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Landkreis Dillingen
12.05.2022

Deshalb heulen auch im Kreis Dillingen die Sirenen

Ein auf- und abschwellender Heulton wird am Donnerstag um 11 Uhr auch im Landkreis Dillingen erklingen. Zum Glück ist es nur eine Probealarmierung. Damit soll die Bevölkerung vor schwerwiegenden Gefahren gewarnt werden.
Foto: Mathias Wild (Symbolbild)

Am Donnerstag heulen die Sirenen - aber anders als sonst. Was dahintersteckt, ob es noch Schutzbunker im Kreis Dillingen gibt und alles zum Notvorrat.

Wer kennt sie nicht, die Feuerwehr-Sirenen, die an Samstagen gegen Mittag immer wieder in der Region zu hören sind – probehalber. Doch heute wollen die Behörden ganz andere Töne anschlagen. Ab 11Uhr sollen die knapp 140 Warnsysteme zwischen Syrgenstein und Buttenwiesen auch wieder erprobt werden, aber diesmal einen auf- und abschwellenden Heulton abgeben. Was manche Bürger eher an ein kriegerisches Szenario erinnert, beschreiben die Ämter als „Alarm, der die Bevölkerung veranlassen soll, anlässlich schwerwiegender Gefahren für die öffentliche Sicherheit auf Rundfunkdurchsagen zu achten“. Das eine Minute dauernde Signal sollte versuchshalber schon im vergangenen März abgegeben werden. Die Test-Alarmierung wurde aber, wie Sicherheitsexperten vermuten, aus Rücksicht auf den Ende Februar ausgebrochenen Ukraine-Krieg abgeblasen.

Auch diesmal möchte das Bayerische Innenministerium die Einwohnerinnen und Einwohner möglichst wenig verunsichern und bittet mit Plakaten um Verständnis, in drei Sprachen: Deutsch, Englisch, Ukrainisch. „Bitte erschrecken Sie nicht, das ist nur ein Probealarm und kein Grund zur Sorge.“ Wir stellten aus diesem Anlass dem Landratsamt in Dillingen als federführende Katastrophenschutzbehörde einige Fragen.

Warum werden heute um elf Uhr alle Sirenen aufheulen?

Laut Landratsamt dient der Probealarm dazu, die Funktionsfähigkeit des Sirenenwarnsystems zu überprüfen und die Bevölkerung auf die Bedeutung des Sirenensignals hinzuweisen. Auch die Notfall-App NINA wird getestet. Informationen zum Download der Applikation stehen auf der Internetseite des Landkreises landkreis-dillingen.de zur Verfügung.

Welche Aufgaben hat der Katastrophenschutz in der Region und wie ist er organisiert beziehungsweise aufgestellt?

Der Abteilungsleiter für die Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Regierungsrat Thomas Strehler, sagt: „Gemäß Artikel 3 des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes (BayKSG) haben die Kreisverwaltungsbehörden als Vorbereitungsmaßnahmen insbesondere allgemeine Katastrophenschutzpläne zu erstellen, die Katastropheneinsatzleitung zu regeln, die Alarmierung der an der Gefahrenabwehr Beteiligten sicherzustellen und sich um eine ausreichende Aus- und Fortbildung zu kümmern.“ Gemäß Artikel 7 Abs. 3 des BayKSG sind seinen Worten zufolge zum Beispiel alle Behörden und Dienststellen des Freistaates Bayern, Gemeinden, Feuerwehren, Hilfsorganisationen zur Mitwirkung im Katastrophenschutz verpflichtet.

Im Katastrophenfall nimmt das Landratsamt als örtlich zuständige Katastrophenschutzbehörde die Gesamt-Einsatzleitung wahr. So wird sichergestellt, dass alle Maßnahmen der Behörden, Dienststellen, Organisationen und Einsatzkräfte, die an der Bewältigung der jeweiligen Katastrophe mitwirken, aufeinander abgestimmt sind. Zur Bewältigung der Aufgaben im Katastrophenfall bedient sich die Katastrophenschutzbehörde der Führungsgruppe Katastrophenschutz. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz ist flexibel und rasch alarmierbar. Sie setzt sich grundsätzlich aus Mitarbeitern des Landratsamts zusammen und wird bei Bedarf lageabhängig erweitert durch Vertreter anderer betroffener Behörden und Einrichtungen, durch Vertreter der an der Katastrophenbewältigung beteiligten Einsatzorganisationen und durch Sachverständige. Der Führungsgruppe Katastrophenschutz obliegt die Warnung und Unterrichtung der Bevölkerung, die Öffentlichkeitsarbeit, die Anforderung auswärtiger Hilfe und die Gesamtkoordination der Maßnahmen.

