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Kabarett

01.09.2015

Im Radius von 50 Metern kann man immer einen Deppen finden

Der Mann, der Deppen magnetisch anzieht: Günter Grünwald präsentierte im Donauwörther Tanzhaus sein neues Programm.
Bild: Helmut Bissinger

Günter Grünwald gastiert mit seinem neuen Programm im Tanzhaus und lästert in gewohnt derber Art über alles

Ohne seinen Notizblock ist er nie unterwegs. Er schaut dabei seinen Zeitgenossen auf die Finger und schreibt alles auf – wie ein Deppenmagnet. Am Ende des Tages, sagt er und verwendet „die blödeste Floskel des noch jungen Jahrtausends“, hat er so viel Amüsantes zusammengetragen, dass man damit jeden Abend einen vollen Saal zum Schenkelklopfen bringen kann. Wenn dies alles so leicht wäre, gäbe es viele Günter Grünwald. Es gibt aber nur einen.

Einen, zu dem die Nordschwaben immer wieder gerne strömen. Klar, dass Grünwald dem Rechnung trägt und wenige Tage nach der Premiere mit seinem neuen Programm „Deppenmagnet“ in der Großen Kreisstadt gastiert. Manche nennen ihn Fluchkönig, kann doch keiner so laut fluchen und dabei noch charmant aussehen.

Derb war er schon immer – derb ist er auch diesmal im Stadtsaal des Tanzhauses. Er erzählt – ganz ohne Kulissen – frei weg: Von seinem Wellness-Urlaub, in dem er dem kleinen Kevin-allein-Zuhause-Verschnitt mit Vergnügen Watschn verteilt, weil der zehnjährige Schnösel ihm bei der ersten Begegnung in der Luxus-Almhütte mit eklig „angepappten Haaren“ vorgeschwärmt hatte, wie vorzüglich die Massage denn wäre. Da reißt dem Grünwald die Hutschnur, „wenn Kinder schon Snobs sind“.

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Ob er irgendwo ein Skript versteckt hat, weiß man nicht. „Eher nicht“, sagen Freunde, die ihn kennen. Nicht alle Körper im Freibad möchte er wirklich leicht bekleidet sehen, komplett Tätowierte schon gar nicht. Arg ins Visier nimmt er Smartphone und Internet. Er wundert sich über das Buch „40 Tage ohne Internet“, wo er doch 40 Jahre ein solches gelebt und in dieser Zeit niemals nach einer Onlineverbindung gefragt habe. Grünwald bleibt „körperlich“. Der „Fifty Shades of Schwachsinn“, hat er beobachtet, treibe die Menschen in Scharen in die Baumärkte, die dort verschämt nach Kabelbindern suchten. Normaler Sex sei ja out. Man sei wirklich von Deppen umzingelt. Vom neunmalklugen, internetinhallierenden Teenie bis hin zur unterbelichteten Pegida-Parole: „Wird man ja noch sagen dürfen“ – Deppen seien einfach schwer zu ertragen.

Der Zuhörer spürt, wie sich Grünwald dem absurden Theater des fiktiven Jacques Sacquees verpflichtet fühlt, der im Jahr 1924 in seinem nordserbischen Wahlheimatkaff Czschischzpczc Theaterstücke ersann, die zwar von der Politik gehasst, dafür aber von der Bevölkerung verabscheut wurden. „Vielleicht fühle ich mich dem doch nicht verpflichtet“, sagt Grünwald „am Ende des Tages“ im Hinblick auf das neue Programm.

Auch diesmal zaubert er wieder Bilder in die Köpfe derer, die manchmal Mühe haben, den rasanten Überleitungen zu folgen. Die Oma mit der Nase tief im Gemüse des Supermarktes, der Typ, dem das Tattoo in die Bauchfalte krabbelt, der kleine Wellness-Heini. Mit diesen Bildern geht man nach Hause.

Jeden Abend flucht sich Grünwald seinen Frust von der Seele. Sobald sich ein Depp im Umkreis von 50 Metern befinde, mache es „tsssss und zonk“, und schon hänge er an ihm. Und in diesem Radius hat man ja sowieso immer einen Deppen. So mancher schätzt da erst einmal die Länge des Stadtsaals ab ...

Ein bisschen hält der Ingolstädter Kabarettist den Menschen einen Spiegel vor. Sein Erfolg beruht darauf, weil man so gut verstehen kann, was ihn nervt. Und weil alles so aus dem wirklichen Leben gegriffen ist ...

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