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Kabarett

12.03.2019

Ein Gast aus „Moinland“

Jan-Peter Petersen im Thaddäus.

Das Hamburger Urgestein Jan-Peter Petersen berichtete über sein Leben als Hanseat

Kontakte sind bekanntlich alles: So erklärte Thaddäus-Wirt Jürgen Panitz auch gerne, warum der in unseren Breitengraden fast unbekannte renommierte Hamburger Kabarettist Jan-Peter Petersen nun erstmals in der Kaisheimer Kleinkunstbrauerei auftrat. Dessen Sohn Max Beier war vor zwei Jahren für einen Auftritt zu Gast und empfahl dem Thaddäus-Team seinen Vater. Dieser brachte nun am Freitagabend einiges an hanseatischem Flair nach Nordschwaben.

Mit einem fröhlichen „Moin“ begrüßte ein übers ganze Gesicht strahlender Petersen das Publikum. Den berühmten Hamburger Gruß – der übrigens ganztägig gilt – baute er während des Auftritts immer wieder ein. Der Gast aus dem hohen Norden erläuterte gleich den Unterschied zwischen Hamburgern und Hanseaten: „Hamburger stellen etwas her, Hanseaten etwas dar.“ Sein Name verrate bereits seine Herkunft, meinte der 60-Jährige, er komme aus „Moinland“. Deswegen gelte bei ihm: „Mein Kopf denkt vom Fisch her“, passenderweise heißt sein aktuelles Programm auch „Leben zwischen Fisch und Kopf“.

Was dieses Leben betrifft, ging Petersen zunächst einmal weit zurück, nämlich in den Bauch seiner Mutter. Dort galt für ihn noch „Fötus Law“ – und es gab keine „Fötussen“, die ihm das Leben schwer machten. Für ihn als heranwachsenden Menschen galt damals noch Freiheit. Was für Petersen unweigerlich die Frage aufwarf: „Bedeutet Freiheit aber nicht auch Ausgrenzung? Oder warum wählen so viele Bayern CSU?“

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Er sei ja bekennender Pazifist, so Petersen. „Das ist heute aber nicht mehr angesagt.“ Kein Wunder: „Deutschland führt heute ja auch keinen Krieg mehr – sondern exportiert ihn.“ Immerhin seien dadurch deutsche Panzer noch nie so weit gekommen wie aktuell. Dabei müsse man die Zusammenhänge erkennen: „Panzer, mit denen die Türkei auf Kurden schießt, hätte man ohne die Kurden ja nie verkaufen können. Die waren praktisch Zubehör.“

Heute wäre er noch ein stolzer Linker, berichtete Petersen. Hamburg werde schließlich auch seit Menschengedenken von der SPD regiert. Früher wäre er sogar Kommunist gewesen – „aber ein romantischer, denn ich meinte es ja ernst.“ So hing in seinem Jugendzimmer ein Porträt von Che Guevara zwischen denen von Uwe Seeler und Mowgli. Weniger gut kam bei seiner Mutter ein Plakat von Hanns Martin Schleyer an mit dem Aufdruck „Ausnutzen lohnt sich nicht“.

Breiten Raum in Petersens Gastspiel nahm auch Zuschauerin Renate in der ersten Reihe ein, die er immer wieder mit einbaute und ihr Fragen stellte. Dabei zeigte sich der Hamburger, der in der Hansestadt das Kabarett-Theater Alma Hoppes Lustspielhaus mit jährlich 40 000 Besuchern führt, begeistert von Renates Schlagfertigkeit: „Wo haben Sie so antworten gelernt? Beim Diplomatischen Corps?“

Ausführlich ging Petersen auf seine vergangenen Ehen und Beziehungen ein und warum sie jeweils scheitern mussten. Immerhin benötigte er für seine drei Kinder vier Frauen, wie er sensibel offenlegte. Sein Fazit: „Wir lieben den Geist – und schlafen mit Frauen.“ Für seine aktuelle Freundin Heike gehe er sogar ins Fitnessstudio, eine schreckliche Erfahrung. Doch wozu benötige man überhaupt eine Partnerin? Als „Couchsitzbegleiterin beim Tatort“? Das Thaddäus-Publikum konnte Petersen bei diesem Problem zwar auch nicht helfen, verabschiedete ihn aber mit lange anhaltendem Beifall.

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