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Kabarett

27.11.2019

Ein wilder Ritt mit „Compli-Katie“

Allroundtalent Katie Freudenschuss im Kaisheimer Thaddäus.
Bild: Thomas Unflath

Katie Freudenschuss begeistert im Thaddäus. In ihrem Programm erinnert sie an das Serum „Frauengold“. Ein Nachbarort kommt in der neuen Kaisheim-Hymne schlecht weg

„Frauenpower pur“ versprach Thaddäus-Wirt Jürgen Panitz zur Begrüßung – und das war keine Übertreibung. Einen Auftritt wie den von Katie Freudenschuss am Freitagabend hat man in den altehrwürdigen Kaisheimer Hallen selten erlebt. Die Kabarettistin, Sängerin, Pianistin und „Sachensagerin“ sorgte unter den Besuchern für helle Begeisterung – und auch so manches Tränchen.

Was bitte ist ein Markt?

Wie es sich für einen Profi gehört, hatte sich der Gast des Abends vorher eingelesen, wo er hier war – zwischen den weiteren Auftrittsterminen des Wochenendes in München und Hockenheim. Verwirrt fragte die 42-Jährige also: „Kaisheim ist ein Markt? Was ist das?“ Die Aufklärung half ihr nicht viel weiter, aber sie freute sich auf ein „aufregendes Gastspiel“.

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Ihren Spitznamen „Compli-Katie“, der nun als Programmname dient, habe sie einst von ihrem guten Freund Jim erhalten, berichtete die 42-jährige Wahl-Hamburgerin. Die Begründung reichte sie am Piano zur Melodie der Sängerin Avril Lavignes „Complicated“ (kompliziert) nach.

Nach dem früheren Programm „Bis Hollywood is’ eh zu weit“ sei „Einfach Compli-Katie“ nun ihr zweites Programm, erklärte das Allroundtalent. Für das Schreiben habe sie sich auf dem Flohmarkt extra einen alten Schreibtisch gekauft – und in diesem fand sie ein altes Tagebuch einer gewissen „Frau Weißenböck“ aus dem Wien des Jahres 1954. Darin berichtet ein „kompliziertes 26-jähriges Frauenzimmer“ über ihr Liebesleben. Dieses Tagebuch wurde zu einem zentralen Thema des Programms. Immer wieder las Freudenschuss („Das ist natürlich ein Künstlername, kein Mensch heißt so – in Wahrheit ist mein Name Katja Freudenschuss“) daraus vor und erläuterte, was Frau Weißenböck als unglücklich verheiratete junge Dame zu jener Zeit durchmachte. Die Auflösung führte aus der Zeit des Wirtschaftswunders charmant in die Gegenwart.

Mit einem Originalfläschchen Frauengold auf ihrem Tisch erinnerte Freudenschuss an das Serum, das im Tagebuch auch Frau Weißenböck zu sich nimmt. Es sei zu jener Zeit „Mother’s Little Helper“ gewesen, dazu ließ sie den Original-Werbespot einspielen. Für heutige Ohren kaum vorstellbar! Nun ja, das rezeptfrei erhältliche Tonikum für komplizierte Frauen mit immerhin 16,5 Volumenprozent Alkohol wurde schließlich 1981 vom Markt genommen – weil krebserregend und nierenschädigend.

72 Jungfrauen? – „Die können ja nix!“

Überragend war Katies Einwurf in Sachen 72 Jungfrauen, die islamistische Terroristen als Märtyrer angeblich im Paradies vorfinden würden. „Was ist schön daran? Die können ja nix!“ Angeblich handle es sich um einen Übersetzungsfehler und es ginge um 72 Weintrauben. „Doch für einen Obstteller sprengt sich ja keiner in die Luft.“ Wie es in der heutigen Überlieferung heißen würde, seien die 72 Jungfrauen „nicht urinierend, nicht menstruierend, nicht stuhlend, kinderlos und stets glücklich“. Die Folgerung: „Leute, kann es sein, dass dies von Männern geschrieben wurde?“

Neben vielen Lachern sorgte das Multitalent auch für so manche Träne unter den Zuhörern. Etwa, als sie in der Rolle als Melania Trump singend bei ihrer Schwester in Slowenien anrief und über ihren Ehemann klagte, über eine Scheidung nach seiner Amtszeit sprach – es sei denn, es würde sich auflösen wie bei Jackie Kennedy. „Ein rotes Kleid habe ich im Schrank.“ Oder als sich Katie für das Paar Gudrun und Jürgen im Publikum interessierte und aus deren Stichworten über ihr Zusammenkommen kurzerhand ein berührendes Musikstück zauberte, das für großen Applaus sorgte.

Liebeslied an Kaisheim

Der Höhepunkt kam im Zugabenteil: Aus Wortfetzen, was Kaisheim ausmacht, konstruierte Katie Freudenschuss binnen weniger Momente ein Liebeslied zu den Melodien von „Griechischer Wein“ und „Unser schöner Land“. Zentrale Aussagen darin: „Wir haben einen schönen Kaisersaal“, „Bürgermeister Scharr scharrt“ oder auch „Die Buchdorfer haben mehr Sonne als wir, sind aber doof“. Katies Fazit: „Kaisheim, ihr seid echte Poeten!“

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