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Archäologischer Park Cambodunum

27.09.2012

Kempten feiert seine Geschichte als eine der älteste Siedlungen Deutschlands

Wenn der Archäologische Park Cambodunum am Wochenende sein 25-jähriges Bestehen feiert, werden auch wieder Legionäre mit römischen Rüstungen erwartet.
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Wenn der Archäologische Park Cambodunum am Wochenende sein 25-jähriges Bestehen feiert, werden auch wieder Legionäre mit römischen Rüstungen erwartet.
Bild: Ralf Lienert

Vor 25 Jahren begann die Geschichte des Archäologischen Parks Cambodunum mit Ausgrabungen an einem Tempelbezirk. Heute ist der Park zu einem Erlebnismuseum geworden.

„Halt, stehen bleiben!“ Der Befehl ist laut, schrill, bedrohlich. Und weil man nicht nur in die beiden funkelnden Augen des Mannes blickt, sondern auch auf dessen Helm, die Rüstung und ein massives Schwert, das Gott sei Dank noch in der Scheide steckt, legt sich dem erschrockenen Gast des Archäologischen Parks Cambodunum (APC) in Kempten ein Schauer über den Rücken und er stellt sich die Frage: Spinnen die denn, die Kemptener?

Die Antwort könnte in etwa so lauten: Wenn die Kemptener ihre Geschichte nachspielen und eintauchen in jene Zeit, als die Römer dort eine Siedlung errichteten, dann sind sie mit Herzblut bei der Sache. Dann lassen sie sogar furchterregende Legionäre aufmarschieren und sind Römer, inklusive der Erlaubnis, auch ein bisschen zu spinnen. So wie am Wochenende, wenn der 25. Geburtstag des Parks gefeiert wird.#

Von der keltischen Ursiedlung fehlt jede Spur

Auf ihre Geschichte sind sie stolz in Kempten. Immerhin zähle die Stadt zu den ältesten in Deutschland, heißt es im Werbeprospekt. Das ließe sich sogar noch forscher formulieren. Denn Kempten besitzt tatsächlich das älteste schriftliche Zeugnis einer deutschen Stadt. In den Aufzeichnungen eines griechischen Geografen findet sich die Stadt „Kambodunum“ der keltischen Estionen wieder. Einziges Manko: Bis heute fehlt noch eine konkrete Spur dieser Siedlung.

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Nachgewiesen hingegen wurde das römische Cambodunum – nun mit „C“ geschrieben, eine in Stein erbaute Römersiedlung, entstanden im zweiten Jahrzehnt nach Christus. Mit einer klaren Struktur, die in dieser Form einzigartig ist. Das ist für eine Stadt, alleine aus touristischer Sicht, wie ein Sechser im Lotto. Damit lassen sich Massen locken – und Kapazitäten auf dem Gebiet der Archäologie. Etwa Gerhard Weber.

Geschichte des archäologschen Parks begann mit Ausgrabungen an einem Tempelbezirk

Ein Rückblick: Anfang der 80er Jahre ist Gerhard Weber beim Deutschen Archäologischen Institut Berlin angestellt. Eine interessante Tätigkeit, doch eines Tages im Jahre 1983 kommt eine noch interessantere Anfrage aus Kempten. Dort soll mit Grabungen im ehemaligen Tempelbezirk begonnen werden, am besten unter seiner Leitung. Weber überlegt nicht lange und sagt zu. Er kündigt beim bisherigen Arbeitgeber in Berlin und macht sich auf den Weg ins Allgäu.

Dort gibt es nach kurzer Zeit eine Ernüchterung. „Vom ehemaligen Tempelbezirk war nicht so viel übrig geblieben, wie ich mir das zunächst erhofft hatte“, erinnert sich Weber. Doch diese Überraschung sieht er nach dem ersten Durchschnaufen als Chance: „So mussten wir vieles rekonstruieren. Das hat uns durchaus motiviert.“ Weber und Co. schaufeln, schuften, rackern – und genießen im Oktober 1987 einen großen Moment: die Eröffnung des teilrekonstruierten Gallorömischen Tempelbezirks. Die Geburt des archäologischen Parks.

Heute ist aus der Ausgrabungsstelle ein Erlebnismuseum geworden

Heute ist er zu einem erlebnisreichen Museum gewachsen, der mithilfe von Führungen und Aktionen nicht nur Kinder und Jugendliche in den Bann zieht, wie an diesem Nachmittag. In den Kleinen Thermen, einem Schutzbau, der 1995 erstmals die Türen öffnete, kommen die Schüler ins Staunen. Sie entdecken Spuren raffiniert angelegter Badeanlagen oder einer öffentlichen Latrine, die, heute unvorstellbar, auch folgendem Zweck diente: Sich mit dem Nebenmann über die Neuigkeiten der letzten Tage zu unterhalten. „Echt krass“, sagt einer der Jugendlichen, „die waren ja damals richtig heiß drauf.“ Apropos heiß drauf: Wenige Minuten später erfahren die Schüler, dass es Anfang des 2. Jahrhunderts im Bereich der Kleinen Thermen sogar so etwas wie eine Bodenheizung gegeben hat. Dass die Römer mitunter spinnen, mag keiner der Buben und Mädchen mehr behaupten.

Gerhard Weber, 62 und Kulturamtsleiter, ist noch immer in Kempten. Schließlich gibt es auch künftig einiges zu tun. Ein Masterplan legt fest, was vorangebracht werden soll an dieser antiken Stätte. Illumination, Schautafeln, Nachbildung der Augustusstatue von Primaporta in Kempten, Konzerte und Lesungen in den Thermen, Bau eines Römerspielplatzes: Alles Ideen, den Park für die Bevölkerung attraktiv zu gestalten. Ach ja: Neuerdings können sich sogar Verliebte in den Kleinen Thermen das Jawort geben. Die erste Trauung hat es an diesem Platz der Ewigkeit bereits gegeben.

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