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Konzert

14.10.2014

Musikgespür, Stimmkultur und Homogenität

„The PiccaDilly’s“ mit Chorleiter Klaus Nürnberger und Eva Horner (ganz links, Piano) gestalteten einen erlebnistiefen Konzertabend in der Dillinger Christkönigskirche
Bild: Walter

Die „PiccaDilly’s“ beendeten fulminant ihre Jubiläumssaison

Nach begeisternden weltlichen Chorsätzen im Frühjahr klang das 20-jährige Bestehen des PiccaDilly’s-Chores am vergangenen Wochenende mit der Herbstkonzertreihe bewegend aus. Zwanzig geistliche Lieder von der Renaissance zur Jetztzeit präsentierten 37 Frauen- und 13 Männerstimmen einem aufgeschlossenen und beifallsfreudigen Publikum in der Dillinger Christkönigskirche am Samstagabend und in der Klosterkirche in Maria Medingen am darauffolgenden Sonntag.

Die gute Akustik begünstigte die zehn A-cappella-Auftritte, ehe nach einer kurzen Pause das Klavier die weiteren Titel begleitete. Das Motto „Cantate Domino“ fasste die Einschätzung Arvo Pärts zusammen, dass „alle Musik im Innersten religiös“ sei. Dank seiner hervorragenden musikpädagogischen Arbeit konnte sich Klaus Nürnberger an Chorwerke mit hohen Anforderungen wagen. Mit Eric Whitacre („Sleep“), Ola Gjeilo („Ubi caritas“), Vytautas Miskinis („Cantate Domino“) oder Morten Lauridsen („O Magnum Mysterium“) machte der Chor mit Komponisten bekannt, die Michael Finck in den vergangenen zehn Jahren im Landkreis einführte. Klaus Nürnberger hat sie mit Sätzen aus seiner Regensburger Zeit erweitert („Was betrübst du dich, meine Seele“, Joh. Herm. Schein, und „Richte mich, Gott“, Felix Mendelssohn Bartholdy) und mit der Ausrichtung an den Osloer Gospel-Chor des Komponisten und Dirigenten Tore W. Aas neu aufgestellt.

Klar disponierende Leitung Nürnbergers

Musikgespür, Stimmkultur und Homogenität

Unter der klar disponierenden Leitung Nürnberges entfaltete sich ein lebendiger Chorklang von leuchtender Kraft und bewundernswerter Intonationsreinheit, Beweglichkeit und Präzision. Die „PiccaDilly’s“ deklamierten vorbildlich, zeigten sich flexibel und durchschlagskräftig. Ihnen gelangen die selbstständigen Einsätze auch bei fehlender Harmonieunterstützung exakt; rhythmisch komplexe Satzkonstruktionen löste der Chor ohne Vorbehalte. Nürnberger zwang seine Chorgemeinschaft zum Hinhören, Mitdenken und Mitgestalten. Die Vielseitigkeit (auch ein elegisch russisches von S. Rachmaninow und ein klangdichtes Ave Maria von Franz Biebl) imponierte.

Mit enormer stimmlicher Ausdrucksfähigkeit bewältigte der starke Chor sechs- und achtstimmige Sätze ohne Substanzverlust. Gewagt und gelungen, wie die „PiccaDilly’s“ von der Renaissance (Jakob Gallus „Ecce quomodo“) nahtlos zu Michael Jacksons „Will you be there“ überleitete. Ob „In this very room“, „Bridge over troubled water“, „In the last days“, „Come to the water”, „Celebrate”, „Walking down that glory road“: Die Songs hatten den richtigen Drive, sie elektrisierten, von Eva Horner am Klavier mit dem untrüglichen Gespür für den stützenden, aufbauenden Rhythmus und das zusätzlich harmonische Gerüst ausgestattet. Klaus Nürnberger befeuerte mit klarer Gestik, federnden rhythmischen Anleitungen und strukturierenden Crescendi seine Sängercrew. Wie aus einem Guss der unbegleitete „Elijah Rock“; unnachahmlich, temperamentvoll und begeisternd rhythmisch flexibel. Eine Rheinberger Zugabe („Bleibe bei uns“ und „Father“ des Osloer Gospelchores) rundeten einen bemerkenswerten Konzertabend ab.

Das Chorkonzert wird am 18. Oktober um 19 Uhr in der Obermedlinger Stiftskirche wiederholt.

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