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Landkreis Dillingen

15.11.2019

Start der Grippesaison: Sollte man sich impfen lassen?

Die Grippesaison hat begonnen. Jetzt ist es besonders wichtig, seine körpereigenen Abwehrkräfte zu stärken.
Foto: dpa (Symbol)

Plus Mit dem Temperatursturz der vergangenen Tage hat die Grippesaison begonnen. Wie man sich gesund hält und wer sich impfen lassen sollte. Und warum Disziplin wichtig ist.

Wer Mütze, Schal und Winterjacke noch vom vergangenen Winter eingemottet hatte, dürfte die Sachen spätestens in den vergangenen Tagen herausgekramt haben. Die Temperaturen haben sich dem Gefrierpunkt angenähert, der Winter ist eindeutig im Anmarsch. Wer jetzt noch mit leichter Übergangsjacke unterwegs ist, dürfte sich schnell eine Erkältung einfangen.

Was die häufigste Ursache für Erkältungen im Winter ist

Überhaupt läuten die niedrigen Temperaturen eine Zeit ein, die für das Immunsystem eine Herausforderung darstellt. „Die Grippesaison hat offiziell begonnen“, sagt Dr. Uta-Maria Kastner, Leiterin des Dillinger Gesundheitsamtes. Grippeviren benötigen nach ihren Angaben kühle Temperaturen, um sich gut ausbreiten zu können. Ausschlaggebend für eine tatsächliche Erkrankung ist jedoch meist etwas anderes: „Die wohl häufigste Ursache für Erkältungen im Winter sind überheizte Räume“, sagt Kastner. Die trockene Heizungsluft schade den Schleimhäuten in Nase und Rachen, sodass Krankheitserreger leichter eindringen können. Menschenansammlungen, etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln, würden die Verbreitung durch enge Körperkontakte erleichtern.

Bisher seien dem Dillinger Gesundheitsamt „nur“ drei Grippe-Fälle gemeldet worden. Die sogenannte „Grippewelle“ kommt laut Kastner erst noch. Erfahrungsgemäß beginne sie im Januar oder Februar. Zeitpunkt und Schwere der Grippesaison lassen sich demnach aber nicht genau vorhersagen.

So kann man sich schützen

Was kann man tun, um sich vor einer Ansteckung zu schützen? Kastner empfiehlt tägliche Bewegung an der frischen Luft, eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und ausreichend Schlaf, um die Abwehrkräfte zu stärken. „Und Pfarrer Kneipp wusste es auch schon: Der Wechsel zwischen Anwendungen mit kaltem und warmem Wasser stärkt unseren Kreislauf und das Immunsystem“, erklärt die Medizinerin. Wechselduschen seien daher ideal, um den Organismus auf den Winter vorzubereiten.

Eine Möglichkeit stellt die Grippeimpfung dar. Offiziell empfohlen wird die Impfung laut Kastner vor allem chronisch kranken Menschen, Schwangeren und Menschen über 60 Jahre. Zudem sollte medizinisches Personal in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen geimpft sein. In diesen Personengruppen sollte die Impfrate auf über 70 Prozent gesteigert werden, so Kastner. Zuletzt ließen sich im Landkreis nach ihren Angaben jedoch nur knapp 35 Prozent der Personen ab 60 Jahre impfen.

Grundsätzlich könne sich jeder impfen lassen, er müsse aber zuvor die Kostenübernahme mit der Krankenkasse klären. Falls man sich für eine Impfung entscheidet: Wann sollte man diese durchführen lassen? „Jetzt ist dafür die beste Zeit“, betont die Leiterin des Gesundheitsamtes. Die Impfung gegen Grippe sollte nach ihren Angaben jedes Jahr, vorzugsweise im Oktober oder November, durchgeführt werden. Nach der Impfung dauere es etwa zehn bis 14 Tage, bis der Körper einen ausreichenden Schutz vor einer Ansteckung aufgebaut hat. „Auch eine spätere Impfung kann noch sinnvoll sein, vorausgesetzt, dass die Grippewelle noch nicht eingesetzt oder gerade erst begonnen hat.“

Auch jüngere Menschen sollten sich impfen lassen

Das unterstreicht auch Allgemeinarzt Dr. Rüdiger Schreiber aus Wertingen. Im Alter ab 60, wenn die natürlichen Abwehrkräfte nachlassen, sei eine Grippeimpfung sinnvoll. Auch jüngere Menschen sollten sich impfen lassen, wenn sie anfällig sind, und auch betagteren Senioren rät der Arzt, sich mit einer Impfung zu schützen. Schreiber räumt ein, dass sich der Geimpfte für einen oder zwei Tage geschwächt fühlen kann: „Es kann durchaus Reaktionen geben.“ Deshalb sei es wichtig, sich für diese Zeit nicht zu viel vorzunehmen. Grundsätzlich rät er aber zur Impfung, da Grippe weltweit eine häufige Todesursache sei.

Abgesehen von der Impfung rät Schreiber für die Gesunderhaltung in der kalten Jahreszeit zu einem gesunden Tag- und Nachtrhythmus und zu einem positiven, fröhlichen Leben. Denn auch die persönliche Einstellung stärke die Immunkräfte. Der Mensch entwickle im Laufe des Lebens ein Immungedächtnis, um seine Abwehrkräfte zu aktivieren.

Mit Disziplin vor Viren schützen

„Disziplin“ hält Dr. Kurt Michl für eine gute Möglichkeit, sich in der kalten Jahreszeit vor Viren zu schützen. Michl, der zusammen mit sieben Ärzten in Buttenwiesen eine Gemeinschaftspraxis betreibt, sagt, was zur gesundheitlichen Disziplin gehört: Viel trinken, Nachtruhe, sich gesund ernähren, sich abends nicht vollessen und auch überlegen, ob man jedem die Hand gibt. Gerade die Faschingszeit sei im Winter die schlimme Zeit der Ansteckungen, da sich die Menschen beim Tanzen körperlich verausgaben und eng im Kontakt mit anderen sind. Dennoch wolle er niemandem die Lebensfreude vermiesen, meint Michl.

Bisher gibt es in der Buttenwiesener Praxis nur wenige Grippefälle. Auch Michl rät zur Impfung, vor allem Menschen, die zur Risikogruppe gehören, wie Diabetiker oder Lungenkranke. Er als Arzt empfehle die Impfung, versuche zu überzeugen, nicht zu überreden, sagt Michl zu Impfskeptikern. Immunstärkende Maßnahmen seien auf jeden Fall so wichtig wie die Impfung selbst.

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