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Porträt

19.09.2018

Von Manitoba über Göllingen nach Äthiopien

Der Göllinger Ulrich Zeller mit seinem indischen Kollegen Mr. Sing vor einem großen Bauteil der Firma Siemens für den Bau einer Hochspannungsschaltanlage. Das Projekt entstand im Rahmen der Entwicklungshilfe zur Versorgung der Bevölkerung mit Stromenergie.
Bild: Zeller

Ulrich Zeller hat es vom kleinen Elektromonteur im Kesseltal zum Leiter von Entwicklungshilfe- und Auftragsprojekte von Energieunternehmen gebracht.

Er war in den vergangenen 40 Jahren in 37 Ländern weltweit in Sachen Energie unterwegs. Die Rede ist von Ulrich Zeller, der nach einem zweijährigen Aufenthalt in den kanadischen Provinzen Alberta und Manitoba für einen kurzen Urlaub in seine Heimat, den Bissinger Ortsteil Göllingen, gekommen ist. „Doch direkt von Urlaub kann ich nicht sprechen“, sagt der weit gereiste Siemens-Mitarbeiter, denn jetzt geht er für die nächsten zwei Jahre in seine 38. Auslandsstation nach Äthiopien und dafür seien noch umfangreiche Vorbereitungen notwendig. Für seinen Arbeitgeber Siemens wird er dort ein Entwicklungshilfeprojekt als Bauleiter übernehmen. Dabei handle es sich um den Bau einer 200-Megawatt-Konverteranlage zur Umwandlung von Drehstrom in Gleichstrom für den Stromtransport ins südliche Nachbarland Kenia. Die Kosten für das Projekt betragen, wie Ulrich Zeller mitteilt, rund 900 Millionen Euro und werden von der Weltbank übernommen. Gebaut werde die Anlage etwa 400 Kilometer südlich von Addis Abeba mit rund 180 Arbeitern eines chinesischen Subunternehmers und etwa 1000 Arbeitern aus Äthiopien.

Solche oder ähnliche Aufgaben, entweder als Entwicklungshilfe- oder als Auftragsprojekte von staatlichen oder privaten Energieunternehmen, hat der Kesseltaler weltweit seit seinem ersten Auslandseinsatz am 22. Februar 1979 übernommen. Ulrich Zeller deutet auf eine Weltkarte, in der jeder Auslandseinsatz mit einem farbigen Stecknadelkopf angezeigt wird.

Die mit farbigen Stecknadelköpfen gekennzeichneten Einsatzorte auf einer Weltkarte, die im Haus von Ulrich Zeller in Göllingen hängt.
Bild: Horst von Weitershausen


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USA, Kanada, Europa, der Nahe Osten, Afrika, Asien, Indonesien ...

Die Liste seiner Arbeitsplätze ist lang und reicht von den USA und Kanada, Europa, dem Nahen Osten, Afrika, Asien über Indonesien zum indischen Subkontinent bis nach Australien, Tasmanien und Neuseeland. Dabei sei er immer für seinen Arbeitgeber Siemens unterwegs gewesen. Anfangs als einfacher Elektromonteur für Hochspannungsinstallation und nach intensiver innerbetrieblicher Weiterbildung als Projekt- und Bauleiter für Hochspannungsschaltanlagen bis zu 2000 Megawatt und 500 KV Gleichstrom. Dabei habe es sich in Afrika, Asien, dem Nahen Osten und Indien meist um staatliche Entwicklungshilfeaufträge gehandelt. Seinen Weg in die Elektrotechnik hat Zeller, der vor 60 Jahren als achtes Kind von elf Geschwistern in Diemantstein geboren wurde, nach der Hauptschule mit einer Lehre zum Elektroinstallateur bei der Firma Oberfrank in Lutzingen gestartet. Nach erfolgreicher Gesellenprüfung bekam er nach seinem Wehrdienst eine Stelle als Elektromonteur beim Kernkraftwerk Gundremmingen.

Nicht immer gefahrlos

Doch das sollte es doch nicht gewesen sein, dachte sich Elektromonteur Zeller und wechselte zur Siemenstochter Kraftwerk Union in Erlangen. „Von dort aus ging es hinaus in die Welt, und das Ende meiner Weltreise ist auch noch nicht abzusehen“, sagt Zeller, obwohl die Auslandseinsätze nicht immer einfach und gefahrlos gewesen seien. So habe er von 1983 bis 1986 hautnah den Irak-Iran-Krieg erlebt, zwei unmittelbare Bombenanschläge in Saudi-Arabien, einen im Irak überlebt sowie eine lebensgefährliche Lebensmittelvergiftung in Indien durchlitten. „Für 40 Jahre Auslandsarbeit eigentlich nicht viel“, sagt der Weltenbummler, doch das seien nur die einschneidendsten Gefahrenmomente gewesen, denn eigentlich sei immer irgendetwas mehr oder weniger Gefährliches passiert. „Dennoch möchte ich all die Erfahrungen nicht missen“, sagt Zeller, wobei ihn besonders die unterschiedlichsten Menschen in den Kontinenten und Ländern interessierten und einige von ihnen ihm sehr ans Herz gewachsen seien und zu Freunden wurden.

Auf die Frage, ob er denn von Äthiopien zwischenzeitlich einmal nach Hause kommen könnte, sagt Zeller: „Ich hoffe, Weihnachten zu Hause mit meinen Geschwistern und bei meinen Freunden im Schützenverein Diemantstein verbringen zu können, doch ob das klappt, steht jetzt noch in den afrikanischen Sternen.“

Neben der Arbeit im Ausland habe er auch seinem Hobby, dem Motorradfahren, nachgehen können. In ausgedehnten Touren durch Wüsten, Steppen, Regenwälder oder Hochgebirge habe er die weite Umgebung seiner Arbeitsplätze erkundet und viel über die einzelnen Länder mit ihren Menschen in Erfahrung bringen können.

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