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Konzert

18.02.2015

Facettenreiche Tonmalerei

Der Schweizer Meisterorganist Jean-Christophe Geiser aus Lausanne faszinierte durch seine außergewöhnliche Spielkunst an der Sandtner-Orgel.
Bild: Walter

Jean-Christophe Geiser eröffnete grandios die diesjährigen Dillinger Basilikaveranstaltungen

Als die akkordischen Stundenschläge des Big-Ben-Motivs im „Glockenspiel von Westminster“ (Louis Vierne) verklungen waren, endete am vergangenen Sonntagnachmittag ein großartiges Orgelkonzert. Die 60 Besucher hatten eine Stunde mit hochkarätigen Werken französischer Komponisten aus den Jahren 1895, 1913 und 1927 erlebt, die der Lausanner Professor Jean-Christophe Geiser exemplarisch vorführte.

Schon vor sechs Jahren hatte der Schweizer Virtuose durch seine fundierte, immens spieltechnische Meisterschaft brilliert. Jetzt präsentierte er als Hauptwerk die halbstündige „Gotische Sinfonie“ op. 70 von Charles-Marie Widor. „Aus der Komposition lässt sich eine mystische Vision des gotischen Kathedralraumes ablesen“, erklärte Axel Flierl in seiner Anmoderation. Durch Geisers Interpretation entstand tatsächlich der Eindruck, dass mit der Musik die Großräumigkeit einer gotischen Kathedrale nachempfunden werden kann. Wie in der Architektur der Gotik verbindet sich in Widors Werk der „kühne Schwung der Vertikalen mit der Illusion der Schwerelosigkeit“. So auch in einer Barockkirche vom majestätischen Ausmaß der Basilika, die mit ihrem Nachhall dafür prädestiniert ist.

Geiser nutzte die hervorragenden Gegebenheiten der Sandtner-Orgel zu einer umfassenden Werkdeutung. Die dunkle, gewaltige Größe des Moderato-Satzes, die melodische Eleganz des Andante und des Pedal-Cantus-Firmus im gregorianischen Weihnachtsintroitus gelangen dem international gefragten Orgelkünstler auf eindrucksvolle Weise. Die fünf Abschnitte des Variationssatzes mit geraden und ungeraden Taktarten, verschiedenen Tonarten, den homofonen und polyfonen Satzweisen bestätigten den Anspruch Widors, dass das Spiel „unsere Seele ins Unendliche wegträgt“.

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Ebenfalls 1895 entstanden Léon Boëllmanns „Gotische Suite“. Geiser imponierte mit dem monumentalen Choral in der Introduktion, dem ein tänzerisch schwereloses Menuett folgte, ehe das „Gebet in Notre-Dame“ als melodiebetonter, fein registrierter wiegender 6/4-Takt erklang.

In der abschließenden Toccata erzielte Geiser mit der Öffnung des Schwellwerks und einer stupenden Pedaltechnik eine außergewöhnliche Wirkung. Louis Viernes „Carillons“ op. 31 und op. 54 bildeten die erwartete virtuose stilistische und formale Geschlossenheit. Große Begeisterung der überwältigten Zuhörer.

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