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Dillingen

09.11.2019

Traumjob Schreinerin: Zwischen Hobel und Holzspänen

Schreinerin Dorit Pflüger hat mit ihrem Gesellenstück den dritten Platz für die Gute Form erhalten. Auch wenn sie ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, möchte die 23-Jährige noch vieles in der Schreinerei Hardtmuth in Dillingen lernen. An ihrer Arbeit gefällt ihr besonders gut die Abwechslung.
Bild: Tanja Ferrari

Plus Dorit Pflüger gehört zu den besten Nachwuchsschreinerinnen. Sie ist eine von wenigen Frauen in diesem Beruf. Die Dillingerin weiß, dass es bei der Arbeit nicht nur Kraft braucht.

Es duftet nach Holz. Auf dem Boden liegen unzählige Sägespäne und auf Dorit Pflügers schwarzem T-Shirt sammelt sich eine feine Staubschicht. Die Augen der 23-Jährigen sind konzentriert auf die Säge vor ihr gerichtet. Millimeter für Millimeter bewegt sie das Massivholz auf das rotierende Sägeblatt zu. Drei Jahre ist es her, seit Pflüger im Betrieb der Familie Hardtmuth das erste Mal mitangepackt hatte.

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Erst vor wenigen Wochen hatte die Dillingerin ihre Ausbildung als Schreinerin abgeschlossen und mit ihrem Gesellenstück bei der Donau-Ries-Ausstellung sogar den dritten Platz im Wettbewerb um die Gute Form gewonnen. „Mich begeistert die Arbeit, weil sie sehr abwechslungsreich ist“, sagt sie und schmunzelt.

Wieso Frauen nur selten Schreiner werden

An diesem Wochenende findet der bayernweite Tag des Schreiners statt, der einen Blick hinter die Kulissen der Arbeit ermöglichen soll. Dass es der Beruf gerade bei Frauen schwer hat, ist kein Geheimnis. Viele von ihnen entscheiden sich nach der Schule eher für eine Arbeit im Verkauf oder im Büro. Aber nicht Pflüger. Gemeinsam mit 30 Auszubildenden war sie damals in das erste Schreinerlehrjahr gestartet, 21 davon hatten die Ausbildung gemeinsam mit ihr beendet, darunter drei Frauen. Sandra Zott, Pressesprecherin der Handwerkskammer, erklärt: „Wir haben aktuell im Landkreis Dillingen wieder eine weibliche Schreinerin in der Ausbildung, 19 weitere sind männlich.“ Auch im Bezug auf Schwaben ergibt sich ein ähnliches Bild. Von insgesamt 722 Auszubildenden sind gerade einmal 122 weiblich.

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Dass der Beruf des Schreiners nicht der klassische Traumjob für junge Frauen ist, weiß auch Pflüger. Sie sagt: „Viele schreckt die Arbeit ab, weil sie körperlich sehr fordernd ist.“ Zwar gebe es hin und wieder Muskelkater, doch anders als bei Zimmermännern seien die Aufgaben in der Schreinerwerkstatt auch für Frauen gut machbar. „Man braucht mehr als nur Muskeln. Man muss mitdenken können, ein bisschen Kreativität schadet nicht, und auch logisches Denken ist wichtig“, betont sie.

Warum Dorit Pflüger sogar einen Preis gewonnen hat

Die meisten ihrer Kollegen waren jünger, als sie die Ausbildung begonnen hatten. „Viele starten direkt nach der Schule und sind dann erst 16 Jahre alt.“ Da sie selbst Abitur gemacht habe, hätte sie die dreijährige Ausbildung um ein Jahr verkürzen dürfen. Die 23-Jährige entschied sich allerdings dagegen und sagt rückblickend: „Das Jahr in der Schule hat mir sehr weitergeholfen, man lernt die verschiedenen Holzarten kennen und auch, wie wir die Werkzeuge richtig einsetzen.“

Das Hintergrundwissen hat Pflüger auch bei ihrem Gesellenstück geholfen. In 75 der vorgesehenen 80 Stunden fertigte sie einen Esstisch aus Ulme mit einer Baumkante und zwei Schubkästen. Stolz erklärt sie: „Ich habe zuvor ein Muster entworfen, damit ich weiß, ob alles funktioniert.“ Anfangs habe sie sich sehr viel Zeit genommen, doch gegen Ende habe sie ihr Arbeitstempo anziehen müssen. Dass sie mit ihrem fertigen Möbelstück anschließend sogar einen Preis gewinnt, hätte die 23-Jährige nicht erwartet.

Die Jury, bestehend aus einer Möbeldesignerin, einem Lehrer und einem Meister aus einer anderen Schreinerei, hatten ihren Esstisch bei der Donau-Ries-Ausstellung mit dem dritten Platz ausgezeichnet. „Ich freue mich unglaublich darüber“, sagt sie. Das Gesellenstück muss originell und innovativ sein. Außerdem darf es keine Kopie sein, damit es die Auszeichnung für die Gute Form erhalten kann. Mit ihrem dritten Platz ist die Dillingerin sehr zufrieden. „Das Siegerstück war eine Minibar – die ist wirklich besonders gut gelungen“, lobt sie.

Welche Kriterien ein Gesellenstück erfüllen muss

Generell gilt für die Abschlussarbeiten ein Katalog. Für verschiedene Anforderungen und Techniken gibt es Punkte. „Insgesamt muss ein Gesellenstück auf zehn Punkte kommen“, erklärt Pflüger. Wie diese zustande kämen, spiele keine Rolle. Untereinander hatten sich die Auszubildenden auch immer wieder ausgetauscht. Egal ob Bett, Kommode oder Schreibtisch – jeder hatte seine ganz eigenen Idee. „Ein guter Freund von mir hat sich für etwas ganz Unkonventionelles entschieden – er hat ein Schmuckkästchen gefertigt“, erzählt die Dillingerin und muss lachen. Das sei eher untypisch für ein Gesellenstück; normalerweise wären die eher groß und mächtig.

Ihre Ausbildung hat die 23-Jährige zwar beendet, doch sie möchte in der Dillinger Schreinerei bleiben. „Ich habe noch viel zu lernen; ich kenne nicht einmal die Hälfte aller Hölzer“, sagt sie. Ob sie studieren möchte oder vielleicht einen Meister machen wird, lässt sie sich offen. Bereits jetzt weiß sie allerdings, dass sie in diesem Beruf weiterarbeiten möchte. „Mir gefällt, dass ich am Ende des Tages etwas in der Hand habe.“ Außerdem spare man sich bei der Arbeit auch die Kosten für das Fitnessstudio, witzelt sie.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar unserer Autorin:

Das Handwerk braucht Frauen

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