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Gesundheit

18.04.2015

Der Darm reizt die Besucher

Mehr als 100 Zuhörer kamen zur Lesung in der Klinik. Sie alle interessierten sich für das Thema Darmgesundheit – Ärzte gaben Tipps.
Bild: Petra Plaum

Bei der amüsanten Lesung des Bestsellers „Darm mit Charme“ in der Klinik Donauwörth geben Fachärzte Tipps zur Krebsvorsorge und richtigen Ernährung

Passen Darmkrebsvorsorge und Lachanfälle in denselben Vortrag? Darf man eine Lanze für das Pupsen brechen? Und was ist dran an Warnungen vor dem Milchkonsum? Antworten gab es in der Donau-Ries Klinik in Donauwörth – direkt von den Leitern des Darmzentrums, Dr. Thomas Eberl und Dr. Frank Erckmann, wie auch indirekt von Giulia Enders, deren Bestseller „Darm mit Charme“ Buchhändler Nicolas Greno präsentierte.

Das Sachbuch der Medizinstudentin erwies sich als gutes Zugpferd: Mehr als 100 Zuhörer wollten den Charme des menschlichen Darms für sich entdecken. Enders hat ihn vom unscheinbaren „Organ, das für kleine braune Häufchen und Pupstöne in unterschiedlichen Trompetenvariationen bekannt ist“, ins richtige Licht gerückt: „Er besitzt einen ganzen Fuhrpark an verschiedenen Signalstoffen, Nerven-Isolationsmaterialien und Verschaltungsarten. Es gibt nur ein Organ, das ebenfalls eine so große Vielfalt besitzt – das Gehirn.“ Beide arbeiten eng zusammen. Kein Wunder, dass Kummer auf den Magen schlägt und Bauchschmerz auf die Seele! Greno trug sein persönliches „Best of“ aus Enders’ Werk ansteckend launig vor und übergab dann an die Ärzte.

Internist Eberl wurde sogleich mit Fragen rund um eine optimale Ernährung konfrontiert: Ist Milch für Erwachsene schädlich? Er winkte ab und nannte Milch als Calciumquelle vorteilhaft – jedenfalls für die vielen, die hier keine Unverträglichkeit aufweisen. Jeder solle sich „mit gesundem Menschenverstand“ ausgewogen ernähren und herausfinden, was ihm bekommt: Der eine vertrage zum Beispiel Scharfes, der andere nicht. Für alle aber gelte: Eine ballaststoffreiche Ernährung sei das A und O und rege die Darmtätigkeit an, riet Eberl. Mit viel Obst, Gemüse und Vollkorn beuge man auch Divertikeln vor – jenen Ausstülpungen der Darmwand, die ab der Lebensmitte häufiger werden und sich entzünden können.

Chirurg Erckmann empfahl für Gesundheit und Wohlbefinden den regelmäßigen Toilettengang ohne Hetze. „Den Darm kann man trainieren und Zeit und Liebe zum Stuhlgang sind zu empfehlen“, betonte er.

Auch das Thema Darmkrebsvorsorge interessierte viele. Eberl informierte über die Darmspiegelung. Etwa jeder Fünfte ab 55 Jahren, erläuterte er, habe gutartige Darmpolypen, die entarten können, was aber meistens mehrere Jahre dauere. Bei der Darmspiegelung werden sie entdeckt und sofort entfernt – dann kann kein Krebs mehr entstehen. Stuhltests oder andere Verfahren sind weit weniger zuverlässig, wenn es um das Aufspüren der Polypen geht, verdeutlichten die Mediziner. Die Darmspiegelung erfolgt auf Überweisung vom Hausarzt und ambulant.

Für die Darmgesundheit gab es noch mehr Tipps. Antibiotika nur, wenn es wirklich nicht anders geht, hieß einer. Gegen Lachsöl, Schwarzkümmelöl oder das Heilfasten sei nichts einzuwenden – „der Nutzen ist allerdings wissenschaftlich nicht erwiesen“, gab Eberl zu bedenken. Viel Gelächter gab es, als ein Besucher ein Loblied auf den Pups anstimmte. Doch wie Autorin Enders, so konnten auch Eberl und Erckmann den Darmwinden durchaus Positives abgewinnen.

Greno und die Leiter des Darmzentrums zeigten sich schließlich einig: „Wenn die Kombination Buch und Fachinformation dermaßen gut ankommt, sollten wir so etwas wiederholen.“

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