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Lauingen/Höchstädt

14.08.2019

Die Marias liegen total im Trend

Mutter und Tochter heißen beide Maria Zehentmeier, was eine tiefe Bedeutung für die Familie hat. Auf dem Bild sind die beiden Frauen vor der Uspenski-Kathedrale in Helsinki zu sehen.
Bild: Michael Zehentmeier

Eine Lauinger Familie ist voller Marias. Und in einer Donaustadt ist der Name ein echter Renner.

„Es ist zwar ein sehr alter, aber schöner Name“, sagt Maria Zehentmeier aus Lauingen und erinnert sich sofort an die Geschichte, wie es zu ihrem Vornamen kam. Die Lehrerin hat den Namen Maria von ihrer Großmutter übernommen, was von großer Bedeutung für die Familie ist. Ihre Großmutter hatte ein kinderreiches und schönes Leben, allerdings ist sie sehr früh verstorben und hat auch einen Sohn verloren. Aus diesem Grund hatte sich die Mutter der 59-Jährigen dazu entschlossen, ihrer Tochter den Namen zu geben. Die wiederum erzählt, dass es früher kein Trendname war. Deshalb hat sie sich schon manchmal überlegt, wie es mit einem anderen Namen wäre. „Mit 14 hätte ich gerne anders geheißen, Jenny oder so.“ Aber heute ist sie zufrieden. „Je älter ich werde, desto glücklicher bin ich mit meinem Namen.“

Oma, Mutter und Tochter haben den gleichen Vornamen

Nicht nur aus diesen Gründen hat auch sie ihre Tochter auf den Namen Maria getauft. „Ich habe den Namen bewusst meiner Tochter gegeben“, erklärt Zehentmeier. Sie wollte ihrer 23-jährigen Tochter den bedeutsamen Familiennamen übertragen, aber vor allem soll ihr Kind Maria unter dem Schutz der Mutter Gottes stehen. Die 59-Jährige wünscht ihrer Tochter nur das Beste für ihr Leben. Ihr soll nicht dasselbe wie der Oma passieren. Vor derartigen Schicksalsschlägen soll die Mutter Gottes die 23-Jährige bewahren. An Mariä Himmelfahrt, was zugleich der Namenstag der beiden Frauen ist, wird die Familie den Gottesdienst besuchen und Kräuterbuschen binden. „Vielleicht machen wir zusammen einen Ausflug an dem Feiertag“, sagt Zehentmeier.

Ein Dillinger ist stolz auf seinen zweiten Vornamen Maria

Nicht nur Frauen tragen den Namen Maria, auch manche Männer heißen mit Zweitnamen so. Gerhard Maria Tiefenbacher ist stolz auf seinen Namen. „Ich habe den Namen wohl wegen meiner marienverehrenden Familie“, sagt der Rentner. Der Dillinger erinnert sich, dass seine Mutter und sein Vater die heilige Maria anbeteten und zuhause sogar eine Marienstatue hatten. „Auch ich selbst verehre Maria“, sagt der 65-Jährige. Tiefenbacher ist sich sicher, dass er diese starke Verbindung zur Mutter Gottes von seinen Eltern mitbekommen hat. Seine Tochter hat er ebenfalls mit Drittnamen auf den Namen Maria getauft und wollte ihr so die enge Verbindung der Familie zu der Mutter Gottes weitergeben. An Mariä Himmelfahrt geht der ehemalige Kämmerer der Stadt Gundelfingen in den Festgottesdienst und nimmt an den Marienprozessionen teil. Tiefenbacher betont: „Das ist mir persönlich sehr wichtig. Es ist ein katholisches Hochfest und soll dementsprechend geehrt werden. Da gehe ich in die Kirche.“

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Der Höchstädter Stadtpfarrer sieht einen Trend

Stadtpfarrer Daniel Ertl sieht einen deutlichen Trend beim Namen Maria: „Bei Jungs hört man den Namen inzwischen sehr selten, aber Mädchen werden noch oft auf den Namen getauft.“ Häufig wird der Name Maria laut dem Höch-städter Stadtpfarrer als Zweitname gegeben. Allein dieses Jahr waren es in der Gemeinde schon 17 Mädchen, die auf Maria oder Marie in einer Namenskombination getauft wurden. „Es ist der große Renner“, sagt Ertl. Er kann sich denken, dass die Eltern den Namen auswählen, weil er gut klingt und gerade vor allem kurze Namen im Trend sind. „Einige haben noch einen Bezug zu Gottes Mutter Maria“, erklärt der Höchstädter Stadtpfarrer. „Viele zünden Kerzen am Marienaltar an und bringen ihre Probleme vor, auch wenn sie nicht mehr regelmäßig die Gottesdienste besuchen.“ Für Ertl ist klar, dass besonders die Nähe zu der Mutter Gottes die Eltern dazu bringt, ihr Kind Maria zu nennen. „Maria hat so was mütterliches“, sagt der Stadtpfarrer. So seien die Gläubigen mit der Mutter Gottes tiefer verbunden, als mit Gott oder Jesus selbst. Maria gibt den Gläubigen Hoffnung. Genau wie die Christen war Maria ein normaler Mensch und wurde von Gott durch sein Erbarmen in den Himmel aufgenommen. „Das gibt Hoffnung für die Menschen“, erklärt Ertl.

Der Tag wird in Höchstädt besonders gefeiert

Aber nicht nur aus diesem Grund ist an Mariä Himmelfahrt, wie der Stadtpfarrer berichtet, der Gottesdienst stets gut besucht. „Es ist ja das vierthöchste Fest nach Weihnachten, Ostern und Pfingsten.“ Zugleich feiert Höchstädt an diesem Tag das Patrozinium der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Es lockt zahlreiche Christen in den Gottesdienst der Höchstädter Stadtpfarrkirche. Ertl ist stolz: „Da kann ich nicht klagen.“

Der Beobachtung von Stadtpfarrer Ertl kann sich Karla Gerlesberger, eine Wertinger Hebamme, nur teilweise anschließen. „Der Name Maria wird sehr häufig vergeben“, meint Gerlesberger. Für viele sei er allerdings weniger mit einer Bedeutung ausgestattet als ein klassischer Vorname. „Ganz lange Zeit war vor allem die Form Marie beliebt“, ergänzt die Hebamme aus Wertingen. Das sei wieder rückläufig.

Bei den Schwestern ist der Name Maria üblich

Bei den Franziskanerinnen ist es üblich, dass sie neben ihren auserwählten Namen, Maria heißen. Schwester Clara Mende vom Kloster Maria Medingen erklärt, dass Franziskus die Mutter Gottes verehrt hat. Deshalb haben die Schwestern eigentlich einen Doppelnamen. „Eigentlich heiße ich Schwester Maria Clara“, sagt die gläubige Christin. Bei jedem Gebet bitten die Schwestern Maria Mutter Gottes um Fürsprache und sehen sie als die Vermittlerin Gottes an. An Mariä Himmelfahrt feiern die Klosterfrauen einen festlichen Gottesdienst und weihen ihre eigens gebundenen Kräuterbuschen. (mit mets)

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