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Märchen

20.12.2019

Fällt bei den Wichteln etwa Weihnachten aus?

Verzweifelt steht Fritz vor der Bescherung: Christbaum geschmückt, Geschenke bereit – aber Friedas Flöte ist kaputt. Alle Bilder für dieses Märchen stammen von Schülern der dritten Klasse der Aschbergschule in Weisingen. Dieses Bild hier ist von Tim.

Zwei Tage vor dem großen Fest passiert der kleinen Frieda hoch oben bei der Römerschanze bei Aislingen ein Unglück.

Jeden Abend erzählt das Sandmännchen eine kleine Geschichte. Zum Schluss greift es in sein Säckchen und streut Schlafsand. Dann schlafen alle Kinder selig ein. Vor 60 Jahren wurde das Sandmännchen zum ersten Mal im Fernsehen ausgestrahlt. Zum Jubiläum erzählen wir auch kleine Gute-Nacht-Geschichten aus der Region. Zum Vorlesen, zum selber Lesen, zum Einschlafen.

Ganz fest hält Fritz seine Schwester Frieda im Arm. Die weint bitterlich. „Das wird schon wieder“, sagt Fritz und streicht seiner Schwester liebevoll über den Rücken. Frieda schüttelt es, sie schluchzt ganz laut und die Schulter von Fritz ist schon ganz nass von ihren Tränen.

Fritz und Frieda sind zwei Wichtelchen. Sie wohnen in der Nähe der Römerschanze bei Aislingen. Hoch oben im Wald, in der Nähe der Sebastianskapelle. Ausgerechnet jetzt, zwei Tage vor Weihnachten, ist Frieda etwas ganz Blödes passiert.

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Das kleine Wichtelmädchen liebt den Advent. Stundenlang spielt Frieda auf ihrer winzigkleinen Flöte. Jedes Jahr lernt sie ein neues Lied dazu. „O du Fröhliche“, dann „Stille Nacht, heilige Nacht“, dann „Ihr Kinderlein kommet“. Dieses Jahr hat sie ganz fleißig „Kommet ihr Hirten“ geübt. Das war ein hartes Stück Arbeit. Frieda hat ganz warme Finger beim Spielen bekommen. Und plötzlich ist ihr das Instrument aus der Hand gefallen. Weil die Flöte so zart war, ist sie zerbrochen. Frieda ist völlig verzweifelt.

Die Flöte hatte Fritz vor vielen Jahren geschnitzt. Er selbst spielt kein Instrument. So begeistert von der Überei seiner Schwester war er auch nie. Aber an Weihnachten war es schon immer schön, wenn sie zur Flöte griff und mit ihrer Musik unter dem kleinen Weihnachtsbaum für eine besinnliche Stimmung sorgte. Doch für eine neue Flöte fehlt jetzt die Zeit.

Während Frieda völlig erschöpft in ihr kleines Moosbett gerutscht ist und sich im Schlaf unruhig hin- und herdreht, denkt der Wichtelmann angestrengt nach. Wo kommt jetzt die Musik an Heiligabend her? Er hatte daran gedacht, die Tiere im Wald zu fragen. Aber das erscheint ihm aussichtslos. „Die eine Hälfte hält Winterschlaf, die andere kann nix“, denkt er missmutig. Oder hast du schon mal ein Reh Klavier spielen sehen? Eben. Fritz ist frustriert. Und schlafen kann er auch nicht. Also stapft er in völliger Dunkelheit durch die eiskalte klare Nacht. Zwischen den schwarzen Baumwipfeln leuchtet ab und zu ein Stern auf. Auch den Mond sieht Fritz. Aber keine Lösung.

Da hört er plötzlich ein Geräusch. „Uhu, uhu, uhu“, ruft jemand vom Baum herab. „Ach, Uhu, du bist’s“, ruft Fritz und wundert sich mal wieder, warum nicht jedes Tier heißt, wie es klingt. Wäre doch viel einfacher. Außer vielleicht bei Hasen. Die sagen ja nix. „Was machst du bei dieser eisigen Kälte hier draußen?“, fragt der Uhu den Wichtel und schwebt wie ein gewaltiger schwarzer Schatten zu ihm herab auf den Boden.

Verzweifelt fragt Fritz eine Eule um Rat. Was wird das für ein Weihnachtsfest ohne Musik?

Der Vogel ist riesengroß, viel, viel größer als der Wichtel. Mit einem Happs könnte er das Männchen verspeisen. Tut er aber natürlich nicht. Im Gegenteil, er möchte helfen.

Fritz schildert ihm verzweifelt sein Problem. Immer wieder schüttelt er dabei den Kopf und seine spitze rote Mütze rutscht ihm immer tiefer ins Gesicht. „Es ist zum Verzweifeln“, ruft der kleine Wichtel. Aber der Uhu hat eine Idee. „Gib mir mal eine Nacht zum Grübeln“, sagt er. Dann fliegt er in die Dunkelheit hinaus. Fritz schlappt hundemüde heim ins Bett. Erschöpft schläft er ein. Am nächsten Tag sind die beiden Wichtel so mit Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt, dass die Frage nach der Musik gar nicht auftaucht. Fritz schleppt einen gewaltigen Christbaum nach Hause, Frieda macht die Wohnung sauber, verpackt Geschenke und schmückt das Bäumchen. Als es dunkel wird, fällt sie ins Bettchen und schläft ein. Fritz aber läuft in den Wald und sucht den Uhu. „Hast du eine Lösung?“, ruft er ihm schon flehentlich entgegen. „Naja“, sagt der Uhu. „Oha“, antwortet Fritz, „das klingt nicht gut.“ „Also es ist so“, fährt der Uhu fort, „ich habe ein Orchester gefunden. Ein ganzes großes Orchester. Aber uns reicht die Zeit zum Üben nicht. Das heißt, wir können schon spielen, nur ob das so gut klingt ...“ „Ein ganzes Orchester?“, flüstert der Wichtel beeindruckt. „Echt?“ „Ja“, sagt der Uhu. „Aber verrate Frieda besser nichts davon. Lasst Euch überraschen.“ Und weg ist der Vogel.

Fritz hat ein mulmiges Gefühl. Was wird dieses ominöse Orchester spielen? Doch nicht einen Faschingshit? Das wäre furchtbar. Doch der kleine mutige Wichtelmann hat keine Alternative.

Am nächsten Tag ist Heiligabend. Frieda läuft mit hängendem Kopf durch die kleine Wohnung und versucht sich abzulenken. Sie hat gar keine Lust mehr auf Weihnachten. Fritz läuft um die Wohnung herum und versucht sich auch abzulenken. Er fürchtet sich ein bisschen vor dem, was passiert.

Dann ist es soweit. Der Christbaum leuchtet, die Geschenke liegen bereit und die beiden Wichtel stehen etwas verloren davor herum. Da plötzlich erklingt aus dem dunklen Wald Musik. Anfangs ist die Melodie nicht so richtig zu erkennen. Doch je näher die Töne kommen, umso mehr erkennt Frieda.

An Weihnachten singen alle Vögel aus dem Wald unterhalb der Römerschanze für die Wichtel.

„Stille Nacht! Da spielt jemand Stille Nacht“, ruft sie und hat Tränen in den Augen. Der Uhu hat Wort gehalten: Alles, was pfeifen, klopfen oder fiepen kann, ganz viele Vögel aus dem Wald, hat er zusammengetrommelt. Sie strengen sich mächtig an. Und Frieda und Fritz stehen vor ihrem Weihnachtsbaum und singen aus vollem Hals mit.

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