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29.07.2010

Musizierlust in tänzerischer Bewegung

Eigentlich müsste die Kongresshalle voll sein, konstatierte Veranstalter Bernhard Häußler angesichts des spärlich besuchten Rokokosaals. Die Künstler des Abends, das 2006 gegründete Apollon Musagète Quartett, das bereits im Jahr 2008 den 1. Preis beim ARD-Musikwettbewerb gewann, hätten wirklich mehr Zuhörer verdient. Doch die anwesenden Musikfreunde wuchsen mit ihrer zuletzt lautstarken Begeisterung zumindest akustisch auf einen vollen Saal aus.

Perfektion ist die Regel

Die Musiker, die bei den heuer erstmalig stattfindenden Meisterkursen auf Bannacker ohne Kursgebühren (!) dozieren, hatten diese Resonanz verdient. Das Mozart gewidmete Programm war allein von der Darbietung her Weltklasse. Die fantastische Präzision und Intonation, das exquisit dosierte Klangbild gepaart mit einem stilistisch korrekten, sehr reduzierten Vibrato und das Spiel dreier Quartettmitglieder im Stehen, die eine Umsetzung der Musik und Musizierlust in tänzerische Bewegungen erlaubte, stellten sofort das enorme Niveau des Quartetts klar. Perfektion ist hier Regel und wird fast immer erreicht.

Meisterschaft in der Rasanz

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Ähnliches gilt für die Musik. Was Primarius Pawel Zalejski, Bartosz Zachlod, Piotr Szumiel (Viola) und Piotr Skweres (Cello) zum Beispiel aus dem floskelhaften Streichquartett des Chevalier de Saint Georges, des "schwarzen Mozarts", der eine Hauptrolle beim Augsburger Mozartfest 2007 spielte, machten, war beeindruckend: Mit zielführendem Schwung genommen, bekamen die aneinandergereihten Phrasen packend plastische Gestalt. Ebenso und mehr noch in Mozarts viel dramatischerem KV 173 von 1773 und Gossecs klassischem Zweisätzer mit lautmalerischen Einlagen. Vielleicht gerieten einzelne Tempi zu schnell; doch die Meisterschaft des Quartetts bewährte sich auch in der Rasanz.

Revolutionäre Tendenzen

Nach Bernhard Häußlers Rezitation von Goethes Gedicht "Veilchen" sowie dem tadellosen Vortrag seiner Mozart'schen Vertonung durch Sopranistin Teresa Tièschky und Pianistin Verena Metzger folgte Mozarts Veilchen-Quartett KV 575 (1789): Die gefällige Komplexität des dem Preußenkönig gewidmeten Viersätzers, der in seinem jäh zerrissenen höfisch-zierlichen Menuett revolutionäre Tendenzen vermuten lassen könnte, die Betonung des Cello, das eine aufregende Neugewichtung der Stimmen von Grund auf zur Folge hatte, und die lustvoll musikantisch-analytische, goldrichtig zusammenfassende Interpretation machten diesen Abschluss des Konzertabends zum atemberaubenden Erlebnis.

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