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Über wie viele Schutzbunker beziehungsweise ähnliche Einrichtungen verfügt der Landkreis und wie ist der Gebrauch im Ernstfall geregelt?

Nach 1990 wurde nach einer zwischen Bund und Ländern einvernehmlich getroffenen Entscheidung das öffentliche Schutzbaukonzept nicht erneuert und die funktionale Erhaltung der Schutzräume eingestellt. Deshalb gibt es im Landkreis keinen einsatzfähigen Schutzraum mehr. Zur allgemeinen Situation bei Schutzbunkern sind auch auf den Internetseiten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Informationen eingestellt: bbk.bund.de/DE/Das-BBK/Zivilschutz/zivilschutz node.html

Sollen die Bürger jetzt schon Vorräte anlegen, so wie dies etwa vom Bundesinnenministerium vorgeschlagen wurde?

Das Anlegen von persönlichen Vorräten ist nicht allein im Hinblick auf Kriegssituationen sinnvoll, sondern auch für andere Notfälle. Dies können unter anderem ein großflächiger Stromausfall („Blackout“), extreme Wettersituationen, wie beispielsweise ein heftiger Sturm, Hochwasser, große Hitze oder auch starker Schneefall und Glätte sein. Essen und Trinken sollte nach den Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe für zehn Tage vorrätig sein (siehe unten).

Was sagt Dillingens Landrat Leo Schell dazu?

„Wir haben im Landratsamt ein Team eingerichtet, das sich ausnahmslos mit dem Brand- und Katastrophenschutz beschäftigt. Diese Organisationseinheit halten wir für absolut notwendig“, erläutert Schrell. Die Ereignisse der vergangenen Wochen, Monate und Jahre hätten dies leider überdeutlich gezeigt und den Katastrophenschutz in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Der Landrat sagt: „Ich bin sehr froh und dankbar, dass sowohl die vielen im Ehrenamt tätigen Frauen und Männer als auch unsere hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit hohem Einsatz und bemerkenswerter Professionalität ihren unverzichtbaren Dienst bestens erledigen. Ohne diesen Einsatz hätten wir weder die Flüchtlingskrise noch die Corona-Pandemie bewältigen können.“ Dasselbe gelte für die Folgen des unsäglichen Russlandkrieges in der Ukraine.

Ist ein Notvorrat wirklich sinnvoll?

„Es ist auf jeden Fall sinnvoll, einen Notvorrat zu Hause zu haben“, empfiehlt Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten rät, privat eine „eiserne Reserve“ für mindestens drei Tage anzulegen, optimal wäre aber eine Vorsorge für zehn Tage. Ein ausreichender Vorrat an Getränken sollte vorgehalten werden, denn ohne Nahrung kann ein Mensch drei Wochen auskommen, ohne Flüssigkeit jedoch nur vier Tage. Die Faustregeln der Behörden lauten zwei Liter Flüssigkeit und 2200 Kilokalorien Lebensmittel pro Tag und Person.

Was bedeutet das konkret?

Was das für den eigenen Haushalt bedeutet, kann man sich mit einem Vorratskalkulator auf der Seite des Bundesministeriums für Ernährung individuell berechnen lassen. Dort gibt es auch eine eigene Tabelle für Vegetarierinnen und Vegetarier. Entsprechende Tipps findet man auch auf der Website des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung.

Wie könnte der Vorrat für zehn Tage pro Person ausschauen?

Getränke – 20 Liter; Getreide, Getreideprodukte, Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis – 3,5 Kilogramm; Gemüse, Hülsenfrüchte vier Kilogramm; Obst, Nüsse – 2,5 Kilogramm; Milch und Milchprodukte – 2,6 Kilogramm; Fisch, Fleisch, Eier, beziehungsweise Volleipulver – 1,5 Kilogramm; Fette, Öle – 0,357 Kilogramm; Sonstiges nach Belieben, zum Beispiel Bienenhonig, Schokolade. Diese Aufstellung vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe entspricht rund 2200 Kilokalorien pro Tag.

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