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11.07.2018

Transparenz und technische Brillanz

Meisterorganist Markus Nitt

Markus Nitt überzeugt mit durchdachtem Orgelspiel

Tief empfundene, glänzend ausgearbeitete Musik, die Schönheit und Wahrheit zum Ziel hatte, interpretierte bei der dritten Orgelmatinee der Wilhelmshavener Markus Nitt auf erhebende Weise. Der einstige Studienkollege von Axel Flierl an der Hochschule für Musik und Theater München gefiel durch ein barockes und vor-romantisches Programm. Als Bachkenner stellte er mit Präludium und Fuge in G-Dur BWV 541 ein eher selten zu hörendes Opus von Joh. Seb. Bach vor. Markus Nitts Interpretation machte sich der konzertanten Anteile zu eigen, deren Passagenwerk er virtuos gestaltete. Kadenzen, Ton- und Akkordwiederholungen, ausgedehnte Orgelpunkte strukturierte er einleuchtend, wie er auch den Wechsel zwischen den Durchführungen des Themas und freien Zwischenspielen der mächtigen Fuge zielstrebig ansteuerte. Die Transparenz erreichte Markus Nitt auch durch ein ungewohnt rasches Tempo, das er dank seiner überragenden technischen Grundausstattung spannungsgeladen durchhielt.

Im Choral BWV 654 „Schmücke dich, o liebe Seele“ betonte der Organist den meditativen Charakter. Die Achtelketten erklangen mit innerer Gelöstheit, von gleichmäßig wunderbaren Pedalführung unterstützt, fließend zurückhaltend dargestellt, damit sich die Choralmelodie wirkungsvoll entfalten konnte. Der Bachschüler Johann Christian Kittel erinnert in seinem Präludium in D-Dur an den Bach-Sohn C. Ph. E. Bach und weist mit dem punktierten Rhythmus und den Tonleiterskalen schon in eine neue galante Zeit, die Nitt durch detailgerechte Registrierung heraufbeschwor. Gleiches galt für ein verspieltes Arioso von Clara Schumann. Robert Schumann entdeckte in der Sonate IV in B-Dur Opus 65 von Felix Mendelssohn-Bartholdy „echt poetische neue Formen, wie sie sich darin zu einem vollkommenen Bild runden“. Das ritterliche klangvolle zweiteilige Thema ließ Markus Nitt temperamentvoll entstehen und das Andante religioso liebenswert erscheinen. Im dritten Satz hob der Organist die Melodie von der Oberstimme zum Tenor und zurück elegant hervor, ehe die glanzvolle Fuge das Werk abschloss. Ebenso hinreißend die „Fanfare“ von Jacques-Nicolas Lemmens, die Markus Nitt als Schluss-Stück ausdrucksstark aufführte. Großer Beifall in der vollbesetzen Klosterkirche für herausragende Orgelkunst. Foto: Walter

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