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Bayreuther Festspiele 2016

22.07.2016

Zieht sich Festivalleiterin Katharina Wagner zurück?

Bayreuther Festspiele: Katharina Wagner repräsentiert derzeit den Grünen Hügel. Sie zeigt sich jedoch selten in der Öffentlichkeit.
Bild: Maurizio Gambarini/dpa (Archiv)

Ihre blonde Mähne hat sich eingeprägt: Gerade zu Anfang ist Katharina Wagner auf dem Grünen Hügel sehr präsent gewesen. Jetzt klagen einige: Sie sei kaum noch zu sehen.

Wolfgang Wagner posierte und repräsentierte - er war das Gesicht der weltberühmten Bayreuther Festspiele. Derzeit aber fehlt dem Opernhaus ein Wagner-Antlitz. Denn Tochter Katharina, die künstlerische Leiterin, tritt öffentlich nicht auf. Der Grüne Hügel erscheint wie eine Institution ohne Ikone - sie selbst wehrt sich.

"Es gibt keine Leitung", sagt einer, der die Wagner-Familie und die Bayreuth-Szene gut kennt und deshalb - versteht sich - seinen Namen nicht in den Medien sehen will. "Katharina Wagner", sagt er, "taucht völlig ab." Natürlich ist die 38-Jährige nicht ganz weg. Sie inszeniert "Tristan und Isolde", insofern ist sie da. Nur sichtbar ist sie nicht. Als Festspielleiterin - könnte man meinen - gilt sie als Repräsentantin des Opern-Festivals in Deutschland schlechthin. 

Doch sie präsentiert sich kaum mehr, und somit scheint es mit der Repräsentation auch nicht weit her. Blonde Mähne statt grauer Haube ihres Vaters, Fotos im Stil einer Kosmetikwerbung - so zeigt sich Katharina Wagner, nachdem sie 2008 mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier (71) die Nachfolge ihres Vaters angetreten hat. Dann, drei Jahre später, schrieben die Medien über ihre neue, schlanke Figur, und auf dem Staatsempfang zu den Festspielen 2012 feiert sie im Arm von Christian Thielemann. Danach werden die Glamour-Bilder weniger. Aktuelle Fotos von ihr gibt es nicht, schon länger nicht. 

Festspiele in Bayreuth: Katharina Wagner verteidigt ihren angeblichen Rückzug

Vor zwei Jahren noch war die heute 38-Jährige vereinzelt zu sehen, nicht groß geschminkt, ohne große Gesten. Nach der gefeierten Premiere ihrer "Tristan und Isolde"-Inszenierung im vergangenen Jahr kam sie nur so kurz vor den Vorhang, dass sie dem Blick der meisten entgangen sein dürfte. Dabei fielen die Reaktionen für ihre düstere Interpretation der tragischen Liebesgeschichte durchaus positiv aus - ganz anders als noch bei ihrer sehr umstrittenen ersten Bayreuther Regie-Arbeit "Die Meistersinger von Nürnberg" im Jahr 2007, als sie Uropa Richard mit riesigem Blubberkopf zeigte.

In dieser Saison ist Katharina Wagner noch nicht in Erscheinung getreten. Heute, sagt sie selbst, "kollidieren Arbeits- mit Repräsentationsinteressen". Sie moderiert die Kino-Übertragung der Wagner-Opern und könne nicht zeitgleich Gäste begrüßen. Die Rollen, die ihres Vaters und ihre eigene, seien nicht mehr vergleichbar. Spekulationen über einen Rückzug aus dem öffentlichen Augenmerk sind für sie damit erledigt. Dabei ist sie tatsächlich mächtiger als je zuvor. Seit dem Abschied ihrer Halbschwester im vergangenen Jahr ist Katharina alleinige Vertreterin des Wagner-Clans im Festspielhaus.

Alleinige Geschäftsführerin ist sie allerdings nicht. Zusammen mit ihr steht ein Neuer an der Spitze, Holger von Berg - er ist seit April dieses Jahres für das Kaufmännische zuständig. Nicht für die Kunst also - das, wofür Bayreuth in den Augen der Wagner-Fans steht. "Oper definiert sich über das, was auf der Bühne und aus dem Graben kommt. Das ist das Zentrale", sagt von Berg der Deutschen Presse-Agentur. "Dafür bin ich nicht zuständig." Er werde in seinem Aufgabenbereich Vorschläge machen. Eine klare Vision für die Zukunft der Festspiele - als tragfähige Einrichtung - ist bisher nicht aufgefallen. "Dafür ist aber doch eine künstlerische Vision notwendig", sagt der geschäftsführende Direktor von Berg. "Das wäre mit Professor Katharina Wagner zu besprechen." 

Für die Außenwirkung der Festspiele spielen Persönlichkeiten eine wichtige Rolle, nicht anders als etwa bei einem Bundespräsidenten. Den übrigens - Joachim Gauck - begrüßen Katharina und Eva Wagner-Pasquier nicht vor dem Portal, als er 2013 zum Festspielauftakt kommt. Für Wolfgang Wagner hatte es dazu gehört, als Festspielchef am Eröffnungstag die Prominenz zu begrüßen und für die Fotografen zu lächeln, mit seiner Frau - und Tochter Katharina. 

"Man kann Dinge immer anders und besser machen", sagt dazu von Berg. "Jeder muss die Entscheidung für sich treffen, was er inhaltlich entscheidet, wie er nach außen auftritt." Er sei sicher, Katharina Wagner würde das eine oder andere anders machen als er. "Und ich bin auch der Ansicht, dass sie vielleicht Dinge anders machen sollte." Das kläre er aber nicht mit der Öffentlichkeit, sondern mit ihr. 

Nach Wolfgang Wagners Tod: Ursprünglich Katharinas Cousine als Nachfolgerin gedacht

Doch neben von Berg und Katharina Wagner gibt es noch jemanden: Musikdirektor Christian Thielemann. Der Vertrag des Star-Dirigenten, seit vergangenem Sommer im Amt, läuft bis 2020, wie der von Katharina. Die machte zwar prompt klar, dass Thielemann nicht zur Leitung gehören würde. "Thielemann ist Neben-Intendant", sagt dazu aber der Wagner-Kenner, der anonym bleiben möchte. "Er soll Glanz und Kompetenz verleihen."

Dass sich Katharina Wagner bei einem Medienempfang am Tag vor dem Auftakt im vergangenen Jahr entschuldigen ließ und nur der damalige  kaufmännische Chef Sense sprach, verstärkte bei vielen jedenfalls den Eindruck, die Leiterin ziehe sich zurück aus der Öffentlichkeit.

Wolfgang Wagner starb 2010. "Er war natürlich eine Ikone", sagt von Berg. Einige Experten waren der Meinung, Nike Wagner - Katharinas 33 Jahre ältere Cousine - wäre unter allen Nachfahren die beste Wahl gewesen, um das weltberühmte Festival fit für die Zukunft zu machen. Doch daraus wurde nichts. Der Wolfgang-Stamm hat sich durchgesetzt. "Bayreuth hat ja", bemerkt von Berg, "einen sehr langen time lag, bis sich etwas verändern kann." Insofern sind die kommenden vier Jahre eine Chance, auch für Katharina Wagner. dpa/lby

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