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Interview

12.11.2016

In Buttenwiesen fallen drei Schüsse

Er will nicht, dass die Namen der Gefallenen und zivilen Opfer von Krieg und Nazi-Terror vergessen werden: der Kreisvorsitzende der Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigung, Anton Schön, vor dem Ehrenmal in Schwenningen.
Bild: Berthold Veh

Der Kreisvorsitzende der Soldatenvereinigung, Anton Schön, erklärt, warum die Salutkanone wieder zum Einsatz kommt und der Volkstrauertag heute noch Bedeutung hat

Als Kreisvorsitzender der Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigung müssen Sie natürlich sagen, dass der Volkstrauertag sinnvoll ist. Aber denken Sie das auch wirklich?

Anton Schön: Ja klar. Wir erinnern an die vielen Gefallenen, die ihr Leben für ihr Vaterland gelassen haben. Und allgemein an die Opfer von Krieg, Gewalt, Nazi-Terror und Vertreibung. Wir tun das in der Hoffnung, dass so etwas nie mehr passieren soll. Aber die Realität holt uns ein. Wir trauern ja auch um Bundeswehrangehörige, die in den vergangenen Jahren bei Auslandseinsätzen ums Leben gekommen sind.

An welcher Gedenkfeier nehmen Sie am Sonntag teil?

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Schön: Ich bin in Buttenwiesen.

Weil es dort Stress mit der Verlegung des Kriegerdenkmals gibt?

Schön: Nein. Ich gehe immer zu der Gedenkfeier in dem Ort, in dem die jährliche Kreisvollversammlung der Soldatenvereine stattgefunden hat. Und da waren wir heuer in Buttenwiesen. Das hat mit der Debatte um das Kriegerdenkmal nichts zu tun. Im Übrigen sollte ich dort eine Rede halten, aber das ist die Sache des Bürgermeisters.

Im vergangenen Jahr ist der Vorsitzende des Buttenwiesener Soldatenvereins zurückgetreten, weil entgegen der Abmachung Salutschüsse abgefeuert wurden. Wird am Sonntag in Buttenwiesen geschossen?

Schön: Ja, das ist bei uns so Tradition. Nach jeder Strophe vom Lied „Der gute Kamerad“ wird ein Schuss aus der Salutkanone abgefeuert. Wegen des Terrors in Paris im vergangenen Jahr wollte der damalige Vorsitzende des Soldatenvereins darauf verzichten. Ehrlich gesagt, habe ich diese Entscheidung damals nicht verstanden. Die Salutschüsse gehören zu dieser feierlichen Zeremonie dazu.

Die Gemeinde Buttenwiesen hat beschlossen, ein Friedensdenkmal zu errichten und das Kriegerdenkmal beim Rathaus zu versetzen. Sie haben das kritisiert.

Schön: Ich bin dafür, dass das Kriegerdenkmal dort, wo es ist, stehen bleibt. Es steht ja jetzt unter Denkmalschutz. Und es sollte dort auch bleiben. Der angedachte Standort am Friedhof ist kein würdiger Platz für das Kriegerdenkmal. Es würde dort wohl viel weniger Beachtung finden.

Bei Rechtspopulisten haben Sie mit Ihrer Ansicht Beifall gefunden. Stört Sie das nicht?

Schön: Ich bedauere das sehr. Der frühere Buttenwiesener Bürgermeister Norbert Beutmüller hat mich in diese Richtung gerückt. Aber ich habe mich gewehrt. Das Gedenken an die Gefallenen und die Kriegsopfer hat nichts mit Rechtspopulismus zu tun.

Die Anzahl derer, die an den Gedenkfeiern am Volkstrauertag teilnehmen, scheint aber kontinuierlich abzunehmen.

Schön: Das ist leider so. Damit geht aber ein wichtiger Teil unserer Geschichte verloren. Es kommt die Zeit, wo keiner mehr erfahren hat, was im Zweiten Weltkrieg los war. Es gab Eltern, die drei Söhne verloren haben. Es ist erschütternd, wenn man die Namen der Gefallenen auf den Ehrenmalen liest. Oft waren es Buben, die erst 16 oder 17 Jahre alt waren.

Wenn der Abstand zum Kriegsende – inzwischen sind es 71 Jahre – immer größer wird, ist da das Ende der Krieger- und Soldatenvereine nicht in greifbarer Nähe?

Schön: Nein. Es gibt viele jüngere Menschen, die bei uns eintreten. Sie haben ein Bewusstsein für die Geschichte und den Wunsch, dass es niemals mehr zu solchen Exzessen von Krieg und Gewalt kommen soll. Die Bayerische Kameraden- und Soldatenvereinigung hat im Landkreis Dillingen 41 Vereine. Unsere Mitgliederzahl ist doch sehr beachtlich, sie liegt bei etwa 4000. Interview: Berthold Veh

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