger Presse zu lesen. Für viele bedeute es den "Mittelpunkt der Gemütlichkeit". Wer Gedränge und viel Lautstärke liebe, sei dort gut aufgehoben. Der Unterschied zum Plärrer damaliger Zeit war groß: Der Plärrer war "nüchtern", das heißt alkoholfrei und lediglich ein "Schau- und Erlebnis-Volksfest". Im Gegensatz dazu standen bei der Jakober Kirchweih das Kulinarische, extra gebrautes, sechs Monate gelagertes Bier, Tanz und Gaudi jeder Art im Mittelpunkt.

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Eine höchst private Kurzbeschreibung ist auf einer Grußkarte von der Kirchweih des Jahres 1906 nachlesbar: Eine junge, vom Land stammende Frau schickte sie an ihre Freundin in der Heimat: "Auch Euch möchte ich eine Karte von der Kirchweih schicken. Es dauert dieselb zwei Tage und ist da so ein Treiben wie auf einem Markt ähnlich. Es ist da nämlich Gemüse-Ausstellung und werden auch Preise verteilt. Der Gärtner neben mir hat den

Ersten Preis erhalten." Eine weitere Postkarte vom 25. Juli 1909: "Heute ist hier die Jakober Kirchweih, da ist es zünftig!" Ab etwa 1895 erschien eine Vielzahl spezieller Kirchweihkarten, die offenbar massenhaft verschickt wurden.

Auch die Frage "Seit wann gibt es Bierzelte auf der Kirchweih?" kann mittels einer 1902 verschickten Bildpostkarte beantwortet werden. Die Zeichnung darauf ist aufschlussreich: Unter provisorisch wirkenden Zeltdächern ist ein Musikerpodium aufgebaut. Viele Gäste haben unter diesem Dach Platz genommen. Man verließ sich also schon um 1900 nicht mehr ausschließlich auf schönes Wetter! Das belegt auch das Inserat der Brauerei Lorenz Stötter von 1914. "Im dekorierten, zeltüberdachten Hofe der Brauerei" werde gefeiert, heißt es da. An anderer Stelle wird von "geschmückten Hallen" geschrieben. Fotos aus den 1930er-Jahren überliefern solche Hofüberdachungen, die bis zum Zweiten Weltkrieg üblich waren.

Die Vorzeichen für die Kirchweih 1914 waren ungünstig: Ein Hagelunwetter vernichtete eine Woche vor Beginn einen Großteil der für das Fest bestimmten Gärtnerwaren. Es gab letztmals Nudeln, Kücheln, Salzspitzeln in der Größe eines Spazierstocks, Radi, Rostbratwürste, Gänse und Enten. "Die Schiffschaukel- und Karussellbesitzer, die fliegenden Stände wie auch die zahlreichen Obsthändler machten glänzende Geschäfte." Das ist in Zeitungen nachlesbar. Diese wurden ebenso wie die Kirchweih von einem einzigen Thema beherrscht: "Den Unterhaltungsstoff bildete selbstverständlich allerorts der österreichisch-serbische Konflikt. Nachdem verschiedene Extrablätter erschienen waren, welche den Krieg immer näher rückten, entstand eine gehobenere Stimmung." Der sich Ende Juli 1914 ankündigende Krieg bescherte sechs kirchweihlose Jahre. Von 1915 bis 1920 sucht man Kirchweih-Berichte vergeblich.

Der Aufschwung nach der Währungsreform

Auch der Zweite Weltkrieg bedingte Ausfälle. 1942 fand die letzte Kriegskirchweih statt. Dann folgten sechs stille Jakobitage ohne Volksfest. Erst als die planmäßige Schutträumung bewerkstelligt war und der Aufschwung nach der Währungsreform von 1948 das Festefeiern wieder zuließ, kam die Wiederbelebung.

Zum Beginn der ersten Nachkriegskirchweih am Samstag, 23. Ju-li 1949, waren zwar Böllerschüsse noch verboten, doch Blitz und Donner ersetzten kurz nach dem Einzug ins Festzelt im Hof der Augusta-Brauerei die fehlenden Knaller. Ein kleineres Zelt hatte Hasenbräu aufgebaut. 1950 standen bereits vier Großzelte, 1951 deren fünf. 1952 kam ein Weinzelt dazu. 1957 gab es letztmals fünf große Bierzelte, dazu 42 Stände und Fahrgeschäfte. Das war die "Spitzenbesetzung" der Jakober Kirchweih!

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