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Konzert

17.04.2017

Musikalisches Gedenken am Karfreitag

Ein Instrumentalquintett gestaltete musikalisch das Karfreitagskonzert in der Dreifaltigkeitskirche Haunsheim. Auf unserem Bild von links Norbert Bender (Querflöte), Iris Lutzmann und Heidrun Krech-Hemminger (beide Violinen), Andreas Käßmeyer (Cembalo) und Dr. Elisabeth Haberl-Ernst (Violoncello).
Bild: Gernot Walter

Ein einheimisches Instrumentalquintett beeindruckte in der Dreifaltigkeitskirche

Nach Hermann Keller ist Dietrich Buxtehude (380. Geburtsjahr und 310. Todesjahr) der glänzendste Vertreter im Zeitalter des Hochbarock. In seiner Freude an einer reichen Einkleidung der Gedanken in seinem Spiel mit Kontrasten, unterbrochenen Rhythmen und kühner Chromatik begegnete man einer „tiefen Künstlerseele, die über die Jahrhunderte hinweg mit unverwelkter Frische zu uns spricht“. An drei Beispielen zeigte das Konzert am Nachmittag des Karfreitags diese richtige Einschätzung Buxtehudes auf.

Norbert Bender stellte auf der Branmann-Orgel gekonnt den kolorierten Cantus firmus des Chorals „Durch Adams Fall ist ganz verderbt“ heraus. Andreas Käßmeyer gestaltete in der d-Moll-Canzona auf dem Cembalo die kontrapunktische Polyfonie mit ihrem verschlungenen Netzwerk trefflich dar. In der Solokantate „Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz“ weist Buxtehude der Querflöte (Norbert Bender), der Violine (Heidrun Krech-Hemminger), dem Violoncello (Dr. Elisabeth Haberl-Ernst) und dem Cembalo (Andreas Käßmeyer) schöne Harmonik und künstlerisches Rankenwerk zu. Das bewährte Instrumentalensemble spielte mit der gewohnten technischen Meisterschaft und begleitete die Sopranistin Iris Lutzmann in dem 51. Psalm wohltuend und souverän.

Von der Musik Buxtehudes angezogen war Joh. Seb. Bach. So war es konsequent, auch ihn mit zwei Gesangsstücken zu würdigen. Mit der Orgel (Norbert Bender) erklang „Mein Jesu, was für Seelenweh“, Querflöte (Norbert Bender), Cello und Cembalo (Dr. Elisabeth Haberl-Ernst und Andreas Käßmeyer) umrahmten die Arie „Leget euch dem Heiland unter“. Iris Lutzmanns klug geführte Stimme war prädestiniert für Seelenschmerz, Trost und Zuversicht. Mit Empathie und Würde, Wohllaut und Kunstsinn stattete die Sängerin ihren Part aus.

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Am Cello spielte ein neues Gesicht: Dr. Elisabeth Haberl-Ernst. Im Duo mit Violine (Heidrun Krech-Hemminger) von François Coubertin, der Chaconne légère, lotete die Cellistin virtuos und klangschön ihre Kantilenen aus, assistiert mit kongenialer Verve von der melodiegebenden Violine. Aus derselben Zeit, nur mit italienischem Temperament, die 7. Suite von Giovanni Bononcini. Die zwei Altblockflöten (Heidrun Krech-Hemminger und Norbert Bender) sowie Basso continuo machten sich eine zeitgenössische Forderung zu eigen und ahmten das Preludio und die Giga „rührend und empfindsam“ nach.

Aus dem Jahre 1689 stammt Arcangelo Corellis Kirchensonate für zwei Violinen (Heidrun Krech-Hemminger und Iris Lutzmann) sowie Cello und Cembalo. Zwei langsamen folgten zwei schnelle Sätze. Grave und Largo erklangen homofon und ließen der Violine Raum für Verzierung der Melodie. Im Allegro gab es eine dicht gewoben Kontrapunktik. Die Tafelmusik von Georg Philipp Telemann (250. Todestag) bildet ein wichtiges Bindeglied zwischen der spätbarocken Musizierpraxis und der Frühklassik.

Die rokokohafte Leichtigkeit des galanten Stils verkörpert die Querflöte, der Norbert Bender aufblühende melodische Linien schenkte. Das Violoncello (Dr. Elisabeth Haberl-Ernst) agierte mit impulsgebender Rhythmik, Andreas Käßmeyer war am Cembalo meisterhaft zuverlässig und die beiden Violinistinnen Heidrun Krech-Hemminger und Iris Lutzmann verknüpften partnerschaftlich die kontrapunktische Satzkunst erfindungsreich durch präzises aufeinanderhörendes Spiel. Tadellos das kammermusikalische Zusammenwirken der Instrumentalisten.

Vor dem Schlusssegen durch Pfarrer Axel Schmidt, der die Programmfolge mit Worten aus der Leidensgeschichte Christi und meditativen Texten bereicherte, sang die Gemeinde das Kirchenlied „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen?“ Die Instrumentalistinnen und Norbert Bender setzten als Gesangsquartett hier ihre Stimmen ein, wie auch überraschend beim Chorsatz „Bei stiller Nacht zur ersten Wacht“.

Großer Applaus der Zuhörer im vollen Gotteshaus für eine beeindruckende musikalische Stunde.

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