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Dz-Lesesommer (Folge 6)

20.08.2020

Gertraud Hörr: Schmankerltour durch den Gemüsegarten

Plus Die DZ lädt ein zum Lesesommer. Mitglieder des Donauwörther Autorenclubs schreiben Kurzgeschichten für unsere Zeitung. Unsere heutige Folge 6 wurde von Gertraud Hörr verfasst.

In einer lauen Nacht im Mai trafen sich zwei Schnecken an einem Gartenzaun. „Hallo, sei gegrüßt, ich bin Schleimi. Ich wohne hier in diesem schönen Gemüsegarten bei Familie Pfefferkorn“, sprach die eine. „Hallo, ich heiße Kriechi“, stellte die andere sich vor. „Mein Zuhause ist hinter mir in diesem Gelände bei dem Gärtner Grünkraut. In meinem Zuhause habe ich viel Abwechslung. Ich kann mir jeden Tag eine andere Delikatesse zum Verkosten aussuchen. Hier muss ich nie Hunger haben!“

Schleimi betonte: „Bei mir ist es auch sehr schön! Du musst mich unbedingt mal besuchen. Dann zeige ich dir mein Reich.“ Gesagt, getan! Drei Tage später kam Kriechi zu Schleimi zu Besuch. Sie stellte fest, dass so ein Bauerngarten eine ganz andere Speisekarte zu bieten hat. Aber es gefiel ihr auch hier ganz gut.

Sie erzählte ihrer neuen Freundin, dass das Gelände von den Grünkrauts so groß sei, dass sie es noch gar nicht ganz gesehen habe. „Da musst du mich auch mal besuchen“, lud sie Schleimi ein. „Dann gehen wir auf Entdeckungsreise!“

Nach vielen Stunden auf dem Weg durch den Garten und mancher Kostprobe der jungen Pflänzchen verabschieden sich die beiden, und Schleimi versprach, in der nächsten Woche bei der Freundin vorbeizuschauen. Sie meinte: „Bis dann sind die Gemüsepflänzchen auch nicht mehr so klein, aber noch fein zart.“

Wie besprochen machte sich Schleimi wenige Tage später auf, um das Reich der Freundin zu entdecken. Als sie über die Grenze kam, wurde sie schon erwartet.

Aber nicht nur von Kriechi! Im Nachbargarten lebten auch eine Katze, ein Hund und ein Eichhörnchen, die die neue Schnecke neugierig beäugten. Aber davor brauche sich Schleimi nicht zu fürchten, beruhigte sie Kriechi. Dann gab sie zu, dass sie durchaus ängstlich sei. „In meinem Revier wohnt nämlich auch Familie Igel. Die sind leise, gemein, und wir stehen auf ihrem Speiseplan. Da muss man immer aufpassen, dass man nicht gefressen wird!“, berichtete sie. „Zum Glück sind sie vor allem nachts aktiv!“

Anschließend erkundeten die Freundinnen die Umgebung. Kriechi verriet der Kameradin, dass auf der anderen Seite des Geländes ein Beet hergerichtet werde. „Wir wollen mal sehen, ob es dort heute noch junges Gemüse zu knabbern gibt“, schlug sie vor. Auf dem Weg dorthin fanden sie noch so manches zarte Blättchen. Doch plötzlich blitzte die Sonne hinter den Wolken hervor und knallte unbarmherzig auf sie herunter. In der prallen Sonne können Schnecken schnell austrocknen. So schnell es ging, schlüpften beide unter ein großes Blatt und versteckten sich somit. „Glück gehabt,“ sagte die eine zur anderen. „Hier können wir ausruhen, bis es Abend wird, dann ziehen wir weiter.“

In der Dämmerung machten sich beide erneut auf den Weg. Und tatsächlich, am neuen Beet angekommen, fanden sie lauter junge Kopfsalatpflänzchen. Am Rand des Beetes hatte der Gärtner jedoch Sägemehl ausgestreut.

Er hoffte, dass dies die unliebsamen Besucher aufhalten würde. Aber die jungen Pflänzchen waren zu verlockend. Also versuchten es die gefräßigen Tierchen, über die Barriere zu kommen. Ständig klebten ihnen Sägespäne am Körper. Nach einigen Mühen schafften sie es dann aber doch. „Jetzt nichts wie fressen! Am besten bis morgen früh“, ermunterte Kriechi ihre Freundin. „Hierher kommen die Igel nicht“, ergänzte sie.

Als morgens die Sonne aufging, hatten die beiden ihren Hunger gestillt. Sie krochen zu einem Schattenplatz, bevor es richtig heiß wurde. Kriechi schlug vor: „Wenn wir ein Stück weiter in den Garten ziehen, wachsen dort große Zucchinipflanzen. Da können wir uns dann erholen. Sich durch so ein Salatbeet durchzuknabbern, ist ganz schön anstrengend.“

In der nächsten Nacht wollte Kriechi der Freundin noch den anderen Teil des Geländes zeigen, der auch viel Nahrung bot. Nach einem ruhigen Tag begaben sie sich am Abend wieder auf den Weg. Plötzlich spürten sie eine Gefahr, einen Schatten über sich. Und tatsächlich, da kreiste ein hungriger Star über ihnen, bereit, sich auf sie zu stürzen!

Im selben Augenblick jedoch stürmte der Hund der Gärtnerfamilie in den Garten, laut bellend. Da erschrak der hungrige Star und flog davon. Welch ein Glück für die Freundinnen!

Nach diesem Schrecken krochen sie so schnell es ging unter die nächsten Pflanzen. Die schmeckten ihnen aber gar nicht. Als sie sich erholt hatten, zogen sie ein Stück weiter und entdeckten ein Beet mit jungen Trieben einer unbekannten Pflanze. Vorsichtig probierten sie und wurden sich einig, dass sie hier die Nacht verbringen wollten. Sie aßen sich wieder richtig satt und zogen dann in Richtung Gartenzaun.

Am anderen Morgen, als die Sonne sich wieder zeigte, versteckten sie sich am Rand einer Hecke. Dort verbrachten sie noch den ganzen Tag und erzählten sich so manches Abenteuer, das sie erlebt hatten.

Am Abend verabschieden sie sich und Schleimi kletterte wieder über die Abgrenzung ins Reich der Familie Pfefferkorn. Zuvor aber verabredeten sie noch, dass sie sich den ganzen Sommer über alle zwei Wochen einmal am Zaun treffen und einen gemeinsamen Tag unter der Hecke verbringen wollten. Dort, so planten sie, würden sie sich alle Abenteuer erzählen und für immer Freundinnen bleiben.

Zur Autorin:

  • Gertrud Hörr, wohnhaft in Eggelstetten, begann vor über 20 Jahren, Geburtstagsgedichte zu schreiben.
  • Später entschied sie sich, auch andere Gedanken niederzuschreiben, die ihr im Alltag durch den Kopf geisterten.
  • Ihre Gedichte sind zum Teil in Mundart verfasst. Seit einiger Zeit schreibt sie auch Geschichten, meistens für Kinder.
  • Seit 2019 ist Gertrud Hörr Mitglied im Autorenclub Donau-Ries. Ihre Bücher sind sowohl bei der Autorin als auch in der Buchhandlung in Rain und im Buchhaus Greno in Donauwörth zu erwerben.

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