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Augsburg

26.06.2019

Mit gutem Gewissen Klamotten kaufen: So shoppen Augsburger Studenten

Studentin Tamara Meyer bereitet Pakete für den Postversand vor. Sie kauft gezielt Second-Hand-Mode im Internet. Manchmal bietet sie dort auch eigene Teile an, die sie selber nicht getragen hat.
Bild: Silvio Wyszengrad

Viele Studenten suchen günstige und modische Kleidung, aber keine „fast fashion“. Wo sie entsprechende Teile in Augsburg finden und welcher Trend angesagt ist.

Wenn Studenten sich neu einkleiden, gilt meistens: Günstig soll es sein. Viele wollen den Klamottenkauf aber auch mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Möglichkeiten gibt es viele: von Secondhandläden über Kleidertauschpartys, sogenannte Vintage Kilo Sales bis hin zum Flohmarkt im Internet. Wie das geht und wo man solche Angebote in Augsburg findet, wissen die Studentinnen Tamara Meyer und Marie-Josephine Schmidt.

Germanistikstudentin Tamara kauft gerne online. 2012, als sie fürs Studium von Nördlingen nach Augsburg zog, hat sie sich die kostenlose App von Kleiderkreisel geholt, einer Secondhand-Plattform, auf der im Internet Artikel verkauft, gekauft, getauscht und verschenkt werden. Wie ein Flohmarkt 2.0. Dort sucht und kauft sie gezielt, zuletzt ein gestreiftes Sommerkleid, sagt die 25-Jährige, die ihre brünetten, kurzen Haare zu einem kecken Zopf gebunden trägt. Umgekehrt nutzt sie die Plattform auch, um eigene Teile zu verkaufen. „Ich habe einfach viel zu viele Klamotten, die ich nie anziehe“, sagt sie. Alle zwei Monate sortiert die Studentin aus.

Über Plattformen verkauft sie ihre Klamotten wieder

Wenn sie Zeit hat, fotografiert sie ihre Klamotten, beschreibt Größe, Farbe und Marke, und stellt sie ins Internet. „Man braucht schon Lust dazu“, sagt Tamara. Denn das sei ziemlich aufwendig: Fotografieren, Texte schreiben, Ware verschicken. Doch sie habe sich gedacht: „Bevor ich es wegschmeiße, kann ich vielleicht noch etwas Geld verdienen.“ Vor allem aber sei es sehr sinnvoll.

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35 Millionen Mitglieder weltweit nutzen nach Unternehmensangaben die Plattform, die sich international „Vinted“ nennt. In Deutschland seien im Durchschnitt 500.000 Nutzer pro Tag aktiv, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Die Region Bayern habe aktuell 700.000 Mitglieder von Kleiderkreisel als Wohnort angegeben. Was online nicht gekauft wird, spendet Studentin Tamara Meyer an Kleidercontainer oder Kleiderläden des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). In Augsburg-Stadt gibt es drei davon: die Rot-Kreuz-„Lädle“ in Lechhausen, Oberhausen und Pfersee. Dort geht Marie-Josephine Schmidt, Studentin der Erziehungswissenschaften, gerne hin, sowie ins Sozialkaufhaus contact in Haunstetten oder die Secondhandläden Kleidsam am Perlachberg und Vinty’s am Oberen Graben.

Marie-Josephine Schmidt, Studentin der Erziehungswissenschaften, kaut gerne in Second-Hand-Läden ein.
Bild: Lorenz

In Augsburg gebe es viele Geschäfte für gebrauchte Kleidung, findet die Studentin. Vor zwei Jahren hat sie angefangen, nur noch secondhand und bewusst einzukaufen, sich bei jedem Teil zu fragen: „Brauche ich es wirklich?“ Das sei ihr Lifestyle, sagt die 22-Jährige, die sich auch vegan ernährt. Sie hält nichts von sogenannter „fast fashion“, davon, dass schnell viel und günstig produziert werde auf Kosten der Arbeiter in ärmeren Ländern. Uns gehe es hier so gut, das wünsche sie sich für alle Menschen. „Fair fashion“ ist bei Studenten angesagt: Bewusst und nachhaltig konsumieren, auf Qualität achten und einen eigenen, einzigartigen Stil finden.

Als Marie-Josephine den Rot-Kreuz-Laden betritt, gleitet ihre Hand am ersten Kleiderständer über ein ärmelloses Jeanskleid und ein geblümtes Sommerkleid für je fünf Euro und bleibt schließlich an einem violetten Seidenkleid mit Pailletten hängen. „Das finde ich total faszinierend, da hängt dann so ein Ballkleid dazwischen“, sagt sie und lächelt. Secondhand mache Spaß und man könne kreativ sein, auch wenn man etwas länger suchen müsse, wenn man etwas Bestimmtes im Kopf habe. Studenten seien seit Anbeginn eine Zielgruppe, sagt Michael Gebler, der Geschäftsführer des BRK Augsburg Stadt. Allgemein komme sehr gemischtes Publikum. In Pfersee zum Beispiel, wo der Laden gut erreichbar im Wohngebiet liege, seien weniger als 50 Prozent der Kunden Bedürftige.

Wie sich Augsburger Läden auf den Trend einstellen

An diesem Vormittag ist Marie-Josephine von älteren Menschen umgeben. Den Mitarbeitern zufolge sind es bisher eher wenige Studenten. Das wollen sie ändern: „Wir machen bald einen Vintage-Ständer“, erklärt eine Verkäuferin. Denn: „Die Klamotten sind da, aber das Publikum nicht so.“ Modebewusste Studenten und Hipster meint sie, die nach Stücken suchen, die ihre Eltern und Großeltern trugen, um alte Kleidung neu zu interpretieren. Im Secondhandladen Vinty’s, ein Shopkonzept der Aktion Hoffnung, gibt es bereits eine Vintage-Abteilung. Daran hätten die jungen Leute viel Interesse, sagt Minou Vadaye Kheiri, es kämen mehr als früher. Auch Trachten seien beliebt, vor allem bei ausländischen Studenten. Die 60-Jährige, blonde Locken, Brille, freundliches Lächeln, arbeitet seit 16 Jahren in dem Laden, der früher in der Steingasse war. Hier ist alles nach Farben sortiert, nach Damen und Herren, nach Größen ab 40 und Klamotten „echt aus den 50ern, 60ern, 70er und 80ern“, sagt Kheiri.

Eine andere Möglichkeit, günstig an Vintage-Klamotten zu kommen, sind sogenannte Vintage-Kilo-Sales. Hier entsteht für einen Tag eine Verkaufsfläche mit Secondhandkleidung, bei der man einpackt, was gefällt, und am Schluss einen Kilopreis zahlt. Der liegt bei etwa 35 Euro. Im April war zum Beispiel Deutschlands großes Vintage Pop-Up-Event „Vinokilo“ in Augsburg zu Gast. Das Konzept: Gebrauchte Kleidung shoppen bei Musik, Essen und Wein.

Außerdem finden in Augsburg immer wieder Kleidertauschpartys statt. Marie-Josephine Schmidt trägt heute einen senfgelben Cord-rock von einer Party, die kürzlich an der Universität stattgefunden hat – organisiert unter anderem vom GreenOffice Augsburg und dem Forum Plastikfreies Augsburg. Jeder bringt Artikel mit, die er nicht mehr braucht, und sucht sich dafür etwas anderes aus. Von solchen Aktionen erfährt die Studentin durch Flyer, eine WhatsApp-Tauschgruppe mit Kommilitonen oder Facebook. Manchmal tausche sie einfach mit Freunden, sagt Marie-Josephine.

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