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Kleinkunst

04.09.2017

Skurril, hintersinniger Humor

Reiner (links) und Dietmar Panitz, bekannt als Musikkabarett „Die Mehlprimeln“ bei ihrem großartigen Auftritt in Unterringingen.
Bild: von Weitershausen

Die Mehlprimeln begeistern ihr Publikum in Unterringingen

Mit dem Auftritt der deutschlandweit bekannten beiden Urgesteine der Kleinkunst „Die Mehlprimeln“ endete am Sonntagabend vor zahlreichen Besuchern das Dorffest der Feuerwehr in Unterringingen. Hintersinnig skurril, lästern und singen die Panitz-Brüder auch an diesem Abend im Festzelt scharfzüngig und boshaft über die großen und kleinen Tragödien des Alltags, die Liebe, das Alter, den Irrsinn und die Heuchelei.

So erzeugt das lyrische Lästern über den Senioren-Kult raunendes Gelächter unter den Besuchern, besonders als sie die nachvollziehbare Empfehlung von dem Kabarett-Duo erhalten, die alten Tage auf einer Dauerkreuzfahrt als kostengünstige Verwöhnalternative zum Seniorenheim zu verbringen. Bissig frech sind sie, die Mehlprimeln, jedoch dabei immer liebenswürdig, was vom Publikum mit von Lachausbrüchen begleitetem Beifall gewürdigt wird.

Bewundernswert auch die Virtuosität der beiden auf den verschiedensten Instrumenten. Ob eine russische Weise mit Klampfe und Hackbrett oder ein gekonnter Flamenco von Reiner Panitz auf der Gitarre. Die Geschichten, Gedichte und Gesänge lassen das Publikum einen abwechslungsreichen Abend erleben. Mal bitternst und bissig komisch, mal hintersinnig mit spitzem Humor. Da darf auch der tägliche Politwahnwitz nicht fehlen.

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Klar dass die bevorstehende Bundestagswahl ebenso Thema ist wie der Klimawandel mit dem nachdenklichen Lied vom letzten Einsären, die Energiewende oder Globalisierung. Und als ein Landrat nach Jahren im Amt über seine Abwahl jammert, obwohl doch die Abwahl in der Demokratie überhaupt nicht vorgesehen ist oder nachweislich Vegetarier und Veganer am häufigsten zum Psychotherapeuten müssen steht die Stimmung im Zelt auf dem Kopf. Dummes Kalauern ist nicht Sache der „Mehlprimeln“, auch nicht intellektuelles Geschwafel. Bei dem Duo herrscht Klarheit.

Sie schlüpfen in fremde Identitäten, die einem so bekannt vorkommen, als wäre man es selbst, und so passt die musikalische Bosheit „Mein Weib will mich verlassen“ von Georg Kreisler auch hervorragend in ihr Programm. Sie, die Urväter des schwäbischen Musikkabaretts, sind auch nach über 40 Jahren immer noch die Besten. „Und solang noch jemand zu uns kommt, machen wir auch weiter.“

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