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23.07.2010

Weltmusik aus Draculas Land

Nicolas Simion am Saxofon überzeugte mit seiner Virtuosität und mit seinem stimmigen Balkan-Jazz-Konzept (dahinter der Geiger Zoltan Lantos). Foto: Zwang-Eriksson
Bild: Zwang-Eriksson

Transsylvanian Jazz nannte Nicolas Simion schmunzelnd die Musik, die er mit seinen fünf Mitstreitern beim Augsburger Jazzsommer zelebrierte. Transsylvanien aber war viel zu kurz gegriffen, einte das funktionierende Konzept des Saxofonisten doch die ganze Welt.

Dass der Balkan stark vertreten war im funkig-swingenden Kosmos des transsylvanischen Musikers, verstand sich bei der osteuropäisch geprägten Besetzung wie von selbst. Musiker aus Rumänien, Mazedonien, Tschechien und - Ausnahmen bestätigen die Regel - Deutschland gaben sich beim zweiten Konzert im Botanischen Garten ein mitreißendes Stelldichein, das neben Zigeunerweisen und osteuropäischer Musik auch Arabisches, Folk, Pop und modernen Jazz einfließen ließ. Eine ganz eigene und eigentümliche musikalische Sprache tat sich da auf, geprägt von den individuellen Stimmen der sechs Musiker.

In gemäßigter Lautstärke und mit hoher Konzentration ausgeführt, ergoss sich ein tönendes Meisterwerk auf die Zuschauer, das gerade so wirkte, als habe es Steve Coleman mit seinem Motherland Pulse in den Balkan verschlagen. Ungerade Metren und die oft im arabisch tönenden harmonischen Moll angesiedelten Skalen wirkten anregend fremd. Noch fremder indes mutete die Instrumentierung an, die neben Gitarre (Norbert Scholly), Kontrabass (Martin Gjakonovski) und Schlagzeug (Golo Meichel) auch mit Violine (Zoltan Lantos) und Zymbalon (Jura Wajda), einem übergroßen Hackbrett, aufwartete.

Das frische Gefühl eines freudigen Dorffestes

Weltmusik aus Draculas Land

Hora Funk und Arabian Groove, Irish Folk und Modern Beats verschmolzen im kosmopolitischen Kosmos des Sextetts zu einem pulsierend-modernen Ganzen, das in den ausgeprägten Solopassagen von höchst virtuosen Instrumentalisten, in den Melodien von einem homogen agierenden Ensemble geprägt wurde. Trotz erregender, hochmusikalischer Einfälle ging dabei das frische Gefühl eines freudigen Dorffestes nie ganz verloren.

Überraschte der facettenreiche Reigen des Sextetts um Nicolas Simion mit weltmusikalischer Offenheit, kulminierte das zweistündige Konzert am Ende in einem als Zugabe dargebotenen, lupenreinen Balkan-Medley, das mit bulgarischer Volksmusik liebäugelte und die Musiker zu hemmungsloser Höchstleistung antrieb. The Balkans went berserk - wie herrlich!

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