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Riesending-Höhle

11.06.2014

Höhlen-Drama: Chirurg will notfalls in 1000 Metern Tiefe operieren

Ein Höhlenretter seilt sich in rund 1800 Metern Höhe am Eingang der Riesending-Schachthöhle am Untersberg (Bayern) ab. Die Rettungsaktion in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden ist am Mittwoch ins Stocken geraten.
Bild: Markus Leitner, BRK BGL/dpa

Bis zum Abend wollen zwei Ärzte bei dem Verunglückten in 1000 Metern Tiefe angekommen sein. Es scheint wohl festzustehen, wie schlimm der Höhlenforscher verletzt ist.

Nach dem Unglück in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden kämpfen sich nun zwei Mediziner zu dem verletzten Höhlenforscher Johann Westhauser in 1000 Metern Tiefe vor. "Es sind jetzt zwei Ärzte unterwegs zu dem Verletzten", sagte ein Bergwachtsprecher am Mittwochmittag. "Wir gehen davon aus, dass sie irgendwann so etwa in acht Stunden unten sind."

Wie auf der Pressekonferenz am Mittwochnachmittag bekannt wurde, hat der Höhlenforscher ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Wie unsere Kollegin Jessica Gsell von der Pressekonferenz berichtet, wird die Verletzung mit der von Michael Schumacher verglichen - allerdings nicht so schlimm. Neurochirurg Michael Petermeyer sagte, er wolle selbst hinabsteigen wenn alle Stricke reißen, und den verletzten Westhauser operieren.

Retter und Arzt müssen Pause einlegen

Doch bislang versuchen die Retter, den 52-Jährigen aus den Tiefen hervorzuholen. Ein österreichischer Arzt, der mit drei Schweizer Höhlenrettern am Dienstag eingestiegen war, hatte am Mittwoch im Biwak drei auf halber Strecke eine Pause eingelegt. "Die Höhle ist extrem schwierig. Deshalb ist es wichtig, an Biwaks Pausen zu machen", sagte der Bergwachtsprecher. "Man darf sich nicht verausgaben, sonst steigt das Risiko, dass man sich selbst verletzt. Da ist keinem geholfen."

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Eine italienische Gruppe mit einem weiteren Arzt war später in die Höhle eingestiegen und schloss bei Biwak 3 auf. Nun seien beide Teams mit den Ärzten gemeinsam unterwegs.

Der 52 Jahre alte Verletzte harrt seit Sonntag in der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands aus. Die Höhle sei extrem schwierig. "Für mich ist das die absolute Ausnahme, wenn da einer runterkommt", sagte der stellvertretende Chef der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider. Die ärztliche Untersuchung des Forschers nannte er einen "Meilenstein" im Verlauf der Rettungsarbeiten. Nach der Untersuchung sei möglicherweise klarer, wann und wie der Aufstieg mit dem Verletzten in Angriff genommen werden könne.

Zunächst hatten die Helfer gehofft, dass ein Mediziner den Verletzten, der derzeit von einem Schweizer Team betreut wird, am Mittwochmorgen erreichen könnte. Westhauser, der zu den extremsten Höhlenforschern Deutschlands zählt, hatte die Höhle mitentdeckt und erforscht sie mit seinen Kollegen seit Jahren. Er war mit zwei anderen Forschern von einem Steinschlag überrascht und von einem Brocken am Kopf getroffen worden. Sein Zustand sei aber stabil, sagte Schneider. Er soll ansprechbar sein und mit Hilfe stehen können.

Eine Karte der Bergwacht zeigt einen Schnitt der der Riesending-Schachthöhle am Untersberg. Die Rettungsaktion in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden ist am Mittwoch ins Stocken geraten.
Bild: Markus Leitner BRK BGL/dpa

Für den Aufstieg ist es nötig, dass Westhauser mithelfen kann - etwa gibt es eine Engstelle, die nur passierbar ist, wenn man den Kopf schräg legt und den Bauch einzieht. Unter anderem mit Hilfe von Flaschenzügen könnte er über senkrechte Stellen gebracht werden. Ob das sitzend oder in einem Bergesack möglich sein wird, ist offen. Ebenso unklar ist, wie er geborgen werden soll, falls er nicht aus eigener Kraft etwas tun kann.

Metallstifte in Felswände bohren

Weitere Gruppen der international zusammengezogenen Höhlenretter sind in dem Gangsystem unterwegs, um zusätzliche Sicherungen anzubringen. "Wir haben jetzt Teams drin, die die Strecke technisch ausrüsten", sagte Schneider. Unter anderem sind zwei italienische Teams dabei, an schwierigen Stellen Metallstifte in die glitschigen Felswände zu bohren und die Stellen mit zusätzlichen Seilen zu sichern. Teils hätten Seile auch ausgetauscht werden müssen, weil sie verschlissen waren.

Die Rettungsaktion verlangt allen Helfern das Äußerste ab. Diejenigen, die aus der Höhle kommen, werden laut Schneider auch psychologisch betreut. "Sie sind unglaublich erschöpft  und mental stark belastet." Allein die Dunkelheit und Tiefe sei eine Extrembelastung, der nur die Besten standhalten.

Auf den schwer verletzten Höhlenforscher kommt eine weitere große Herausforderung zu, wie unsere Kollegin Jessica Gsell von vor Ort berichtet. Der Verletzte müsse soweit stabil sein, dass er aus eigener Kraft klettern kann. Denn offenbar gibt es in dem Höhlensystem zwei Stellen, an denen man nur alleine hindurch kommt. Dabei kann niemand helfen.

Problematisch und nicht ungefährlich für die Retter ist auch das unwegsame Gelände. Ein Hubschrauber kann dort nicht landen. Die Rettungskräfte müssen alle vom Helikopter aus abgeseilt werden. dpa/AZ

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