Newsticker
RKI-Chef Lothar Wieler: "Wir müssen jetzt handeln"
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Die Geschichte der Mühlstraße

Straßennamen

13.01.2020

Die Geschichte der Mühlstraße

Von der Bildsäule in der Dorfmitte geht es in die Mühlstraße.
2 Bilder
Von der Bildsäule in der Dorfmitte geht es in die Mühlstraße.
Foto: Schiedl

An der Egau in Schretzheim gab es jahrhundertelang Mühlen. Heute ist von ihnen nur noch wenig zu sehen. Doch eine wird nach wie vor genutzt

In Schretzheims Dorfmitte bei der Bildsäule von 1719 zweigt eine nur wenige hundert Meter lange Straße von der Hauptstraße ab: die Mühlstraße. An deren Ende an der Egau stehen noch heute die Gebäude der einstigen Mahlmühle. Nur ist es natürlicherweise mit der Mühlenromantik und solchen nostalgischen Liedern, wie „In einem kühlen Grunde, da geht ein Mühlenrad“ oder „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ längst vorbei. Und statt des Mühlrades ist heute eine Turbine zur Stromgewinnung eingebaut, die hat einen besseren Wirkungsgrad, wie vom Besitzer Franz Stetter zu erfahren ist. Die Turbine leistet ihren Beitrag zur umweltfreundlichen Energiegewinnung.

Die Zeit der Mühlen begann, als die Menschen sesshaft wurden und ihr Jägerdasein aufgaben. Der Übergang zum Ackerbau ist die Geburtsstunde der Mühlen. Das Wasserrad der „Stetter’schen“ Mühle, war ein sogenanntes „unterschlächtiges“ Wasserrad. Das Wasser der Egau trieb das Rad von unten an und gab seine Energie über die Welle an die Transmission im Innern der Gebäude weiter.

Die Bezeichnung „Mühle“ klingt übrigens im ganzen europäischen Sprachraum ähnlich. Altnordisch hieß sie „Mylna“, althochdeutsch „Mulin“. Auf Französisch „Moulin“, auf Griechisch „Mylos“, auf Spätlateinisch „Müle“, auf Englisch „Mill“ und auf Dänisch „Mölle“.

So findet man im Ortsnamenbuch aus dem Jahre 1455 für Schretzheim (es gab damals zwei Mühlen) die Obermulin und die Niedermulin, wie in der Schretzheimer Chronik nachzulesen ist. Nach dem alten Grundrecht gehörte auch das Wasser, das durch das Grundstück floss, dessen Besitzer. Die Energie dieses Stromes konnte für Mühlen verwendet werden.

Könige, Herzöge, Grafen, Rittergutsbesitzer, Städte und Klöster waren ursprünglich die Besitzer. Als nach der Reformation die Klöster aufgehoben und von den Fürsten eingezogen wurden, gerieten dadurch auch die Mühlen in deren Besitz. In Schretzheim konnten diese damals nur mit Genehmigung des Grundherrn, nämlich des Hochstiftes Augsburg, errichtet werden. Vom Hochstift existiert eine Mühlenordnung aus dem Jahre 1563. Sie wurde immer wieder ergänzt und neu gefasst, zuletzt 1872.

Die Geschichte der „Stetter’schen“ Mühle geht urkundlich belegt auf das Jahr 1316 zurück. Im Laufe der vergangenen sieben Jahrhunderte, von 1316 bis heute, hatten natürlich auch die zwei Schretzheimer Mühlen eine wechselvolle Geschichte und logischerweise immer wieder neue Besitzer.

Der Name Stetter taucht mit Franz Stetter, geboren in Echenbrunn, 1856 zum ersten Mal in der langen Besitzerfolge auf. In den 1920er-Jahren begann das große Mühlensterben, die Zahl der Mühlen wurde drastisch reduziert, modernisiert und für die Stromgewinnung umgebaut.

Früher waren entlang der Bäche oft 20 bis 30 Mühlen keine Seltenheit, so auch an der Egau. Geblieben ist die nostalgische Erinnerung an die alten Mühlen mit ihren klappernden Rädern, wie man an den zahlreichen Bildbänden in den Buchhandlungen sehen kann.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren