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Vortrag

15.03.2018

Zeitreise in die Renaissance

Historisch gewandete Frauen und Männer führten den Geschlechtertanz im Augsburger Schaezlerpalais auf.
Bild: Thomas Hack

Dirigent Rudolf Piehlmayer begibt sich auf die spannenden Spuren der alten Geschlechtertänze. Er hat in Schriften und Originaldokumenten gestöbert und so manch skurrile Geschichte zu Tage gefördert

Golden bestickte Gewänder, eine glanzvolle Umgebung, ein spannender Streifzug in die längst vergangene Welt der höfischen Patrizierkultur – all dies war nun auf anschauliche Weise im prunkvollen Augsburger Schaezlerpalais zu erleben: Der renommierte Dirigent und mehrfache Musikpreisträger Rudolf Piehlmayer hat sich auf die Spuren der Vergangenheit begeben und unter Mitwirkung des Augsburger Geschlechtertanz e.V. einen höchst unterhaltsamen Vortrag über die Tänze einer Epoche gehalten, in der sich die Welt nicht nur auf den Landkarten in rasanter Geschwindigkeit veränderte.

Zahllose Schriften und Originaldokumente aus der Renaissance hatte der Hobbyforscher durchstöbern müssen, um erstmalig ein harmonisches Gesamtgemälde der damaligen Komponisten, Choreografien und zwischenmenschlichen Umgangsformen an den prächtigen Fürstenhöfen zu erschaffen. Was Piehlmayer schließlich mit einvernehmender Erzählkunst präsentierte, war eine aufregende Zeitreise, die das Publikum nicht nur mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen fesselte, sondern gleichermaßen mit einer gesunden Melange aus Spannung und Humor angereichert war.

Mittels ausladender Gestik und einer herzerfrischenden Körperperformance ließ der Dirigent die Zuhörer in eine Welt eintauchen, in der Barden und Pfeiferlspieler, Buchdrucker und Weltumsegler von sich reden machten. Doch auf dem wohlklingenden Streifzug begegnete man auch einer ganzen Menge skurrilerer Dinge – wie etwa neckischen Paartänzen zwischen Mönchen und Nonnen, eigensinnigen Notenlinien, musizierenden Insekten oder mysteriös verschnörkelten Irrgärten – die sich in Wirklichkeit als uralte Tanzanleitungen aus der Luftperspektive offenbarten.

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In einer vergnüglichen One-Man-Show erweckte Piehlmayer dabei nicht nur alte Tanzformen wie Gaillarde, Pavane oder den majestätischen Schreittanz Basse Danse zu neuem Leben, sondern gab auch immer wieder nette Anekdoten aus den vergangenen Tagen der Forscher und Fürsten zum Besten.

Ganz nebenbei kam zudem ans Tageslicht, weshalb aus dieser Zeitepoche so wenige Aufzeichnungen zu finden sind oder was man damals auf einer italienischen „Benimmschule“ zu lernen hatte. Doch eine Veranstaltung über anmutige Renaissancetänze wäre wohl kaum vollständig, wenn dieselbigen nicht in gebührender Weise den Gästen vor Augen geführt worden wären: So demonstrierten die Mitwirkenden des Vereins Augsburger Geschlechtertanz zum Abschluss des Abends in wallenden Gewändern die einzelnen Spielformen der Schreittänze, die unter den funkelnden Kronleuchtern und goldenen Bilderrahmen des Schaezlerpalais schließlich eine ganz besondere Wirkung erzielten. Ein meisterhafter Referent, eine mitreißende Darstellung einer ereignisreichen Epoche und nicht zuletzt eine erhabene Atmosphäre mitten im Herzen der Stadt – so erstrahlt Kulturgeschichte einfach in einem völlig anderen Glanz.

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