1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Nette Gabe oder doch Bestechung?

Compliance

16.11.2012

Nette Gabe oder doch Bestechung?

Copy%20of%20a4.tif
3 Bilder

In der Vorweihnachtszeit verteilen Firmen fleißig Geschenke an Kunden und Partner – oft eine gut gemeinte Geste mit Beigeschmack. Was ist erlaubt und was nicht?

Eine kleine Aufmerksamkeit? Oder schon ein Bestechungsversuch? Wenn es um Geschenke für Kunden oder Geschäftspartner geht, sind die Grenzen fließend. Seit der Siemens-Schmiergeldaffäre wächst auch bei kleineren Unternehmen die Sorge, in den Sog solcher Anschuldigungen zu geraten. Die Augsburger Kanzlei Sonntag & Partner, die kürzlich zur „Kanzlei des Jahres für den Mittelstand“ gewählt wurde, ist für etliche Unternehmen in der Region in dieser Angelegenheit zum Vertrauten geworden. Wir sprachen mit den Juristen Klaus Leuthe und Konrad Kern darüber.

Manche Unternehmen lassen es in der Vorweihnachtszeit krachen: Hier mal eine Einladung zum Luxusitaliener, da ein Skiwochenende. Wo sind Ihrer Meinung nach Grenzen?

Leuthe: Das kann man so pauschal nicht sagen. Man muss immer auch beurteilen, inwieweit eine Zuwendung Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen hat und in welcher Relation der Wert auch zum Einkommen steht. Geht es zum Beispiel um Zuwendungen an Amtsträger oder um mögliche Aufträge der öffentlichen Hand, dann sind solche Geschenke schnell problematisch. Geht man dagegen mal mit dem Inhaber eines mittelständischen Familienunternehmens oder einem Kollegen zum Fußball, dann kann das noch unkritisch sein. Das wird auch in der Rechtsprechung so gesehen. Oft macht es Sinn, sich eine Testfrage zu stellen: Könnte ich im Unternehmen am Schwarzen Brett öffentlich aushängen, was ich der Person zugutekommen lasse?

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Wie soll ich mich als Mitarbeiter verhalten, wenn ich Geschenke bekomme?

Leuthe: Wir hatten einen Fall, da wollte ein größeres inhabergeführtes Unternehmen eine Empfehlung, wie man sich verhalten solle, wenn sich in der Vorweihnachtszeit die Geschenke türmen. Wir haben geraten, sich bei den Schenkenden zu bedanken mit der Bitte, beim nächsten Mal das Geld zu spenden. Die Präsente wurden dann auf der Weihnachtsfeier verlost.

Mit so einer Aktion kann man einen Partner aber auch schnell verärgern...

Kern: Natürlich. Man muss sehr gut abwägen und die Entscheidung so kommunizieren, dass die Bindung darunter nicht leidet.

Einige große Unternehmen haben konkrete Beträge festgelegt, darüber hinaus darf kein Mitarbeiter Geschenke annehmen. Was ist davon zu halten?

Leuthe: Das sind vor allem kapitalmarktorientierte Großkonzerne. Hier will man erst gar keinen Abwägungsprozess aufkommen lassen, sondern klare Regeln. Die gelten dann aber auch für alle. Bei kleineren Unternehmen will man häufiger noch etwas mehr Ermessensspielraum und behält sich Einzelfallentscheidungen vor.

Wie ist es bei Ihnen in der Kanzlei?

Leuthe: Wir empfehlen unseren Mitarbeitern, keine wertvollen Geschenke anzunehmen, und erwarten, über Geschenke informiert zu werden. Wir engagieren uns jedes Jahr für soziale und karitative Zwecke und bitten auch unsere Mandanten, diesem Beispiel zu folgen und das Geld sinnvoller einzusetzen.

Welchen Eindruck haben Sie: Gibt es ein Problembewusstsein im Mittelstand, dass manche Geschenke problematisch sind?

Kern: Das Problembewusstsein ist auf jeden Fall gewachsen. Viele Mittelständler in der Region sind Zulieferer großer Konzerne, von ihnen wird verlangt, dass sie bestimmte Verhaltenskodizes unterzeichnen. Die wenden sich dann oft an uns und wollen wissen, wo sie stehen.

Und was entdecken Sie dabei?

Kern: In der Regel gehen die Unternehmer sehr verantwortungsvoll um. Aber es gibt auch immer wieder Dinge, die wir aufgreifen, und dann heißt es: Das haben wir schon immer so gemacht. Da muss man dann offen aufzeigen, welche Risiken mit dem jeweiligen Handeln verbunden sind. Problematisch wird es, wenn Unternehmen versuchen, ihre Zuwendungen zu verschleiern, wenn man entdeckt, dass irgendwo Provisionen fließen, ohne dass jemand weiß, warum die überhaupt gezahlt werden.

Wie kann man verhindern, dass in Unternehmen mit solchen Dingen unsauber umgegangen wird?

Kern: Die meisten Unternehmen haben bereits ein Vier-Augen-Prinzip eingeführt, bei dem Entscheidungen immer von zwei Personen aus unterschiedlichen Abteilungen abgezeichnet werden. Es kann aber auch so weit gehen, dass man einen Compliance-Beauftragen einführt, der Rechtsverstöße verhindern soll. Interview: Monika Schmich

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren